Wolfsproblem: Schulterschluss bäuerlicher Organisationen und Einrichtungen in Tirol

Mai 22, 2018 | Allgemein

Eckpunkte für einen „Aktionsplan“ beschlossen

Nachdem die Wolfrisse im benachbarten Südtirol, Bayern und Salzburg rapide zunehmen, haben in Tirol Landwirtschaftskammer (LK)-Präsident Josef Hechenberger, Bauernbundobmann Josef Geisler und Nationalrat Hermann Gahr einen umfangreichen Maßnahmenplan für das weitere Vorgehen im Umgang mit dem Beutegreifer vorgelegt (siehe Download auf aiz.info). „Die Tiroler Bauern interessieren sich seit eh und je für den Erhalt der Arten, aber der Schutz der Menschen und Weidetiere ist ein genauso, wenn nicht deutlich höheres Schutzgut“, schickte Geisler vorweg. „Deswegen lautet unsere Forderung ganz klar, dass dort, wo durch Wölfe Schäden entstehen, diese nach dem Marktwert zu ersetzen sind. Wo keine entsprechenden Schutzmaßnahmen getroffen werden können, halten wir es für notwendig und möglich, die Entnahme von großen Beutegreifern zu fordern.“

Entschädigung bei Wolfsrissen und allenfalls auch Entnahmen

Der Wolf kann sich derzeit aufgrund seines umfassenden Schutzes ungehindert in Mitteleuropa verbreiten. Mit Reproduktionsraten von jährlich bis zu 30% und ohne natürliche Feinde schreitet die Ausbreitung in Deutschland, der Schweiz, Slowenien, Frankreich und Südtirol rasant voran (alle drei Jahre kommt es zu einer Verdoppelung des Bestandes). Mit dieser Ausbreitung verbunden sind massive Schäden in der Landwirtschaft, verursacht durch Wolfsrisse. Aber auch in österreichischen Bundesländern kam es in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder zu Wolfrissen.

In Europa leben mittlerweile schätzungsweise 20.000 bis 30.000 Wölfe (in den USA, ohne Alaska, lediglich 6.000).

 Almen sind wesentlicher Wirtschaftsfaktor für Bauern und Tourismus in Tirol

In Tirol nimmt die Almwirtschaft einen ganz besonderen Stellenwert ein. Mit über 2.000 bewirtschafteten Almen ist es das „Almenland Nummer 1“ und das Bundesland mit der höchsten Alpungsquote Die Bauern halten über 380.000 ha an Alm-Katasterflächen und 135.000 ha an Alm-Futterflächen offen. Es verbringen rund 68.000 Schafe, 5.900 Ziegen, 3.100 Pferde und 108.000 Rinder ihren Sommer auf Tiroler Almen. „Eine flächendeckende Alm- und Berglandwirtschaft ist keine Liebhaberei, sondern ein ganz wesentlicher Aspekt für regionale Wirtschaftskreisläufe. Immerhin haben wir in Tirol rund 45 Mio. Nächtigungen. Und der Hauptgrund, weswegen so viele Menschen unser Land besuchen, ist nun einmal die gepflegte Kulturlandschaft und dass Tirol ein sehr sicheres Land ist und das soll es auch bleiben“, meint Hechenberger, der im Positionspapier nicht nur einen Schulterschluss der bäuerlichen Einrichtungen untereinander, sondern auch mit Tourismus, Jagd und mit benachbarten Ländern fordert.

„Der Wolf kennt keine Landesgrenzen. Bereits in der Alm- und Weidesaison 2017 kam es in Südtirol zu mehreren Wolfsrissen mit dem Resultat, dass sich in diesem Sommer bereits einige Bauern gegen eine Alpung und die damit einhergehende Gefahr entschieden haben“, schildert Gahr, der auch Südtirolsprecher im Parlament ist und schon seit langem um eine bundesweite Lösung in der Wolf-Thematik kämpft. „Es darf uns nicht passieren, dass die ersten Almen in unserem Land schon bald nicht mehr bewirtschaftet werden und Bauern ihre Stalltüren wegen dem Raubtier Wolf für immer zusperren“, betont er die Wichtigkeit des Positionspapieres.

„In Salzburg wurden in den letzten drei Wochen mehrere Schafe und Ziegen vom Wolf gerissen und es ist kein Geheimnis, dass sich die Bevölkerung in der Nähe des Truppenübungsplatzes Allensteig mit dem Wolf konfrontiert sieht“, berichtet Gahr. „Dazu muss man wissen, dass ein Wolf Tagesstrecken von 50 Kilometern und mehr zurücklegen kann. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis wiederum einer nach Tirol einwandert. Darüber hinaus besteht aber auch bei besonders tiergerechten Stallungen für Rinder, Schafe und Ziegen im Sinne von Offenställen erhebliche Gefahr für Wolfsübergriffe, gerade für Jungtiere“, so Hechenberger abschließend.

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