Es war eine enge Angelegenheit: Die rot-weiß-roten Starter für die Forstarbeiter-Weltmeisterschaft 2020 in Serbien mussten in Kärnten durch eine beinharte Qualifikation. Am Ende entschied manchmal sogar nur ein einziger Zähler über das WM-Ticket!

Die heimische Forstwettkampf-Elite blickte diese Woche einmal mehr auf den Litzlhof in Kärnten. Dort heulten wieder die Motorsägen auf, denn das österreichische Aufgebot für die nächstjährige Weltmeisterschaft in Belgrad wurde fixiert. Insgesamt fünf Startplätze standen zur Disposition – drei in der Profiklasse, dazu je ein Platz im Junioren- und im Damenbewerb.

Hartes Quali-Programm
Um sich eines der begehrten Tickets zu sichern, galt es für die Athletinnen und -athleten, ein kräfteraubendes Programm zu absolvieren: Sämtliche fünf WM-Disziplinen (Kettenwechsel, Kombinationsschnitt, Präzisionsschnitt, Zielfällung, Entasten) wurden insgesamt sechsmal bestritten. „Die Serien mehrmals hintereinander zu schneiden und dabei stets solide Leistungen abzurufen, ist noch einmal etwas Anderes als ein typischer Forstwettkampf“, fand der amtierende Bundesmeister Johannes Meisenbichler. Für den Steirer war es die erste derartige Qualifikation, die er auch mit Bravour absolvierte und sich ebenso in den Profi-Kader kämpfte wie die WM-erprobten und bereits mit Edelmetall dekorierten Motorsägen-Athleten Jürgen Erlacher (Ktn.) und Harald Umgeher (NÖ).

Bis zum Schluss war alles möglich, denn am Ende entschieden nur zehn Zähler (bei einer Gesamtpunktezahl von über 6.600) zugunsten von Umgeher, der damit im kommenden September zu seiner siebenten Weltmeisterschaft fahren wird. Knapp an der Qualifikation vorbei schrammte hingegen Simon Mayr. Der Tiroler steht jedoch als Ersatzmann bereit, sollte einer der drei designierten Starter ausfallen.

Krimi bis zum Schluss
Noch enger ging es im Rennen um den einzigen Startplatz in der Junioren-Klasse her: Ein einziges Pünktchen gab schließlich den Ausschlag! „Wenn am Ende ein Punkt entscheidet, dann ist das schon brutal. Ich leide wirklich mit ihm mit“, war es Daniel Oberrauner merklich unangenehm, seinen Freund Michael Ramsbacher derartig knapp aus dem WM-Aufgebot zu bugsieren. Selbst der dritte Starter im rein kärntnerischen Dreikampf – Martin Weiß – hatte bis zum Schlussbewerb die Chance auf die Qualifikation. Hatte Oberrauner bei der WM 2018 in Norwegen noch um zwei Punkte den WM-Titel in der Junioren-Klasse verpasst, war Glücksgöttin Fortuna diesmal auf seiner Seite.

Weinberger erneut bei WM
Um den Startplatz im Damenfeld bei der WM 2020 lieferten sich Caroline Weinberger (Ktn.) und Barbara Rinnhofer (Stmk.) ein spannendes Duell. Weinberger, die 2018 als erste Österreicherin bei einer WM gewesen war, bewies dabei einmal mehr ihre Nervenstärke. Mit dem begehrten Ticket in der Tasche zog die junge Kärntnerin eine positive Bilanz: „Es waren wieder tolle Tage am Litzlhof. Obwohl es für jeden Einzelnen um viel gegangen ist, gab es einen hervorragenden Teamgeist, denn wir haben uns alle gegenseitig unterstützt und aufgebaut. Dennoch war es anstrengend – umso mehr freue ich mich jetzt bereits auf die WM 2020.“

Stimmen aus dem österreichischen WM-Team

Jürgen Erlacher
„Bis auf ein paar Kleinigkeiten ist es perfekt gelaufen. Es hat wirklich alles gepasst – sogar das Wetter. Was man aber wirklich hervorstreichen muss, ist das Gemeinschaftsgefühl und die Fairness unter allen Athleten – und das trotz der beinharten Qualifikation.“

Johannes Meisenbichler
„Es haben alle auf einem unglaublich hohen Niveau geschnitten. Da konnte man sich nicht den kleinsten Fehler erlauben. Dass ich es ins WM-Team schaffe, habe ich mir vor ein paar Monaten noch gar nicht träumen lassen: Es ist schon bei der Bundesmeisterschaft besser gelaufen als erwartet und hier in Kärnten noch einmal richtig, richtig gut.“

Harald Umgeher
„Wie immer war alles top organisiert. Meine Leistung war auch durchwegs in Ordnung, in einzelnen Disziplinen sogar richtig stark. Am Ende hat es für mich zum Glück wieder gereicht, sodass der Start in Belgrad meine siebente WM-Teilnahme sein wird.“

Daniel Oberrauner
„Da es so knapp war, freut es mich umso mehr, dass ich kommendes Jahr zur WM fahren darf. Mit Punktekrimis kenne ich mich spätestens seit der letzten Weltmeisterschaft in Norwegen aus. Wie vor einem Jahr hat auch diesmal der allerletzte Ast entschieden – zum Glück in diesem Fall für mich.“

Caroline Weinberger
„Ich wollten nach den tollen Erfahrungen in Norwegen unbedingt wieder mit zur WM fahren. Daher habe mich sehr intensiv und konsequent auf die Qualifikation vorbereitet. Super, dass ich nun 2020 wieder WM-Luft schnuppern darf.“

Armin Graf (Nationalteam-Coach)
„Aus Sicht des Trainers ist es sehr erfreulich, wenn alle Leistungen auf WM-Niveau sind. So können wir sehr zuversichtlich zur WM fahren. Allerdings schläft auch der Rest der Welt nicht. Es wird in Serbien bestimmt ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem viele Nationen eine Chance auf WM-Medaillen haben werden. Österreich gehört auf alle Fälle dazu.“

Johannes Kröpfl (Nationalteam-Coach)
„Aus neutraler Sicht ist es super, dass die Leistungsdichte in Österreich so enorm hoch ist. Da ist es kein Wunder, wenn es am Ende um einzelne Punkte geht, um ins WM-Aufgebot zu kommen.“

Das österreichische Nationalteam ist bereit für die Weltmeisterschaft 2020 in Belgrad: Coach Armin Graf, Jürgen Erlacher, Johannes Meisenbichler, Harald Umgeher, Ersatzmann Simon Mayr, Coach Johannes Kröpfl (hinten), Caroline Weinberger und Junioren-Starter Daniel Oberrauner (vorne).
Copyright: Richard Simma

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Das österreichische Nationalteam ist bereit für die Weltmeisterschaft 2020 in Belgrad: Coach Armin Graf, Jürgen Erlacher, Johannes Meisenbichler, Harald Umgeher, Ersatzmann Simon Mayr, Coach Johannes Kröpfl (hinten), Caroline Weinberger und Junioren-Starter Daniel Oberrauner (vorne).
Copyright: Richard Simma

Über den Forstwettkampfverein Österreich
Der gemeinnützige Verein fördert die Austragung von Forstberufswettkämpfen in Österreich. Insbesondere unterstützt er die österreichischen Teilnehmer/innen an Welt- und Europameisterschaften. Die Forstwettkämpfe dienen u.a. dazu, den Sicherheitsaspekt in der Forstarbeit sowie die forstliche Ausbildung ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Neuigkeiten rund um den Forstwettkampfverein sowie das österreichische Nationalteam findet man auf der Facebook-Seite des Vereins unter: www.forstwettkampf.at

Die Forstarbeiter-Weltmeisterschaft 2020
Die Forstarbeiter-WM findet 2020 von 2. bis 7. September in Belgrad (Serbien) statt. In der serbischen Hauptstadt werden die weltbesten Forstwettkämpfer aus 30 Nationen um Medaillen kämpfen. Neben den Einzelbewerben (Kettenwechsel, Kombinierter Schnitt, Präzisionsschnitt, Zielfällung und Entasten), den daraus resultierenden Team- und Gesamtwertungen wird auch wieder der spektakuläre Staffelwettbewerb, die Länderstafette, ausgetragen. Neben den Profis kämpfen auch wieder die Junioren und Damen um WM-Edelmetall.

Die fünf WM-Einzeldisziplinen

  • Kettenwechsel: Schwert wenden und Kette wechseln, lautet hier die Devise. Die Motorsäge muss dabei wieder einsatzbereit zusammengesetzt werden, denn die Bewerbe Kombinierter Schnitt und Präzisionsschnitt müssen ohne weitere Veränderungen an der Maschine damit durchgeführt werden.
  • Kombinationsschnitt: Von zwei Stämmen wird je eine 3 bis 8 cm dicke Holzscheibe abgeschnitten. Die Schwierigkeit dabei ist, dass von unten und oben nur bis zur Hälfte des Stammes geschnitten werden darf. Beide Schnitte sollten sich ohne Versatz treffen und rechtwinklig zur Stammachse durchgeführt werden.
  • Präzisionsschnitt: Wie beim kombinierten Schnitt wird von zwei Stämmen eine 3 bis 8 cm dicke Holzscheibe abgeschnitten – diesmal aber nur von oben. Allerdings sind die Stämme bei dieser Disziplin auf einem Brett am Boden befestigt. Die Scheibe soll möglichst vollständig abgeschnitten werden, ohne jedoch das Brett anzuritzen. Eine Sägemehlschicht versperrt den Athleten zusätzlich die Sicht auf die Kontaktzone zwischen Stamm und Brett – hier sind Augenmaß und Fingerspitzengefühl gefragt.
  • Zielfällung: Innerhalb von drei Minuten soll ein Baum (Mast) so nahe wie möglich an einem vorgegebenen Ziel gefällt werden – natürlich muss der Athlet dabei arbeitstechnische Vorgaben einhalten und auf die Arbeitssicherheit achten.
  • Entasten: Die Athleten müssen auf zylindrischen Stämmen 30 runde Äste, die in einem standardisierten Muster eingesetzt sind, absägen. Diese Aufgabe gilt es so stammeben und rasch wie möglich zu erledigen, ohne dabei auf die Arbeitssicherheit zu vergessen.

 

Weiterführende Links
Informationen rund um die Bewerbe, WM-Historie usw. finden Sie unter: www.ialc.ch

Informationen zum österreichischen Nationalteam finden Sie unter: www.forstwettkampf.at

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