NEUE STUDIEN BELEGEN ENORMES WERTSCHÖPFUNGSPOTENZIAL VON WALD UND HOLZ

Mrz 19, 2021 | Allgemein

Köstinger: Nachhaltige Bewirtschaftung und Nutzung ist der einzig richtige Weg

Wien, 18. März 2021 (aiz.info). – Der zusätzliche Einsatz von jeweils 1 Mio. Festmeter (fm) Holz in der österreichischen Bauwirtschaft sowie als Biotreibstoff würde zu einer um 100 Mio. Euro höheren Wertschöpfung führen und rund 2.800 Arbeitsplätze schaffen. Dem gegenüber hätte eine Reduktion der Holzeinschlagsmenge um 10% massive negative Effekte auf viele Branchen der heimischen Volkswirtschaft. Dies sind die Ergebnisse zweier Studien, die Bundesministerin Elisabeth Köstinger jetzt gemeinsam mit Branchenexperten präsentierte. „Diese Studien belegen, dass die aktive, nachhaltige Bewirtschaftung und Nutzung unserer Wälder, wie wir sie schon seit Jahrzehnten leben, der einzig richtige Weg ist“, erklärte Köstinger. Großflächige Außer-Nutzung-Stellungen seien nicht zielführend und daher abzulehnen.

„Fast die Hälfte unserer Staatsfläche ist mit Wald bedeckt. Österreich zählt mit rund 4 Mio. ha zu den waldreichsten Ländern der EU. Aktuelle Studien des Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) und des Economica-Instituts belegen die wirtschaftliche Relevanz des heimischen Forst- und Holzsektors und die große Bedeutung dieser Wertschöpfungskette“, betonte Köstinger.

Jeder 15. Arbeitsplatz auf Forst- und Holzwirtschaft zurückzuführen

In der Economica-Studie wird untersucht, welchen Einfluss die Forst- und Holzwirtschaft auf die österreichische Volkswirtschaft hat. Die Unternehmen dieser Branche erwirtschaften eine direkte Bruttowertschöpfung von 11,3 Mrd. Euro und stehen damit für einen Anteil von 3,2% der gesamten österreichischen Wirtschaftsleistung. „Im Wertschöpfungsnetzwerk Forst- und Holzwirtschaft wird eine Bruttowertschöpfung von mehr als 20 Mrd. Euro erreicht. Entlang der Wertschöpfungskette werden damit 300.000 Arbeitsplätze gesichert“, erläuterte Studienautorin Anna Kleissner.

Aus der Studie geht hervor, dass jeder 15. heimische Arbeitsplatz auf die Forst- und Holzwirtschaft zurückzuführen ist. Dieser Sektor leistet auch einen wichtigen Beitrag für das Bundesbudget und die Sozialversicherungsträger. Rund 8,7 Mrd. Euro an Steuern und Abgaben werden unmittelbar und mittelbar durch die Unternehmen der Forst- und Holzwirtschaft generiert.

Außer-Nutzung-Stellung kostet Wertschöpfung und gefährdet viele Arbeitsplätze

Den Economica-Berechnungen zufolge bringt ein Erntefestmeter Holz (bei einem Preis von 55 Euro) in veredelter, weiterverarbeiteter Form eine Wertschöpfung von bis zu 673 Euro unmittelbar in der Forst- und Holzwirtschaft beziehungsweise bis zu 1.212 Euro für die Wirtschaft in Österreich. Eine Außer-Nutzung-Stellung von einem Zehntel des Ertragswaldes würde in Österreich zu Verlusten in Milliardenhöhe führen, so die Studie. Konkret würde eine Reduktion der Holzeinschlagsmenge um 10% den Wertschöpfungsbeitrag in der Holz- und Forstwirtschaft um mehr als 1 Mrd. Euro verringern. 15.420 Jobs in der Branche wären unmittelbar gefährdet, hinzu kämen weitere 10.760 Arbeitsplätze in den Zulieferbetrieben.

Zur Wertschöpfungskette Wald und Holz werden folgende Bereiche gezählt: Forstwirtschaft, Weiterverarbeitung in der Sägeindustrie, wie auch Furnier- und Holzfaserplattenherstellung, Branchen, die aus Holz weitere Güter herstellen (Konstruktionsteile, Zellstoff, Möbel, Spielwaren, Sportartikel), Papierindustrie, Druck, Verlagswesen, Bauwirtschaft, Einsatz von Holz im Hochbau, Groß- und Einzelhandel sowie darüber hinausgehende Dienstleistungen, wie Forschung und Entwicklung, Ausbildung oder die öffentliche Verwaltung.

Vermehrte Holznutzung in der Bauwirtschaft schafft 1.400 zusätzliche Arbeitsplätze

Die WIFO-Studie befasst sich mit der Frage, welchen Einfluss die gesteigerte Nutzung von Holz auf die Wertschöpfung und Beschäftigung hat und berechnet dies anhand von zwei unterschiedlichen Ansätzen: „Im ersten Szenario gehen wir davon aus, dass 1 Mio. fm Holz zusätzlich geerntet werden und diese im Bauwesen anstelle von Beton zum Einsatz kommen. Daraus resultiert eine zusätzliche Wertschöpfung von rund 80 Mio. Euro pro Jahr, und es könnten damit rund 1.400 zusätzliche Arbeitsplätze in Österreich geschaffen werden“, so WIFO-Agrarexperte Franz Sinabell.

Im zweiten Szenario, das ebenfalls von einer zusätzlichen Menge von 1 Mio. fm Holz ausgeht, wird dieser Rohstoff verstärkt zur Produktion von Kraftstoff herangezogen, der fossilen Diesel ersetzen kann, und um weitere holzbasierte Nebenprodukte herzustellen. Um Anlagen zu errichten, die 1 Mio. fm Holz zu Kraftstoff verarbeiten können, wären Investitionen von 566 Mio. Euro notwendig. Damit können 90 Mio. l Kraftstoff pro Jahr erzeugt werden. Neben Holz entstehen als Kuppelprodukte Naphta und Fernwärme. In der Folge entstehen rund 1.400 zusätzliche Arbeitsplätze sowie eine reale Wertschöpfung von 20 Mio. Euro pro Jahr. „Da fossile Energieträger durch erneuerbare ersetzt werden, verringern sich die Treibhausgasemissionen. Je Liter Kraftstoff aus Holz wären das 2,6 kg CO2 weniger, pro Jahr ergibt das um 232.500 t weniger CO2-Belastung für das Klima“, gab Sinabell zu bedenken.

Waldfonds gibt der gesamten Branche eine Zukunftsperspektive

Köstinger sieht in den beiden Studien die große wirtschaftliche und umweltpolitische Bedeutung des Waldes für Österreichs Regionen voll bestätigt. „Die Forst- und Holzwirtschaft sichert in Summe rund 300.000 Arbeitsplätze. Die enormen Borkenkäferschäden haben aber die heimischen Forstwirte gewaltig unter Druck gebracht. Daher haben wir mit dem Waldfonds das größte Investitionspaket in der Zweiten Republik geschnürt. Wir stellen hier insgesamt 350 Mio. Euro für Maßnahmen zur Verfügung, die von der Wiederaufforstung über die Verbesserung der Biodiversität bis hin zur Holzbauoffensive und der Produktion von Holzgas und Holzdiesel reichen. Dieser Fonds gibt unseren Waldbauern und der gesamten Branche eine Zukunftsperspektive“, so die Ministerin.

Jöbstl: Holzprodukte leisten viel für Klimaschutz und Ressourceneffizienz

„Die Wertschöpfungskette Holz schafft nachhaltig Arbeitsplätze und Wohlstand, gerade in den ländlichen Regionen. Grundlage für unseren Erfolg ist die nachhaltige Waldbewirtschaftung. Holzprodukte leisten zudem viel für den Klimaschutz und die Ressourceneffizienz. Je mehr Holz im Bau genutzt oder zu Holzprodukten verarbeitet wird, desto mehr Kohlenstoff wird gebunden und umso besser ist das für das Klima. Holz ist der Rohstoff des 21. Jahrhunderts“, unterstrich Herbert Jöbstl, Obmann des Fachverbandes der Holzindustrie.

Rosenstatter: Müssen Potenzial von Holz für Klimaschutz und Volkswirtschaft nutzen

„Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung ist auch aktiver Klimaschutz. Gelingt es uns, die Holzverwendung zu steigern, so können wir nicht nur CO2-intensive Materialien wie Stahl und Beton ersetzen, sondern speichern das klimaschädliche CO2 langfristig in den Holzprodukten und Holzhäusern. Das Potenzial dieses nachwachsenden Rohstoffes für den Klimaschutz und die Volkswirtschaft ist riesig und die verstärkte Verwendung von Holzprodukten auch von der Gesellschaft gewünscht“, sagte Rudolf Rosenstatter, Vorsitzender der Kooperationsplattform Forst Holz Papier (FHP).

„Maßnahmen, die eine verstärkte Verwendung des Werkstoffes Holz verhindern, gefährden die Schlüsselrolle von Wald und Holz für den Klimaschutz. Zusätzlich führen undifferenzierte großflächige Außer-Nutzung-Stellungen zu einem Verlust an Arbeitsplätzen und Wirtschaftsleistung. Schon eine Reduktion der Rohstoffbasis im Ausmaß von 10% würde 25.000 Arbeitsplätze gefährden. Das können wir uns auch im Lichte der Corona-Krise nicht leisten“, warnte Rosenstatter.

Österreichs Waldfläche wächst jährlich weiter

Die österreichische Waldfläche hat in den letzten zehn Jahren durchschnittlich um 3.400 ha pro Jahr zugenommen. Die heimische Forstwirtschaft erntet nur 88% des Zuwachses. Der Gesamtvorrat, also das Holzvolumen, hat sich laut Waldinventur im vergangenen Jahrzehnt jährlich um weitere 4 Mio. Vorratsfestmeter (Vfm) erhöht. Der österreichische Wald besteht nun aus 1,17 Mrd. Vfm Holz. Ein durchschnittliches Einfamilienhaus in Holzbauweise benötigt rund 40 m3 Holz, es könnten demnach mit der jährlichen Holzzunahme 105.000 Einfamilienhäuser aus Holz gebaut werden.

 

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