Titschenbacher: Jetzt gibt es wieder Zuversicht bei Anlagenbetreibern

Wien, 18. Februar 2019 (aiz.info). – Der von Bundesministerin Elisabeth Köstinger am Freitag präsentierte alternative Lösungsvorschlag zur Rettung der von der Schließung bedrohten Holzkraftwerke sorgt für große Erleichterung in der Branche. Auch aus den Bundesländern kommen erste positive Signale. Nachdem die SPÖ im Bundesrat die notwendige Zweidrittel-Mehrheit für die Ökostromgesetznovelle verhindert hat, will Köstinger ein Biomasse-Grundsatzgesetz vorlegen, das mit einfacher Mehrheit im Nationalrat und im Bundesrat beschlossen werden kann. Die Umsetzung auf Länderebene soll durch neun Ausführungsgesetze erfolgen.

“Selbstverständlich begrüßen wir diesen Vorstoß. Die Verunsicherung in der Branche war durch die Ablehnung der SPÖ-Bundesräte enorm. Durch die Ankündigung Köstingers, die Nationalratsbeschlüsse gemeinsam mit den Ländern umzusetzen, gibt es in der Branche nun wieder Zuversicht und die Hoffnung auf eine rasche und tragfähige Lösung für die 47 von der Schließung bedrohten Holzkraftwerke. Die betroffenen Arbeitnehmer und Unternehmen können wieder aufatmen”, erklärt Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes.

Ökostrom für 33.000 steirische Haushalte

Auch in seiner Funktion als steirischer Landwirtschaftskammer-Präsident zeigt sich Titschenbacher erleichtert über das von Köstinger angekündigte Biomasse-Grundsatzgesetz. “Bereits im März soll der Entwurf für dieses Bundesgesetz in Begutachtung gehen und dann mit einfacher Mehrheit im Nationalrat beschlossen werden. Anknüpfend an den bundesgesetzlichen Rahmen können die neun Bundesländer jeweils Ausführungsgesetze beschließen”, so der Präsident.

“Mit dieser geplanten Alternativlösung können die Betreiber der 27 in der Steiermark aktiven Holzkraftwerke nach der Verunsicherung der vergangenen Monate jetzt wieder aufatmen. Diese Anlagen versorgen 33.000 Haushalte verlässlich und unabhängig von Jahreszeit und Witterung mit Ökostrom und sichern rund 800 Arbeitsplätze in der Holz- und Sägeindustrie sowie Forstwirtschaft. Etwa 60% der steirischen Kapazitäten wären von der unmittelbaren Schließung betroffen”, gibt Titschenbacher zu bedenken.

Pernkopf: Blau-gelbe Energiewende umsetzen

Auch Niederösterreichs LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf sieht die von Köstinger präsentierte Ökostrom-Lösung positiv. “Wir begrüßen alles, was unsere blau-gelbe Energiewende unterstützt”, sagt Pernkopf. Die Verlängerung der Fördertarife sei für die Zukunft von 14 der insgesamt 29 Biomassekraftwerke in Niederösterreich “von lebensnotwendiger Bedeutung”, diese sicherten 1.300 Arbeitsplätze. Bundesweit gehe es bei diesen Anlagen in der gesamten Wertschöpfungskette um 6.400 Jobs, so Pernkopf. Ohne eine rasche Lösung müssten Holzkraftwerke schließen und im Gegenzug werde Strom aus Atomkraft und Kohle importiert.

Malle: Keine weiteren Verzögerungen

Der ÖVP-Klubobmann im Kärntner Landtag, Markus Malle, stellt zum geplanten Grundsatzgesetz für die Förderung von Biomasseanlagen fest: “Wenn die SPÖ im Bundesrat ein wichtiges Gesetz zu Fall bringt, muss die Bundesregierung Plan B starten.” Schließlich stehe die Zukunft von 47 gefährdeten Anlagen in Österreich, acht davon in Kärnten, auf dem Spiel. “Neben der Energieerzeugung für mehr als 50.000 Haushalte geht es in Kärnten auch um die enorme Menge an Schadholz, die rasch einer Verwertung zugeführt werden muss”, so Malle. Er pocht auf den unverzüglichen Beschluss des Durchführungsgesetzes in Kärnten, sobald das Grundsatzgesetz im Bund steht.

Bioenergie und Holzkraftwerke haben große Bedeutung in Österreich

Bioenergie ist die mit Abstand bedeutendste erneuerbare Energieform und belegt hinter Öl und knapp hinter Erdgas den dritten Platz im Energieaufkommen. Bioenergie hat das Potenzial, mittelfristig Öl als führenden Energieträger abzulösen. Biomasse wird bereits in allen Sektoren der Energiebereitstellung im Raumwärme-, Treibstoff-, Strom- und industriellen Bereich als Energieträger eingesetzt.

Ein zentraler Baustein der Bioenergie sind Holzkraftwerke, die durch die Produktion von Strom und Wärme sowie ihrer meist industrienahen Standorte als Musterbeispiele der Sektorkopplung zwischen Strom und Wärme gelten. Holzkraftwerke verfügten bis 2017 über eine Engpassleistung von rund 300 MW, die bis 2020 auf etwa 450 MW ausgebaut werden könnte. Die rund 130 Anlagen sind über das gesamte Bundesgebiet verteilt und meist in Industriestandorte oder Fernwärmenetze eingebunden. Durch das sukzessive Auslaufen der Einspeisevergütung drohen laufend Anlagen vom Netz zu gehen. Allein 2019 würden ohne Übergangslösung Werke mit einer Engpassleistung von annähernd 140 MW vom Tarifende betroffen sein.

Gesicherte Stromerzeugung im Winter

Holzkraftwerke sind für die Wärmewende doppelt wirksam. Sie erzeugen auch im Winter Strom, wenn Wasserkraft und Photovoltaik witterungsbedingt weniger Energie bereitstellen können. Sie verbessern damit nicht nur die Klimabilanz bei Strom, sondern indirekt auch die von strombasierten Heizsystemen. Durch die bei der Stromproduktion anfallende Wärme reduzieren Holzkraftwerke zusätzlich den noch immer dominierenden fossilen Energieeinsatz in der Fernwärme. Die bei Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) umgesetzte Sektorkopplung schafft viele Synergien, die sich bei Biomasse nicht nur auf den Wärme- und Stromsektor beschränkt. In der Forstwirtschaft ermöglicht sie die Verwertung von niederpreisigen Holzsortimenten, wie sie bei Windwürfen, Käferbefall oder Waldpflegemaßnahmen verstärkt anfallen und für die es bis vor wenigen Jahren kaum Abnehmer gab. Holzkraftwerke produzieren 20% des heimischen Ökostroms und mehr als 40% der erneuerbaren Fernwärme.

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