Pernkopf: In Generationen denken, für Generationen handeln

St. Pölten/Burgschleinitz, 20. Februar 2019 (aiz.info). – Im Rahmen des niederösterreichischen Klima- und Waldgipfels im Waldviertel diskutierten 400 Vertreter aus Forstwirtschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik aussichtsreiche Zukunftsstrategien. “Unser gemeinsames Ziel ist es, gesunde Wälder auch für die nachfolgenden Generationen zu sichern”, erklärte LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf und stellte eine Drei-Säulen-Strategie vor. “Im Fokus stehen dabei Forstschutz, ökologische Waldbaumaßnahmen und Klimaschutz. Speziell die Fördermaßnahmen zur Umstellung von Monokulturen auf Mischwaldbestände zeigen Erfolge und sichern damit die gesunde Waldentwicklung in der Zukunft. Die Artenvielfalt im Wald hat weiter zugenommen, der Mischwaldanteil hat sich in den letzten Jahren erhöht.” In den Jahren 2015 bis 2020 stehen insgesamt 25 Mio. Euro von EU, Bund und Land Niederösterreich für Maßnahmen zur Pflege und Wiederherstellung gesunder Waldbestände zur Verfügung, davon wurden bereits Projekte in der Höhe von 14 Mio. Euro umgesetzt.

Insbesondere im Waldviertel sind die durch Klimaveränderungen enorm gestiegenen Borkenkäferkalamitäten eine besondere Herausforderung für die niederösterreichischen forstwirtschaftlichen Betriebe. Die für den Wald extrem ungünstigen Sommerperioden (heiß, dürr, trocken) haben die Borkenkäferpopulation bei der Fichte sehr rasch anwachsen lassen.

Die Schadholzmenge stieg in Niederösterreich von 113.000 Festmeter (fm) im Jahr 2014 auf voraussichtlich 3 Mio. fm im Jahr 2018. Das entspricht umgelegt einer Fläche von rund 10.000 ha oder 14.000 Fußballfeldern. Der Holzeinschlag in Niederösterreich liegt je nach Jahr zwischen rund 3,5 und 4,5 Mio. fm. “Der Klimawandel ist in unseren Wäldern angekommen. Das ist Fakt. Die Waldbesitzer müssen sich auf völlig neue Rahmenbedingungen einstellen. Darauf haben wir reagiert und unsere Beratung in den Bereichen Waldbau und Forstschutz intensiviert”, erklärte Landwirtschaftskammer NÖ-Präsident Johannes Schmuckenschlager.

Markus Hoyos, Obmann der Land & Forstbetriebe Niederösterreich: “Unser Ziel muss sein, den Waldbauern Einkommensmöglichkeiten auf ihren Flächen zu ermöglichen, denn nur dann werden die Wälder von ihnen auch für die Zukunft gesund erhalten werden können. Dafür gibt es eine Reihe von möglichen Maßnahmen wie zum Beispiel Wiederaufforstungsunterstützung, erneuerbare Energieerzeugung, potenzielle landwirtschaftliche Nutzungen auf diesen Flächen und vieles mehr. Auf jeden Fall bedarf es mutiger Schritte, um das wirtschaftliche Überleben der betroffenen Waldbauern in den nächsten Generationen abzusichern.”

Doppelt so viele Hitzetage bis 2050

In Niederösterreich hat sich die Jahresmitteltemperatur seit Beginn der Industrialisierung um rund 1,5 °C erhöht. Insbesondere seit den 1990-Jahren erfuhr der Temperaturanstieg eine beachtliche Beschleunigung. Betrachtet man die künftigen Klimaszenarien, dann ist jedenfalls Handlungsbedarf gegeben. “ÖKS15, die bisher umfassendste Studie zur Klimaentwicklung in Österreichs Bundesländern, lässt eine weitere Erwärmung in Niederösterreich um 1,4 °C bis zum Jahr 2050 und um 2 bis 4 °C bis zum Jahr 2100 erwarten”, sagte Michael Staudinger, Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). “Die Zahl der Hitzetage mit mindestens 30 °C nimmt weiter massiv zu und verdoppelt sich bis zum Jahr 2050 in Niederösterreich. Bis zum Jahr 2100 könnten die Hitzetage sogar um das Drei- bis Vierfache häufiger werden.”

Ausreichend Mittel für Klima- und Waldmaßnahmen zur Verfügung stellen

Der Anteil der Fichte konnte in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich um zirka 20.000 ha gesenkt werden, von rund 40% (1990) auf etwa 36% (2018). Im Gegenzug stieg der Anteil  der Misch- und Laubwälder. Seit 2015 konnten von den Behörden in Summe rund 8.000 ha Waldbaumaßnahmen in Bereichen wie Aufforstung, Bestandsumwandlung oder Jungwuchspflege bewilligt und Unterstützung in der Höhe von 14 Mio. Euro genehmigt werden. Pernkopf: “Wenn wir wissen, dass der Klimawandel in unseren Wäldern  angekommen ist, dann brauchen wir in Zukunft sicher noch verstärkte Unterstützung der Europäischen Union für solche Klima- und Waldmaßnahmen.” “Jeder Euro, der für die Wiederbewaldung und den Forstschutz verwendet wird, ist eine Investition für künftige Generationen. Deshalb müssen für diese Maßnahmen auch in der nächsten Förderperiode genügend Mittel vorhanden sein”, bekräftigte Franz Fischer, Obmann des Waldverbandes NÖ.

7.000 Schadholz-Aufarbeitungsbescheide ausgestellt

Zudem setzt das Land verstärkt auf den Forstschutz. Im Jahr 2018 wurden in Niederösterreich knapp 7.000 Schadholz-Aufarbeitungsbescheide ausgestellt, das entspricht in etwa einer Vervierfachung gegenüber der vergangenen Jahre. Ziel der Behörde ist eine gute Kontrolle, um befallene Bäume und das Holz so rasch wie möglich aus dem Wald zu schaffen. Pernkopf kündigt in diesem Bereich die Möglichkeit von Verordnungen statt Einzelbescheiden durch die Bezirksverwaltungsbehörden an, um die Borkenkäferbekämpfung und den Forstschutz noch effizienter zu gestalten und die Verwaltung zu vereinfachen. Ein Augenmerk gilt dabei Waldeigentümern in Städten, die wenig Zeit für Kontrollgänge vor Ort haben.

Die besten Anpassungsmaßnahmen können nur einem gewissen Temperaturanstieg entgegenhalten. Gerade deshalb müssen auch deutliche Aktivitäten beim Klimaschutz und der Energiewende stehen. “Für die Erreichung der Klima- und Energieziele ist ein nachhaltiger Ausstieg aus fossilen Energieträgern notwendig und kein Weg führt an erneuerbaren Rohstoffen vorbei. Deshalb treten wir auch vehement für den Erhalt unserer Holzkraftwerke in Österreich ein. 47 Holzkraftwerke in Österreich erzeugen Strom für Hunderttausende Haushalte und schaffen rund 6.000 Arbeitsplätze. Um Schaden in der Landwirtschaft sowie bei Arbeitsplätzen abzuwenden und die Klima- und Energieziele dennoch erreichen zu können, erfolgt nun eine einfachgesetzliche Lösung auf Bundesebene, die den Ländern ermöglicht, weiterhin Ökostrom und somit die ganze Wertschöpfungskette zu fördern”, so Schmuckenschlager.

Zahlen und Fakten zum Wald in Niederösterreich

Die Gesamtwaldfläche Niederösterreichs beträgt 790.000 ha oder 41% der Landesfläche von 1,917.431 ha. Niederösterreich als flächenmäßig größtes Bundesland hat die zweitgrößte Waldfläche unter den neun Bundesländern. Wirtschaftswald ist die Hauptbewirtschaftungsform mit rund 96% der forstwirtschaftlichen Fläche. Die Hauptbaumarten sind Fichte, Kiefer, Tanne, Lärche, Buche, Eiche und Esche.

Der Wald ist zudem ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Niederösterreich. Er sichert rund 23.000 Arbeitsplätze im Forst sowie in der holzverarbeitenden Industrie und im Gewerbe. Weiters stellt er für 31.000 Betriebe (Waldeigentümer mit land- und forstwirtschaftlicher Fläche) eine wesentliche Lebensgrundlage dar. Der Produktionswert des Wirtschaftsbereiches Forstwirtschaft liegt in Niederösterreich bei rund 400 Mio. Euro. Die Hälfte des Waldes (50,1% oder 396.000 ha) wird von Betrieben mit einer Fläche unter 200 ha bewirtschaftet, 39,3% oder 312.000 ha sind Unternehmen mit Forstpersonal und Gebietskörperschaften und 10,4% oder 82.000 ha sind im Besitz der Österreichische Bundesforste AG.

Waldbauliche Empfehlungen Land NÖ

 

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