LK OÖ: WILDSCHADENSBERATUNG SORGT FüR RECHTLICHE KLARHEIT

Mrz 20, 2018 | Allgemein

Seit einem Jahr gibt es Unterstützung für die Grundbesitzer

Linz, 19. März 2018 (aiz.info). – Vor genau einem Jahr wurde in der Landwirtschaftskammer (LK) Oberösterreich ein Beratungsangebot für die objektive Wildschadens-Feststellung eingerichtet, die vom Land OÖ finanziert wird. Mit 1. März 2017 nahm der erste Wildschadensberater seine Tätigkeit auf. Ziel der Initiative ist die Versachlichung der Diskussion zwischen den Grundeigentümern und den Jagdausübungsberechtigten. Im ersten Jahr wurden bereits 80 Beratungen vor Ort durchgeführt, wobei in 90% der Fälle ein Wildschaden festgestellt wurde. Die Nachfrage kam aus allen Bezirken, ein Schwerpunkt lag in den unterbewaldeten Gemeinden Oberösterreichs.

Bei den Beratungen wird von Landwirt, Jägerschaft und Wildschadensberater gemeinsam versucht, den Schaden entsprechend den Wildschadensrichtlinien für Verbissschäden einzuschätzen. Diese Richtlinie wurde nach dem Inkrafttreten der Oö. Jagdgesetznovelle 2016 überarbeitet und mit Wirksamkeit vom 1. April 2017 auf der Homepage des Landes OÖ veröffentlicht.

„Das Beratungsangebot trägt zur Objektivierung und Versachlichung der Situation bei und in den meisten Fällen konnte ein zufriedenstellendes Ergebnis für alle Beteiligten ermittelt werden. Die meisten Wildschäden waren Verbissschäden durch Rehwild und wurden in einer Bandbreite von 50 bis 5.000 Euro bewertet. Eine optimale Beratung und eine sachlich korrekte Abwicklung der Wildschadensforderungen sind uns ein großes Anliegen. Grundeigentümer können sich nun zur Frage, ob ein Wildschaden vorliegt und wie hoch dieser zu beziffern ist, an kompetente Berater wenden“, erläuterten heute LK-Präsident Franz Reisecker und Agrarlandesrat Max Hiegelsberger. In Kürze wird in der LK OÖ ein zweiter Wildschadensberater seine Tätigkeit aufnehmen.

Künftige Schäden vermeiden
Ziel der Beratung ist es auch, dafür zu sorgen, dass künftige Schäden hintangehalten werden. Dafür werden von Grundeigentümern und Jagdverantwortlichen gemeinsam mit dem Wildschadensberater die Ursachen, die zu Wildschäden im Wald führen, eruiert und Maßnahmen zur künftigen Vermeidung solcher Schäden besprochen. „Die Berater haben somit auch eine gewisse Funktion als Mediatoren bei den oftmals sehr emotionsgeladenen Diskussionen rund um mögliche Wildschäden“, so Hiegelsberger.

Wildökologische Schulungen für Grundeigentümer und Jägerschaft
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der Arbeit der Wildschadensberatung sind wildökologische Schulungen für Grundeigentümer. Insgesamt wurden bereits sechs Schulungen durchgeführt, davon befassten sich drei mit der Schadensbewertung, die anderen wurden speziell für Jagdausschüsse zu den Themen Grundeigentum und Jagd durchgeführt. „Wir konnten bei diesen Schulungen bis jetzt rund 300 Teilnehmer begrüßen und wollen das Angebot noch weiter ausbauen“, informierte Reisecker. Ein weiterer Schwerpunkt waren die Jagdausschuss-Stammtische, welche in den Bezirken gemeinsam mit den LK-Forstberatern durchgeführt wurden. Sie dienten neben der fachlichen Weiterbildung auch dem Austausch untereinander. Zusätzlich gab es Informationsveranstaltungen für bäuerliche Funktionäre auf Bezirks- und Ortsebene.

Neben Veranstaltungen für Grundeigentümer wurde eine Schulung für ausgewählte Vertreter des Landesjagdverbandes durchgeführt, in der die Jäger mit den rechtlichen Rahmenbedingungen von Wildschäden und Wildeinfluss vertraut gemacht wurden. „Das Ziel dieser Informationsveranstaltungen und Schulungen ist es, den Dialog der Parteien zu fördern, um die Diskussion von der emotionalen auf eine sachliche Ebene zu bringen. Durch das Aufzeigen von Möglichkeiten zur Wildschadensvermeidung wurde das Wissen der Teilnehmer über die komplexen Zusammenhänge zwischen Wild und Wald erweitert und auch die Aufgaben der Behörden bei solchen Schäden wurden intensiv erläutert“, betonte Hiegelsberger.

Initiative „Klimafitte Wälder und nachhaltige Jagdwirtschaft“
Aufgrund der Sturm- oder Borkenkäferschäden im vergangenen Jahr müssen viele Waldbesitzer wieder aufforsten. Diese Flächen stellen einen Besiedlungsanreiz für heimisches Rehwild dar und Schäden in den Aufforstungen können die Folge sein. Die LK OÖ hat nun mit Beteiligung des Landesjagdverbandes und des Landesforstdienstes die Initiative „Klimafitte Wälder und nachhaltige Jagdwirtschaft“ ins Leben gerufen, um Wildschäden durch Schalenwild zu vermeiden, berichtete Reisecker.

In Bezirken mit großen Kalamitätsflächen wurden alle Jagdausschussobmänner und Jagdleiter zu Informationsveranstaltungen geladen. So sollten möglichst viele Beteiligte erreicht werden, um auf die geänderte forstliche und jagdliche Situation nach Sturm und Käfer hinzuweisen sowie Maßnahmen und Wege aufzuzeigen, wie forstliche und jagdliche Ziele durch gemeinsame Anstrengung erreicht werden können. Die geänderte Situation erfordert vielerorts eine Absenkung der Schalenwildbestände, die aber gleichzeitig mit Lebensraumverbesserungen für das verbleibende Wild verknüpft werden muss. Mittlerweile konnten bei diesen Veranstaltungen rund 450 Personen erreicht werden.

Im Rahmen der Initiative wird einer limitierten Anzahl von Genossenschaftsjagden die Möglichkeit geboten, mit Hilfe von Experten ihre Jagd- und Forstwirtschaft analysieren zu lassen. Jagdausschüsse können sich zur zielgerichteten Umsetzung von Maßnahmen für ein Projekt bewerben, mit Hilfe von Experten werden forstliche und jagdliche Bewirtschaftungspläne erstellt, um die vorher definierten Ziele zu erreichen. Die Projektwerber werden gemeinsam von LK, Landesjagdverband und Landesforstdienst ausgewählt. „Ergebnisse der Projekte sollen konkrete jagdliche Maßnahmen, eine Biodiversitätssteigerung und schlussendlich die Vermeidung von Wildschäden sein. Forstwirtschaft und Jagdwirtschaft werden zeigen, dass beide aktiv zur Artenvielfalt beitragen und forstliche Betriebsziele sowie jagdliche Ziele sich nicht ausschließen“, so Reisecker.

Broschüre zur Vermeidung von Wildschäden durch Schalenwild
Um konkrete mögliche Maßnahmen für Jagd und Waldbesitzer aufzuzeigen, wurde von Landwirtschaftskammer und Landesjagdverband die Broschüre „Vermeidung von Wildschäden durch Schalenwild im Wald“ erstellt. Sie wurde Ende Jänner fertiggestellt und ist unter www.ooe.lko.at abrufbar.

Wolf: Präventive Maßnahmen sind erforderlich
Der Wolf kommt in einigen Landesteilen Oberösterreichs immer wieder vor, was durch Sichtungen sowie Risse von wenigen Nutztieren und Wildtieren bestätigt wird. Die Entschädigung von Wolfsrissen bei landwirtschaftlichen Nutztieren wird durch das Land OÖ, Abteilung Land- und Forstwirtschaft, abgewickelt. Es gilt jedoch Schäden so schnell wie möglich zu bewerten und auch präventiv tätig zu werden. Die LK-Wildschadensberatung fungiert dabei als Berater für die Grundeigentümer. Zum Thema Wolf gibt es eine enge Abstimmung mit der Abteilung Land- und Forstwirtschaft des Landes und auch mit den Nutztierhalterverbänden und dem Landesjagdverband. „Wenn es zu einem Schaden kommt ist die Wildschadensberatung zu kontaktieren. Diese berät vor Ort und führt eine Rissbegutachtung durch, wobei Proben von dem betroffenen Tier genommen werden. Bei der Aufstellung und Berechnung des Schadens werden die Landwirte durch unsere Berater unterstützt“, so der LK-Präsident. Schäden werden durch das Land Oberösterreich abgedeckt.

Wildschadensberatung ist auch Anlaufstelle für Biberschäden
Die Wildschadensberatung der Landwirtschaftskammer ist auch ein Ansprechpartner für Grundeigentümer zum Thema Biber. Zur Meldung von Schäden wurde ein Formular erstellt. Die Beratung versucht, den Kontakt mit der zuständigen Landesbehörde aufrecht zu halten und tauscht sich mit der Naturschutzabteilung aus.

Krähe: Schadensmonitoring wird eingerichtet
Krähen sorgen landesweit für Unmut durch Schäden vor allem in Ackerkulturen, aber auch bei eingebrachten Ernteerzeugnissen. Die Wildschadensberatung versucht hier mit Unterstützung der verschiedenen LK-Dienststellen, ein Schadensmonitoring durchzuführen. Zusätzlich wurde eine Broschüre erstellt, die Informationen rund um die Biologie und die rechtliche Situation der Krähe, aber auch Maßnahmen zur Hintanhaltung von Schäden beinhaltet.

LK Oberösterreich

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