Langer-Weninger: Große Verantwortung auf beiden Seiten wahrnehmen

Linz, 2. Oktober 2019 (aiz.info). – Bei der Arbeitstagung der Landwirtschaftskammer (LK) Oberösterreich stand das Thema “Forst und Jagd” im Fokus. Unter den Grundeigentümern im Bundesland herrscht keine einhellige Meinung zur Jagd, aber alle Sichtweisen haben einen gemeinsamen Nenner: ohne sie kann keine Land- und Forstwirtschaft betrieben werden. Das Verhältnis von Grundeigentum und Jagd ist historisch gewachsen. Beide sind seit nunmehr 170 Jahren durch das Jagdgesetz untrennbar miteinander verbunden. “Wir haben uns als bäuerliche Interessenvertretung einem nachhaltigen Miteinander verschrieben und wollen auch in Zukunft den konstruktiven Dialog weiterführen”, plädiert LK-Präsidentin Michaela Langer-Weninger.

Das aktuelle oberösterreichische Jagdgesetz hilft dabei, etwaige Interessenkonflikte teilweise auszugleichen. Es fordert, dass die Jagd so auszuüben ist, dass ein artenreicher und gesunder Wildbestand wachsen, blühen und gedeihen kann, aber vor allem auch die Interessen der Land- und Forstwirtschaft in ihren Zielen nicht eingeschränkt werden. Beides stellt per se keinen Widerspruch dar, doch im Einzelfall kann es dazu kommen, dass Wildarten in einer gewissen Dichte land- und forstwirtschaftliche Betriebsziele beeinträchtigen. Das Jagdgesetz fordert hierbei klar, dass die Interessen der Land- und Forstwirtschaft nicht gefährdet werden sollen und somit die Dichte bestimmter Wildarten entsprechend zu regulieren ist.

Die Jagd wird sich immer im Spannungsfeld zwischen der Erhaltung eines gesunden Wildbestandes und der Sicherung von land- und forstwirtschaftlichen Zielen befinden. Die Wälder sind nach den vergangenen Jahren durch verschiedene Kalamitäten stark geschädigt und verlangen lokal eine Bestandsabsenkung des Rehwildes.

Große Verantwortung auf beiden Seiten

Langer-Weninger beschreibt das Zusammenwirken folgendermaßen: “Für unsere Forstbetriebe waren die vergangenen Jahre durch Klimawandel, Borkenkäferbefall und Schneedruckschäden enorm belastend. Die Arbeit der Forstwirte erfordert neben der Aufarbeitung von Schadholz auch Investitionen in die notwendige Bestandsverjüngung. Damit diese wirtschaftlich erfolgreich sein kann, braucht es aber auch die Abstimmung in der Bejagung. Nur so können zukunftsfitte und für die kommenden Klimaänderungen gewappnete Wälder aufwachsen. Die Jagd erfüllt somit gesamtgesellschaftliche Aufgaben und sollte für einen gesunden und nachhaltigen Waldbestand sorgen. Dies ist eine große Verantwortung, der beide Seiten gerecht werden müssen. Ein gutes Miteinander kann hier zum Vorteil für alle werden.” Aufgrund der genannten Kalamitäten mussten in Oberösterreich mehrere Tausend Hektar Waldfläche abgeholzt werden. Um die Wiederbewaldung voranzutreiben, braucht es mehr denn je die Jägerschaft und aktive Jagdausschüsse, die gemeinsam einen nachhaltigen Weg beschreiten. Durch die vor zwei Jahren eingerichtete Wildschadensberatung der LK werden Grundeigentümer, Jäger und Jagdausschüsse aktiv in diesem Prozess unterstützt.

Laut aktueller Zwischenbilanz wurden innerhalb von zwei Jahren knapp 100.000 Euro Wildschäden erhoben. Wie nachhaltig die danach gesetzten Maßnahmen sind, werden die nächsten Erhebungen zeigen. Zusammen mit einer gemeinsamen Vor-Ort-Maßnahmenplanung und flankierenden Schulungen mit rund 3.000 Teilnehmern entstand bei allen Beteiligten Verständnis für die Zusammenhänge von Forst und Jagd.

Stellenweise würden Waldbestände aber auch ein verheerendes Bild zeigen, so Langer-Weninger: “Verstärkt genau dort, wo Borkenkäfer und Sturm eingewirkt haben und das Zusammenspiel mit der Jagd noch nicht funktioniert. Es braucht Jäger, die Wildschäden erkennen und verhindern wollen, die ganzheitlich im Sinne eines funktionierenden Ökosystems arbeiten und eine breite Perspektive über die jagdlichen Grenzen hinaus einnehmen.”

Landesjägermeister kündigt mehr Fortbildung und einen verstärkten Dialog an

Auch Landesjägermeister Herbert Sieghartsleitner betont die Wichtigkeit des Zusammenspiels aller primären Landnutzer: “Bei aller Beständigkeit muss man mit der Zeit gehen. Als Waldbesitzer und Landwirt verstehe ich die Ängste und Sorgen der Grundeigentümer. Umso mehr appelliere ich an alle, gemeinsam die Jäger bei der Erhaltung der jagdlichen und ethischen Grundwerte zu begleiten. Einer der wesentlichen Punkte ist dabei die Einrichtung des Forst- und Jagddialoges.”

Darüber hinaus fordert Sieghartsleitner alle anderen Naturnutzer zur Rücksichtnahme etwa durch Beachtung von Wegebenutzung und Wildruhezonen auf, um den Wildeinfluss zu minimieren. Auch die Optimierung des Gesamtlebensraumes spielt eine Schlüsselrolle, um übermäßigen Verbiss zu reduzieren, ferner die richtige Fütterung als wichtiges Lenkungsinstrument oder Einzelschutzmaßnahmen bei Jungbäumen. “Das heißt, es bedarf einer Abstimmung aller Beteiligten”, so der Landesjägermeister. Künftig sollen mehr gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen für Jagdausschüsse und Jäger angeboten werden. Die gemeinsamen Veranstaltungen im Vorjahr seien ein erster Anfang gewesen.

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