Keine kostenlosen Ökosystemleistungen bei minimalem Holzertrag mehr möglich

Steyr, 2. Oktober 2019 (aiz.info). – Bei einem Sommergespräch von Pro Silva Austria Ende August in Steyr (OÖ) standen mögliche Alternativen zur drohenden Ertragslosigkeit der Waldwirtschaft im Fokus. Bisher kostenlos erbrachte Ökosystemleitungen der Waldbewirtschafter wurden dabei in Frage gestellt und fünf praktische Umsetzungen einer erfolgreichen Vermarktung des Wald-Mehrwertes mit den Konzepten “Forstwirtschaft abseits der Holzproduktion”, “Ökologische Kompensation”, “Schutzwaldmanagement entlang von Bahntrassen”, “Klimaschutz- & Biotopwälder” sowie “Erholungsnutzen” unter die Lupe genommen wurden.

“Bei der derzeitigen Ertragslage können die Schutz- und Wohlfahrtsfunktionen der Wälder nicht mehr wie bisher erfüllt werden”, resümierte Frank Diehl vom Forstbetrieb Mayr-Melnhof Salzburg. Tatsächlich ist Österreich eines der wenigen Länder Zentraleuropas, in denen bislang eine gewinnbringende Waldbewirtschaftung noch möglich war. Der Klimawandel mit Holzschwemme, Borkenkäfer und Preisverfall setzt dem “Sparbuch Wald” ein jähes Ende, mehr und mehr Bewirtschafter sind mangels ausreichender Ertragslage am Aufgeben. Nationale Ökosystemleistungen des Waldes wie CO2-Bindung, Klimaschutz, Trinkwasserspeicher, Schutz vor Naturgefahren, Staubfilter, Erholungsraum und Freizeitbereich etc. bekommen einen immer höheren Stellenwert, doch erzielen sie kaum mehr einen Preis. Die Tagungsteilnehmer waren sich darin einig, dass die heimische Waldbewirtschaftung in Gefahr ist und stellten die Frage “Wer zahlt künftig die Ökosystemleistungen? auf. Sie sehen Politik und Ideenreichtum gefordert, sonst werde schon bald der Steuerzahler dafür zahlen müssen.

Der Wald leistet mehr als er “wert” ist

Die sozialen und ökologischen Waldfunktionen sind zwar im Forstgesetz verankert, doch scheint dies alles “ehrenamtlich” mit dem Holzerlös abgegolten. Ohne monetären Ertrag droht dieses bisher für selbstverständlich gehaltene System zu kollabieren. “In Wäldern der öffentlichen Hand, wie den Wiener Stadtwäldern, geht es nun vorrangig um die Bewertung der sozialen Waldwirkungen”, betont Hannes Lutterschmied vom Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Bundeshauptstadt. Er verwies auf wissenschaftliche Bewertungsansätze, die den politischen Entscheidungsträgern den Wert des Erholungsnutzens darstellen.

“Die gesamte Forst- und Holzbranche muss verstärkt den Wert der CO2-Senkung durch Wälder und Holzprodukte kommunizieren”, betonte Franz Reiterer vom gleichnamigen Forstbüro in Micheldorf (OÖ). Das deutsche Thünen-Institut hat dazu ein Rechenmodell für Forstbetriebe (https://www.thuenen.de/) entwickelt.

Einen möglichen Ansatz zeigt auch die Bischöfliche Forstverwaltung Linz: “Wir haben den stadtnahen Waldteil als Erholungsgebiet an die Stadt Steyr verpachtet, durch diese Einnahmen wird die Bewirtschaftung wieder interessant”, erläuterte Christoph Geier, Forstwirt der Diözese Linz. Über viele Jahre schrieb dieser Waldteil durch den hohen Besucherdruck negative Zahlen. Neben den Pachteinnahmen wird auch das Waldmanagement als Dienstleistung abgegolten, nunmehr gibt es ein faires Übereinkommen mit der Stadt Steyr.

Ein Vorreiter im Bereich Vertragsnaturschutz und ökologische Kompensationszahlungen ist der Forstbetrieb Esterhazy in Eisenstadt, wie Erhard Ungerböck in seinem Statement zum Thema “Forstwirtschaft abseits der Holzproduktion” erläuterte. “Auch dies ist ein steigender Markt, der mittlerweile für Waldbewirtschafter interessant wird”, schilderte Stefan Heuberger, Professor an der Forstfachschule Traunkirchen.

Bewertungsstandards: Politik ist endlich gefordert, zu handeln

Pro Silva Austria fordert die Entwicklung von Bewertungsstandards für die Abgeltung von speziellen Waldleistungen wie auch für privatrechtliche Vereinbarungen zwischen Waldbesitzern und Interessengruppen. Ausgehend von den vorgestellten Beispielen müsse nach 30 Jahren Diskussion diese – nunmehr auch existenzielle – forstliche Produktlücke geschlossen werden. Naturnahe Waldbewirtschaftung liefere beste Voraussetzungen, um eine Holznutzung mit speziellen Ökosystemleistungen zu kompensieren, wurde abschließend betont.

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