Österreichische Bundesforste ziehen durchwachsene Waldbilanz 2016

Dez 2, 2016 | Allgemein

Schadholz durch Borkenkäfer, lokale Windwürfe und Spätfrost auf hohem Niveau

Wien/Purkersdorf, 1. Dezember 2016 – Mit Ende des Jahres ziehen die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) eine erste Bilanz über das Waldjahr 2016. „Von großen Schadereignissen blieben unsere Wälder heuer verschont. Verstärktes Borkenkäferaufkommen, lokale Windwürfe und starker Spätfrost machten dem Forst heuer dennoch zu schaffen. Daher rechnen wir für 2016 mit einer Schadholzmenge von rund 800.000 Erntefestmeter (Efm), das mehr als der Hälfte der jährlichen Erntemenge von 1,5 Mio. Efm entspricht. Verglichen zum Vorjahr ist der Schadholzanteil damit zwar von 66% auf rund 55% zurückgegangen, liegt jedoch noch immer deutlich über dem jahresüblichen Schnitt von rund 30%“, erklärt Rudolf Freidhager, Vorstand der Österreichischen Bundesforste. Die Investitionen in den Wald setzen die ÖBf fort. „Allein heuer betragen die Investitionen in Waldpflege rund 11 Mio. Euro. Der größte Teil entfiel dabei auf Aufforstungen und Borkenkäferbekämpfung. Allein 2016 wurden rund zweieinhalb Mio. Jungbäume ausgepflanzt“, unterstreicht Freidhager.

Schadholz rückläufig, Borkenkäfer verdoppelt

Während das Schadholzaufkommen im Vergleich zum Vorjahr insgesamt rückläufig ist, hat sich der Anteil an so genanntem „Käferholz“ auf rund 400.000 Efm verdoppelt und macht damit zirka die Hälfte der gesamten Schadholzmenge aus. „Zum überwiegenden Teil sind dies noch Nachwirkungen des schweren Eisanhangs und Schneebruchs im Winter 2014“, erklärt der Vorstand. Ein außergewöhnlicher Eisregen hatte damals die Wälder insbesondere des Waldviertels mit einer Eisschicht, sog. Eisanhang, überzogen, unter dessen Last zahllose Bäume abbrachen oder zusammenstürzten. Ein weiterer Teil des Schadholzes ist auf lokale Windwürfe im laufenden Jahr – vor allem in Salzburg und Tirol – zurückzuführen. Im April dieses Jahres brachte ein Spätfrost mit anhaltend tiefen Temperaturen bereits frisch ausgetriebene Buchenblätter zum Erfrieren. So waren in den nördlichen und südlichen Kalkalpen großflächig braun gewordene Buchen zu beobachten. Die Bäume haben einige Wochen später jedoch neu ausgetrieben, es muss nur mit kleinen Zuwachsverlusten gerechnet werden. Von bleibenden Schäden ist nicht auszugehen, so die ÖBf.

Gute Wachstumsbedingungen für Jungkulturen

Im Vergleich zum langjährigen Mittel war es heuer wärmer und im größten Teil Österreichs auch feuchter. „Es herrschten gute Wachstumsbedingungen für den Wald. Ausschlaggebend dafür war ausreichend Feuchtigkeit im Frühjahr, wo die meisten Jungpflanzen ausgebracht wurden, die infolge sehr gut angewachsen sind. Aufgrund der feuchten Witterung konnten wir bereits im Frühjahr unsere Aufforstungen zur Gänze abschließen“, blickt der Vorstand zufrieden zurück. Gepflanzt wurden rund zweieinhalb Mio. Jungbäume, davon neben standorttypischen Fichten verstärkt Lärchen, aber auch andere alpine Arten wie Zirben, Tannen oder Bergahorn, um die Vielfalt im Wald zu fördern. Ein Drittel der gepflanzten Bäume waren Lärchen, die aufgrund ihrer tiefreichenden Wurzeln als sturmresistenter gelten als die flachwurzelnde Fichte. Der größte Teil der Jungpflanzen entfiel mit rund je 700.000 Bäumen auf die Bundesländer Oberösterreich und Salzburg, die von den Wetterkapriolen der letzten Jahre besonders betroffen waren. Rund 460.000 Jungpflanzen wurden in der Steiermark ausgebracht, etwa 400.000 in Niederösterreich und knapp 260.000 in Tirol.

11 Mio.Euro in Wald investiert

„Der Klimawandel bleibt für die Forstwirtschaft die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts“, betont Freidhager und verweist auch auf dessen finanzielle Auswirkungen. „Durch häufiger auftretende Wetterkapriolen und Schadereignisse müssen wir verstärkt in Waldpflege investieren. Mit rund 11 Mio. Euro liegen die Investitionen in den Wald auch heuer wieder auf hohem Niveau, davon geht mit knapp 3 Mio. Euro der Großteil in die Aufforstung, weitere 4 Mio. Euro in Borkenkäferbekämpfung und Pflege von Jungwald“, schlüsselt Freidhager auf und ergänzt: „Aufgrund des feuchten Wetters waren die Aufwendungen für die Pflege der Jungkulturen heuer etwas höher als im Vorjahr. Ein sorgfältiges Monitoring und regelmäßige Borkenkäferkontrollen werden in Anbetracht der Wetterkapriolen auch weiterhin eine wichtige Aufgabe bleiben.“

Schäden durch Wildverbiss

Zu Buche schlagen auch die Maßnahmen zum Schutz vor Wildverbiss mit über einer halben Mio. Euro vor allem dort, wo die Wildstände zu hoch sind und ein waldverträgliches Maß übersteigen. Jungpflanzen von Tannen und Lärchen etwa gelten als „Leckerbissen“ am Speiseplan der Wildtiere, die sich durch steigenden Nutzungsdruck vermehrt in schwer zugängliche Waldgebiete zurückziehen. Insbesondere die Tanne leidet unter Wildverbiss. „Wir haben bereits damit begonnen, örtliche Maßnahmen zu setzen. So werden Schadensgebiete verstärkt in Eigenbewirtschaftung übernommen. Zukünftig wollen wir bei den Aufforstungen auch die Kraft der Natur noch stärker nutzen. Werden die Jungpflanzen von den Wildtieren nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen und muss von Menschenhand weniger nachgeholfen werden, kann sich der Wald sehr gut aus eigener Kraft erneuern. Auf diese Art und Weise können nicht nur die natürlichen Waldtypen vom Auwald bis zum Lärchen-Zirben-Mischwald in ihrer Vielfalt gefördert, sondern auch Kosten für Aufforstungen um ein Vielfaches eingespart werden. Diese Umstellung ist allerdings – wie so vieles in der Forstwirtschaft – ein längerfristiger Prozess“, beschreibt Freidhager zukünftige Herausforderungen.

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