TITSCHENBACHER: OHNE MODERNE BIOENERGIE-LÖSUNGEN SCHEITERT DER KLIMASCHUTZ

Sep 17, 2021 | Allgemein

Kärnten deckt 55% des Energiebedarfs aus heimischen erneuerbaren Quellen

Klagenfurt, 16. September 2021 (aiz.info). – „Holz ist der wichtigste erneuerbare Energieträger Österreichs. Eine Energiewende ohne Bioenergie und die heimische Forstwirtschaft ist undenkbar“, erklärte heute Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasseverbandes, im Rahmen des 23. bundesweiten Biomassetages in Klagenfurt.

Die Bedeutung der Bioenergie ist gerade in Kärnten ersichtlich. Das südlichste Bundesland nimmt europaweit in der Nutzung erneuerbarer Energie eine führende Rolle ein. Derzeit werden mehr als 55% des gesamten Energiebedarfs aus heimischen erneuerbaren Quellen abgedeckt. Den Löwenanteil macht dabei die Biomasse aus, sie ist noch vor der Wasserkraft der wichtigste Energieträger. Auch beim Pro-Kopf-Verbrauch ist Kärnten bei der Bioenergie weit vorne. „Das ist auch ein Verdienst unserer starken Forstwirtschaft und der entsprechenden Unterstützung des Landes durch gezielte Fördermaßnahmen“, sagte der Präsident der Landwirtschaftskammer (LK) Kärnten, Siegfried Huber.

90% der Nah- und Fernwärme erneuerbar

In Kärnten werden mittlerweile 55% der Haushalte mit Holz und somit nachhaltig beheizt. Von den insgesamt 250.000 Haushalten werden 72.000 dezentral mit Stückholz, Hackschnitzel und Pellets mit Einzelanlagen versorgt. 67.000 beziehen ihre Wärme mittlerweile aus Biomasse-Nahwärmeanlagen. Derzeit werden in Kärnten rund 200 Biomasse-Heizwerke und mehr als 150 Mikronetze (Zusammenschluss von mehreren Nachbarn zu einer Gemeinschaft) betrieben. Rund 90% der Nah- und Fernwärme werden mittlerweile durch erneuerbare Energieträger, vorwiegend Holz, bereitgestellt. Fossile Energie spielt nur mehr eine Nebenrolle.

Holz als regionaler Wirtschaftsmotor

„Mehr als 80% der Biomasse für die Wärmeversorgung werden durch die heimische Forst- und Holzwirtschaft bereitgestellt, der Rest stammt unter anderem aus dem Abfallbereich. Wenn man bedenkt, dass der Einsatz von Bioenergie ungefähr acht Mal so viele Arbeitsplätze wie ein vergleichbares fossiles Energiesystem schafft, die heimische Wertschöpfung durch das Biomassesystem um den Faktor 7 höher ist und die Geldabflüsse ins Ausland ein Siebentel im Vergleich zu fossilen Energiesystemen betragen, so wird einem die regionale Bedeutung der Bioenergie sehr rasch klar. Dazu kommt aufgrund der CO2-Neutralität noch der Nutzen für das Klima“, so Huber.

Auch für die von Schadereignissen beeinträchtigte Forstwirtschaft sei die Bioenergienutzung unverzichtbar, denn die energetische Verwertung sei oftmals die einzige Möglichkeit, diese Sortimente zu verwenden. „Die Bioenergie steht in keiner Konkurrenz zur stofflichen Nutzung, sondern sie ist der Kraftstoff für die Kreislaufwirtschaft und die Bioökonomie. Die Holznutzung ist ausschlaggebend, denn ein nachhaltig bewirtschafteter Wald ist aktiver Klimaschutz“, stellte Huber fest.

In dem von der LK Kärnten initiierten Zukunftsprozess für die heimische Land- und Forstwirtschaft spielt Holz in allen Formen eine gewichtige Rolle. Eine der zentralen Zielsetzungen ist die Erhöhung des Anteils der Bioenergie am Bruttoinlandsverbrauch von derzeit 32 auf 45% bis 2030. Die Statistik zeigt, dass nach wie vor zirka 60.000 Haushalte in Kärnten fossil beheizt werden. Zumindest die Hälfte davon könnte kurz- oder mittelfristig mit Biomasse in allen Formen versorgt werden.

Bioökonomie hat großes Zukunftspotenzial

In der Bioökonomie sieht der LK-Präsident die Zukunft Kärntens. Das Bundesland verfügt über einen Waldanteil von 62%. Holz gilt daher als wichtige strategische Ressource. „Der Einsatz von Holz muss im täglichen Gebrauch, im Hochbau, in der Wärme- und Strombereitstellung, aber auch in der Forschung und Entwicklung von Biospritanlagen – Stichwort Holzdiesel – massiv ausgebaut werden. Diese Anstrengung verlangt ein klares Bekenntnis der Landespolitik zur nachhaltigen Nutzung unserer Wälder“, betonte Huber. „Waldbewirtschaftung und Holzverwendung sichern nicht nur Wertschöpfung für die bäuerlichen Betriebe, sondern auch Arbeitsplatze im ländlichen Raum. Klimaschutz bedeutet auch nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder. Außer-Nutzung-Stellungen sind nicht der Weisheit letzter Schluss“, so der LK-Präsident.

Titschenbacher ortet hier noch einen enormen Nachholbedarf in der Gesetzgebung. „Für den Herbst wurden unter anderem das Erneuerbare-Wärme-Gesetz und das Energieeffizienzgesetz angekündigt, die einen enormen Hebel für die Wärmewende bewirken könnten. Große Hoffnungen setzen wir auf die angekündigte ökosoziale Steuerreform, diese könnte einen weiteren Impuls für die Biomasse-Branche bringen“, so der Präsident. Auch im Bereich Mobilität könne die Land- und Forstwirtschaft mit der Produktion von Holzdiesel und Holzgas einen wichtigen Beitrag leisten.

CO2 in Pflanzenkohle speichern

„Eine große Herausforderung ist auch die langfristige Speicherung von Kohlendioxid aus der Atmosphäre“, erläuterte Gerhard Soja, Vorsitzender des Österreichischen Vereins für Biomasse-Karbonisierung (ÖBIKA) und Forscher am Austrian Institute of Technology an der Universität für Bodenkultur. Bei der sogenannten Pyrolyse geht anstatt des gesamten, in der Biomasse gespeicherten Kohlenstoffs nur mehr die Hälfte in Form von flüchtigen energiereichen Verbindungen in die Atmosphäre über. Diese können gesammelt und energetisch genutzt werden, sie helfen so, fossile Brennstoffe einzusparen. Die andere Hälfte des Kohlenstoffs verbleibt in der Holzkohle und wird so langfristig aus der Luft entfernt.

„Durch die Nutzung der Nebenprodukte, die in der Land- und Forstwirtschaft anfallen, können die CO2-Speichereffekte der Wertschöpfungskette Holz mit Biokohle mehr als verdoppelt werden. Als Nebenprodukt wird Bioenergie frei. Die Premium-Holzkohle aus einem Kraftwerk kann vielseitig eingesetzt werden: in der Futtermittel- und in der Kosmetikindustrie, als Bodenverbesserungsmittel, in der Tierhaltung, aber auch in der Baustoffindustrie“, informierte Soja. Ein interessantes Beispiel sei „Klimabeton“. Erste Versuche hätten gezeigt, dass durch die Beimischung von Pflanzenkohle 15% Zement eingespart werden können. Dadurch werde langfristig CO2 im Beton gespeichert. „Die Land- und Forstwirtschaft wird die Energiewende positiv mitgestalten und einen wichtigen Beitrag zur Verminderung des Klimawandels leisten“, stellte der Wissenschafter fest.

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