MOOSBRUGGER: NUR BEWIRTSCHAFTETER WALD BRINGT VOLLE KLIMASCHUTZLEISTUNG

Jul 19, 2021 | Allgemein

EU-Forststrategie: Landwirtschaftskammer verlangt Einbindung von Forstexperten

Wien, 16. Juli 2021 (aiz.info). – „Die Europäische Kommission hat heute ihren Entwurf für eine künftige EU-Forststrategie vorgelegt, der jedoch in breitem Ausmaß die eigenen Ziele konterkariert. So sollten zwar Wälder in Zukunft noch mehr CO2 als bisher aufnehmen, um den Klimawandel zu bremsen, und auch die Biodiversität sollte gefördert werden. Wird dieser Entwurf jedoch Wirklichkeit, sind diese Ziele nicht zu erreichen, denn die vorgeschlagenen Maßnahmen schränken die Bewirtschaftung massiv ein und machen sie ökonomisch sinnlos“, stellt Josef Moosbrugger, Präsident der Landwirtschaftskammer (LK) Österreich, fest.

„Wie sollen beispielsweise Biomassekraftwerke als Alternative zu fossilen Anlagen weiterbetrieben werden, wenn das Koppelprodukt aus der Waldpflege nicht mehr für die Erzeugung von Bioenergie verwertet werden soll? Dieser Entwurf reduziert den Wald auf einen ‚Müllschlucker‘ für die Abgase aus Verkehr, Hausbrand und Industrie. Das volle Potenzial von Holz als Beitrag zur Lösung der Klimakrise hingegen wird nicht genutzt. Es ist wissenschaftlich völlig unbestritten: Mehr Holz verwenden bedeutet mehr CO2-Bindung. Nutzungsverbote sind falsch verstandener Klimaschutz, daher verlangen wir, dass die künftige EU-Forststrategie es ermöglicht, das volle Potenzial von Wald und Holz zu nutzen“, betont Moosbrugger.

Ziel muss nachhaltige Waldbewirtschaftung sein

„Wem fallen solche Lösungen ein? Sollen unsere nachhaltig verwendbaren Ressourcen vor der Haustüre nicht genutzt und im Gegenzug die Abhängigkeit der EU von Importen weiter ausgebaut werden? Das entbehrt doch jeder Logik. Unsere Forstwirtschaft hat bewiesen, dass sie gleichzeitig nachhaltig wirtschaften, Wertschöpfung erbringen, Tausende Arbeitsplätze sichern und Wertvolles für Gesellschaft und Klimaschutz leisten kann. Ein stillgelegter Wald kann das alles nicht. Ich erwarte hier eine Strategie, die diesen Namen verdient und taugliche Grundlagen für eine nachhaltige Nutzung der Wälder schafft. Nur ein bewirtschafteter Wald bringt die volle Klimaschutzleistung“, so Moosbrugger.

Druck auf Regenwald steigt

„Es wird kein Quadratmeter Wald in Brasilien, Russland oder Indonesien gerettet, wenn man die nachhaltige Waldbewirtschaftung in Europa, wie wir sie seit rund 150 Jahren entwickelt haben, de facto verunmöglicht. Im Gegenteil, der ökonomische Druck auf die letzten Urwälder der Erde wird ebenso massiv zunehmen wie die negativen Folgen verstärkter Rodung für das Klima“, warnt Moosbrugger vor negativen Klimafolgen.

Forderung: Forstexperten einbinden

„Der Entwurf behandelt die vielfältigen Herausforderungen nur völlig unzureichend: Anpassung der Wälder an den Klimawandel, Erhalt des Wachstums der Wälder und damit der CO2-Aufnahme, konkrete Klimaschutzmaßnahmen durch Holzverwendung, Diversifizierung und Einkommensalternativen in der Forstwirtschaft, zum Beispiel durch Abgeltung von Ökosystem-Dienstleistungen, oder die Bereiche Forschung, Innovationen und rascher Wissenstransfer. Außerdem wurde auf die Expertise der Waldbewirtschafter völlig verzichtet – mit fragwürdigem Erfolg. So wird allen Ernstes der Ökotourismus im Wald als Einkommensalternative zum Holzverkauf vorgeschlagen. Wir verlangen, dass zur Abänderung dieses Entwurfs auch die Expertinnen und Experten der Forstwirtschaft miteingebunden werden“, verlangt Moosbrugger.

Europa stärken, nicht schwächen

„Wir verlangen, dass der auf Basis einer nachhaltigen Forstwirtschaft produzierte Rohstoff Holz weiter gestärkt und nicht geschwächt wird. Die Waldbesitzer wollen weiterhin den wertvollen, klimaschützenden Rohstoff Holz zur Verfügung stellen und davon leben können und nicht zu Subventionsempfängern degradiert werden. Man kann nicht mit falsch verstandenen Prämissen Abertausende Arbeitsplätze aufs Spiel setzen. Holz ist im Unterschied zu vielen anderen Wirtschaftssektoren ein umwelt- und klimafreundlicher Wachstumsmarkt. Es wäre verrückt, gerade diesen zu schwächen und gleichzeitig von den Chancen der Green Economy zu philosophieren. Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, dass dieser Sektor krisenresistent ist. Wer ernsthaft den Ausstieg aus fossil basierten und energieintensiven Materialien und den Umstieg auf eine nachhaltige Bioökonomie verfolgt, muss Wälder nachhaltig nutzen und nicht stilllegen. Schützen durch nützen muss die Parole lauten“, so Moosbrugger.

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