Hat Waldbewirtschaftung mit Zielsetzung auf Holzproduktion eine Zukunft

Graz, 21. Juni 2018 (aiz.info). – Das Ökosystem Wald ist Schutz-, Erholungs-, Wohlfahrts-, Lebens-, Wirtschafts- und Arbeitsraum zugleich. Alle diese Wirkungen sind durch den Waldbesitzer in Einklang zu bringen. Vor dem Hintergrund steigender Arbeitskosten, behördlicher Auflagen und permanent real sinkender Rundholzerlöse sind Waldeigentümer – und hier bäuerliche und Forstbetriebe gleichermaßen – angehalten, sich über ihre Existenz und damit den Fortbestand von flächendeckend bewirtschafteten Wäldern Gedanken zu machen. Zu diesem Thema fand gestern eine Podiumsdiskussion der Land&Forst Betriebe Steiermark statt. “Die derzeitige Holzmarktsituation, insbesondere in Verbindung mit einem gravierenden Anstieg an Schadhölzern, der zunehmende Druck der Gesellschaft auf die Waldeigentümer und -bewirtschafter – all diese Leistungen vermehrt und umfassend sicherzustellen ist eine Herausforderung für die Waldbesitzer. Auch das Bekenntnis der heimischen Waldpolitik zu einem fairen Interessenausgleich der vielfältigen Ansprüche – festgeschrieben in der 2017 beschlossenen ‘Österreichischen Waldstrategie 2020+’ -zeigt einen massiven Diskussions- und letztendlich Handlungsbedarf auf”, eröffnete Gerhard Mannsberger, Vizerektor der Boku Wien, die Diskussion.

Den Blick über den Tellerrand wagen

Waldboden ist nicht nur die Grundlage für die Holzproduktion, sondern auch für viele Leistungen, die von der Gesellschaft in Anspruch genommen werden. Heutzutage muss der Waldeigentümer über die gesetzlichen Normen hinaus Mehrwerte schaffen, die von den Nutzern abgegolten werden müssten. Die große Herausforderung für den Waldbesitzer wird sein, im Rahmen der bekannten Waldfunktionen stets nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit den Blick über den Tellerrand zu richten, um Trends zu erkennen beziehungsweise neue zu schaffen. Aktuell gibt es für die vielfältigen Leistungen, die der Waldbesitzer für die Gesellschaft erbringt, nur einen Markt für die Produktion von erneuerbaren Rohstoffen. Damit wird aber nur ein kleiner Teil der dafür notwendigen Aufwendungen abgegolten.

Carl Prinz von Croÿ, Obmann der Land&Forst Betriebe Steiermark, wagte den Blick über den Tellerrand und meinte: “Auch die anderen vier Fünftel werden uns nicht in den Schoß fallen. Wir müssen sie uns erarbeiten. Diversifizierung ist das Stichwort. Dafür braucht es einen ganzheitlichen Blick auf Waldboden und Forstinfrastruktur wie auch den Mut, etwas Neues auszuprobieren, zum Beispiel betriebsübergreifende Konzepte und Kooperationen andenken. Die Forcierung der erneuerbaren Energien darf als wirtschaftliches Standbein nicht außer Acht gelassen werden. Im Bereich der Freizeitwirtschaft wird es an uns liegen, die Themenführerschaft zu übernehmen. Und zu guter Letzt ist auch die Waldpädagogik eine Möglichkeit, zusätzliches Einkommen zu schaffen. Ziel der Diversifizierung unserer Betriebe muss es sein, für die erbrachten Leistungen auch neue Märkte zu schaffen und somit unabhängiger in unserem Wirtschaften zu sein.

Gerhard Rechberger, Probst des Augustiner Chorherrenstift Vorau, ging auf die Schöpfungsverantwortung ein und wies auf die Lebensraumfunktion des Waldes für Menschen, Tiere und Pflanzen hin. “Viele erleben den Wald als einen besonderen Ort des Friedens, heilsam für Leib und Seele. Darum darf es nicht wundern, dass immer mehr den Wald auch als Ort des Friedens für ihre Verstorbenen nutzen.” Rechberger erläuterte weiter: “Die Kirche – und somit auch die Stifte – als Waldeigentümer sind besonders herausgefordert, verantwortungsvoll mit dem Wald als Lebensraum umzugehen. Aber auch sie stehen in einem Spannungsfeld, weil der Wald für viele die wichtigste wirtschaftliche Grundlage ist. Wie kann diese Nutzung nachhaltig und nach ökologischen Grundsätzen geschehen, aber auch ökonomisch ertragreich sein? Und wie weit wird die Nutzung des Waldes durch andere, ob durch öffentliche Einrichtungen oder Privatpersonen, auch entsprechend mitgetragen, unterstützt und abgegolten?”

Multitalent Ökosystem Wald

Der Wald ist nicht nur Wirtschafts-, Lebens- und Erholungsraum, sondern er liefert auch erneuerbare Rohstoffe, schafft Arbeitsplätze und Einkommen, spendet sauberes Trinkwasser, ist Hort für Biodiversität, schützt vor Naturkatastrophen und spielt eine entscheidende Rolle im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Diese vielfältigen Aufgaben gilt es nachhaltig durch die Waldbesitzer zu managen, um den Wald und seine wichtigen Funktionen für uns und unsere Nachkommen zu sichern. Martin Ozimic, Geschäftsführer des Gemeindebundes Steiermark, machte auf die vielfältigen und wichtigen Funktionen aufmerksam: “Mit rund 1,5 Mio. ha Waldfläche, die über die gesamte Steiermark verteilt ist, hat dieser neben dem Aspekt der Holzbewirtschaftung auch andere bedeutende Aufgaben. Neben der für die Gemeinden gerade in Zeiten turbulenter Wettersituationen besonders wichtigen Funktion der rund 172.000 ha Standortschutzwald ist vor allem die große Bedeutung des Waldes für die hohe Trinkwasserqualität hervorzuheben. Seine positive Wirkung auf das Klima hat in Zeiten eines erhöhten Umweltbewusstseins und der weltweiten

Klimaerwärmung einen hohen Stellenwert für die Steiermark. Letztendlich bildet Wald auch mit Zustimmung der Grundeigentümer einen unersetzbaren Erlebnisraum für die Menschen in unserem Land. Aus all diesen Gründen muss uns allen der Schutz, die Bewirtschaftung und der nachhaltige Fortbestand von flächendeckenden Wäldern ein Anliegen sein.” “Intakte Ökosysteme stellen eine unverzichtbare Lebensgrundlage für die Gesellschaft dar. Sie erbringen eine Vielzahl wertvoller Ökosystemleistungen – die Wälder etwa als Wasserspeicher, Luftfilter, Rohstofflieferant oder Schutz vor Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag oder Erosion. Bewertungen und Messungen dieser Ökosystemleistungen stellen eine wichtige ökonomische Entscheidungsgrundlage dar, wenn man den wahren Wert der Natur kennt”, so Gerald Plattner, Leiter Naturraummanagement der Österreichischen Bundesforste – ÖBf.

Natur nützen. Natur schützen. – ein nachhaltiger Lösungsansatz

Neben den steigenden Herausforderungen des Klimawandels steigt auch zunehmend das gesellschaftliche Interesse am Erholungsraum Wald. Die Aufrechterhaltung der vielfältigen Waldleistungen für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft erfordert einen schwierigen Interessenausgleich durch die Waldbesitzer und verursacht zunehmend hohe Aufwendungen für diese. “Das Forstgesetz weist der Forstbehörde die Aufgabe der Wahrung der öffentlichen Interessen an der Walderhaltung zu. Mit dem Waldentwicklungsplan (WEP) gibt der Gesetzgeber der Forstbehörde ein Instrument in die Hand, diese öffentlichen Wirkungen flächenbezogen zu bewerten, ersichtlich zu machen und dient der WEP in weiterer Folge als wesentlich für den Vollzug der forstgesetzlichen Bestimmungen. Für die augenscheinliche Schutzwirkung fällt dies am leichtesten, daher kann dafür auch leichter Akzeptanz bei den Eigentümern sowie auch in der Bevölkerung erzielt werden. Die erhöhten öffentlichen Wirkungen werden derzeit dahingehend unterstützt, dass Waldeigentümer für die Durchführung entsprechender Maßnahmen Förderungen erhalten können. Eine Abgeltung ist derzeit nur für einzelne Naturschutzleistungen vorgesehen”, erklärt Oberforstrat Herwig Schüssler von der Landesforstdirektion Steiermark.

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