Organisation setzt sich seit zwei Jahrzehnten für Energiewende ein

Wien, 28. Oktober 2015 – Ohne eine koordinierte Strategie zum Ausstieg aus der fossilen Energieerzeugung, zum Ausbau der erneuerbaren Energie und zur Reduktion des Energieverbrauchs sowie von Treibhausgasen sieht Josef Plank, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes (ÖBMV), keinen Erfolg für das Projekt Energiewende. Deshalb forderte er beim 19. Biomassetag in Bruck an der Mur von der Bundesregierung die Erarbeitung einer Energiestrategie mit den Zielen, bis 2030 den Anteil der Erneuerbaren auf 60% zu steigern sowie den Endverbrauch auf 940 PJ sowie die CO2-Emissionen um 60% im Vergleich zu 2005 zu senken. Neben ordnungspolitischer Maßnahmen, wie dem sukzessiven Verbot besonders klimaschädlicher Energieträger, sowie der Forcierung des Ausbaus der Bioenergie-Nutzung wird die Einführung einer CO2-Steuer nach dem Vorbild Schweden vorgeschlagen. “Diese Maßnahme ist die einfachste, effizienteste und wirksamste Möglichkeit, fossile CO2-Emissionen zu senken und den Umstieg auf erneuerbare Energieträger zu bewerkstelligen”, so Plank.

Er bezieht sich dabei auf ein aktuelles Szenario des Umweltbundesamtes, in dem nachgewiesen wurde, dass der Endenergieverbrauch bis 2030 auf 940 PJ reduziert werden kann; 2013 lag er bei 1.119 PJ. Unter diesen Voraussetzungen könne Bioenergie bis 2030 unter Ausnutzung der Potenziale 30% der benötigten Energie bereitstellen – alle Erneuerbaren 60%. Dadurch würden (bezogen auf 2005) rund 60% Treibhausgas (THG)-Emissionen eingespart, so der Präsident. “Wenn es gelingt, die brachliegenden Rohstoffpotenziale aus der Forst- und Holzwirtschaft, der Landwirtschaft sowie dem Abfallsektor zu mobilisieren, ist eine Steigerung der Biomassenutzung um fast 40% bis 2030 möglich”, ergänzte Plank. Etwa 44% des Ausbaupotenzials erschließen sich aus holzbasierten Energieträgern aus der Forstwirtschaft und Laugen. Der Rest stammt aus der Landwirtschaft und der Abfallwirtschaft sowie Kurzumtriebsflächen. Biogas könnte mit 23% des Ausbaupotenzials an Bedeutung gewinnen. Alle Prognosen können im Detail in der neuen Broschüre “Bioenergie 2030” nachgelesen werden.

Schweden machen es vor

In Schweden beträgt der Anteil der Erneuerbaren am Endverbrauch seit einigen Jahren mehr als 50%. Bioenergie trägt dazu mehr als zwei Drittel bei. Das Ziel ist, bis 2030 einen Transportsektor frei von fossilen Treibstoffen und bis 2050 einen Energiesektor basierend auf 100% Erneuerbaren zu schaffen, informierte Robert Fischer vom Schwedischen Biomasseverband. Seit 1990 hat Schwedens Bruttonationaleinkommen (BNP) um 60% zugenommen, gleichzeitig wurden die THG-Emissionen um 25% gesenkt. Vor allem im Fernwärmesektor hat das Land eine “Energiewende” vollzogen. Von 90% fossilen Brennstoffen in den 1970ern zu fast 90% nicht-fossiler Heizenergie heute. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war die Einführung der sukzessiv steigenden CO2-Steuer mit 27 Euro/t CO2eq (1991, heute 120 Euro/t). Während Haushalte und Dienstleistungssektoren die Steuer von Anfang an voll entrichten mussten und andere Industriebereiche Reduktionen genossen, wird sie ab 2018 für alle Sektoren fällig.

Die große Herausforderung der Zukunft sieht Fischer im Strom- und Transportsektor. Die Erreichung der Ziele scheine technisch möglich, werde aber vor allem durch EU-Richtlinien und die aktuell niedrigen Treibstoffpreise behindert. Für den Elektrizitätssektor liege ein wesentlicher Aspekt der Herausforderungen im stark unterschiedlichen Strombedarfsprofil. “Ein Viertel der winterlichen Spitzenlast ist auf die große Anzahl von Direktstrom- und Wärmepumpenheizungen in Einfamilienhäusern zurückzuführen.

Wärmepumpenheizungen verbrauchen zwar durch ihre guten Jahresarbeitszahlen jährlich wesentlich weniger Energie als Direktstromheizungen, müssen aber in den kältesten Wintertagen durch elektrische Zusatzheizungen ergänzt werden”, begründete Fischer.

Die aktuelle Regierung nimmt die Zukunft des Energiesystems sehr ernst und hat im März eine überparteiliche Energiekommission initiiert, deren Aufgabe es ist, eine Basis für eine breite politische Einigung über die langfristige Energiepolitik zu schaffen.

20 Jahre Österreichischer Biomasse-Verband

Der ÖBMV wurde am 20. April 1995 als unabhängige Informations-, Diskussions- und Expertenplattform gegründet. 2000 wurde in der “Puchberger Erklärung” das Ausbauziel von 203 PJ Bioenergie bis 2010 definiert, die 2008 nachgeschärft und 2011 neu definiert wurden. 2005 wurde die erste Mitteleuropäische Biomassekonferenz mit 900 Teilnehmern durchgeführt. Sie hat sich erfolgreich entwickelt und zählt 2014 bereits mehr als 1.100 Teilnehmer. Aktuell hat Josef Plank den Verbandsvorsitz inne.

Österreichischer Biomasse-Verband

Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie weitersurfen, gehen wir davon aus, dass Sie damit einverstanden sind. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen