Holzmarkt

Die Haupteinkommensquelle für Forstbetriebe ist die Holzproduktion. Die Experten der Waldverbände sind über die Details am lokalen Holzmarkt stets bestens informiert. Das Forstreferat der Landwirtschaftskammer Österreich veröffentlicht monatlich den Holzmarktbericht und Holzpreise, die auf Meldungen der Landwirtschaftskammern beruhen.

 

Aktueller Holzmarktbericht der LK Österreich

Markt & Radar “Waldverband aktuell” 2/2020

Berichte im Marktradar der Zeitung “Waldverband aktuell” werden im originalen Wortlaut übernommen und redationell nicht überarbeitet. Kommentare werden in der Zeitung aus platzgründen auf +/- 1.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) gekürzt. Die vollständigen Markrtberichte werden online veröffentlicht.

Österreich

Dipl.-Ing. Martin Höbarth
LK Österreich
Leiter der Abteilung Forst- und Holzwirtschaft, Energie

Die Coronavirus-Pandemie belastet die globale Konjunktur massiv. Das tatsächliche Ausmaß des Wirtschaftsabschwunges wird auch für Österreich von der Dauer der Beschränkungen im Wirtschaftsleben abhängen.

Der Einbruch der Schnittholzexporte, insbesondere nach Italien trifft die österreichische Forst- und Holzwirtschaft enorm. Der Inlandsabsatz dürfte weit weniger betroffen sein, weil versucht wurde die Bauwirtschaft am Arbeiten zu halten. Einzelne, rein nach Italien orientierte Sägewerke haben ihre Produktion vorübergehend gänzlich eingestellt, größere Betriebe haben ihren Einschnitt um 30% – 50% reduziert. Daher ist nicht nur die Nachfrage nach österreichischem Nadelsägerundholz abrupt eingebrochen, sondern auch der Abtransport bereits erzeugten Rundholzes vorübergehend fast gänzlich zum Erliegen gekommen. Die Forstwirtschaft musste darauf mit einer raschen Drosselung des Einschlages reagieren. Dennoch steigen aufgrund der notwendigen Schadholzaufarbeitung die Waldlager weiter an. Der Holzabtransport wird sich in einigen Regionen bis in den Sommer hinein erstrecken. Alternativ werden daher vor allem von Waldverbänden in Kooperation mit der Industrie Nasslager aufgebaut. Aufgrund der anhaltenden Trockenheit ist zudem bereits ab Mitte Mai mit einem massenhaften Anfall von Borkenkäfer befallenem Holz zu rechnen. Der Sägerundholzpreis ist in den vergangenen Wochen wieder gefallen und steht weiterhin unter Druck. Bei Neuverträgen agiert die Sägeindustrie in puncto Preisabschlüssen sehr zurückhaltend.

Am Ende der Laubholzsaison kann zusammenfassend gesagt werden, dass Eiche wieder die Top-Baumart war. Seit mehreren Jahren ungebrochen rege Nachfrage bei attraktiven Preisen. Alle anderen Laubholzarten waren nur in besten Qualitäten zu attraktiven Preisen gefragt.

Die Standorte der Papier-, Zellstoff- und Plattenindustrie sind sehr gut mit Nadelindustrierundholz bevorratet. Die Abnahme erfolgt streng kontingentiert zu unattraktiven Preisen. Der geringere Einschnitt der Säge und dementsprechend geringerer Anfall an Sägenebenprodukten lässt auf eine leichte Nachfragebelebung für Faserholz hoffen. Rotbuchenfaserholz ist zu teilweise reduzierten Preisen absetzbar.

Am Energieholzmarkt gibt es auch aufgrund des seit langem anhaltenden Faserholzüberangebotes keine Entlastung. Mengen außerhalb von Langfristverträgen können nicht abgesetzt werden, die Lagerkapazitäten sind erschöpft.

Bayern/Deutschland

Josef Ziegler
Präsident Bayerischer Waldbesitzerverband e.V.

Die internationale Wirtschaft wird in einer bisher nicht vorhandenen Weise vom Corona-Virus und den damit verbundenen Shutdown beeinflusst. Die Bauwirtschaft ist noch nicht so massiv betroffen wie andere Branchen, aber auch hier sinken die Zukunftsprognosen. Dennoch gehen Wirtschaftsexperten derzeit davon aus, dass das Baugewerbe auch in diesem Jahr ein leichtes Wachstum erwirtschaften kann.

Von den aktuellen Rahmenbedingungen wird auch die Holzwirtschaft negativ beeinflusst. Viele Unternehmen haben ihre Produktion gekürzt. Insgesamt herrscht eine große Unsicherheit in der Branche, was erhebliche Auswirkungen auf den Waldbesitz hat. Neben erneuten Preisrücknahmen werden vielfach kaum längerfristige Abnahmevereinbarungen getroffen. Die Anfuhr in die Werke erfolgt oftmals nur zögerlich, so dass insbesondere in den Regionen, die von den diesjährigen Winterstürmen betroffen sind, es zu erhöhten Wald- und Zwischenlagern kommt. Aus Waldschutzgründen wurden in Südbayern erste Nasslager aktiviert. Gleichzeitig hat aufgrund der warmen und trockenen Witterung der Käferflug frühzeitig eingesetzt.

Von Frischholzeinschlägen wird derzeit dringend abgeraten. Auch geplante Pflegeeingriffe sollten nach Möglichkeit zurückgestellt werden. Schäden aus den Stürmen sowie Käferbäume sind konsequent aufzuarbeiten und zwischenzulagern bzw. waldschutzwirksam zu behandeln. Im augenblicklich schwierigen Marktumfeld wird es eine große Herausforderung für den Waldbesitz, den notwendigen Waldschutz umzusetzen.

Bayerischer Waldbesitzerverband e.V.       

Biomasse

Ök.-Rat Franz Tischenbacher
Vorsitzender Österreichischer Biomasseverband

Ohne weiteren Ausbau der Anlagenkapazität im Strom- Wärme, Gas- und Kraftstoffbereich droht der Biomasseabsatz bis 2030 um mehr als 3 Millionen Festmeter einzubrechen. Der Grund für den reduzierten Brennstoffeinsatz sind immer wärmere Winter, die bessere Dämmung der Häuser und die Modernisierung des bestehenden Anlagenparks. Gemeinsam mit der Forstwirtschaft haben wir daher ein Sofort-Maßnahmenpaket vorgelegt, das die Zwischenlagerung und Verwertung von mehreren Millionen Festmetern niederwertigem Schadholz ermöglichen würde. Mit dem vorliegenden Paket könnte dem Einbruch beim Biomasse-Absatz gegengesteuert, mehr als 25.000 Arbeitsplätze in der Branche gesichert und die CO2-Emissionen um 3 Mio. Tonnen gesenkt werden. Im Detail sieht das Paket den Erhalt der bestehenden Anlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung, den Abbau der Warteschlange und den Ausbau der KWK-Anlagen auf Basis fester Biomasse auf 3 TWH vor. Im Wärmemarkt wird die rasche Umsetzung der Maßnahme „Raus aus dem Öl“ und die Aufstockung der Investitionsförderungen für Nahwärmeanlagen und Prozesswärme gefordert. Erste Reallabore für die Erzeugung von Holzgas und Holzdiesel sollen rasch realisiert und Lagerkapazitäten für niederwertige Biomasse aufgebaut werden.

Platte

Dr. Erlfried Taurer
Sprecher der Österreichischen Plattenindustrie

Die Aussichten für die Wirtschaftsentwicklung in Österreich im heurigen Jahr sind die schlechtesten seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Es ist zu befürchten, dass die Krise in der Industrie, auch wenn sich der gesellschaftliche Alltag langsam wieder normalisiert, ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hat, was natürlich seinen Niederschlag auch in der Plattenindustrie findet.

Die Rohstoffversorgung mit Spänen und vor allem mit Rundholz ist aktuell sehr gut, die Lager sind gefüllt. Auf den Märkten herrscht massive Unruhe, Möbelhäuser waren lange geschlossen, somit sind deren Lager voll. Das hat Auswirkungen auf die Absatzsituation und in weiterer Folge auch auf die Rohstoffnachfrage. Durch Wartungen und zunehmende Auslastungsschwierigkeiten ist die Aufnahme der vereinbarten Vertragsmenge für das zweite Quartal bereits ein Kraftakt; Mehrmengen sind nicht zu platzieren. Inländische Lieferanten werden bevorzugt, die Forstwirtschaft ist angehalten, möglichst frühzeitig gesicherte Mengen für das dritte Quartal zu melden.

Längerfristige seriöse Prognosen sind im Augenblick unmöglich, das zwingt zu einer Produktion auf Sicht.

 

Ungeachtet dieser prekären Marktbedingungen nimmt  die Plattenindustrie ihre Rolle als zuverlässiger Abnahmepartner für die Forstwirtschaft wahr.

Säge

Mag. Herbert Jöbstl
Vorsitzender der Österreichischen Sägeindustrie

Drastische Reduktion in unseren wichtigsten Exportmärkten führte bis zu 50 % Produktionskürzungen in nur wenigen Wochen Nach Rekordrückgängen im März und April 2020, verspricht der Mai 2020 langsam wieder eine Verbesserung. Nach dem notwendig gewordenen schnellsten Anlieferungsstopp der Geschichte der 2. Republik, waren alle in der Holzbranche überrascht. Nach massiven Produktionsrücknahmen Ende März und den ganzen April hindurch, wurde in Österreich letztlich in diesem Zeitraum bis zu 50 % weniger produziert – Priorität hatte auch der Schutz unserer 1.000en MitarbeiterInnen.

Italien, Spanien und Frankreich machen rund 50 % unseres Exportmarktes aus. Dort ist ein geordneter Ablauf, wie vor der Corona-Krise noch nicht die Realität; dennoch die ersten positiven Signale sind gegeben. Der Baustellenstopp hat am heimischen Markt zu großer Verunsicherung geführt. Der deutsche Markt hatte bessere Nachfragewerte, da dort auch viele Baustellen geöffnet blieben. England befindet sich noch in einer wirtschaftlichen Schockstarre. Asien und Fernost laufen wieder langsam an und die USA muss die Wirtschaft im Wahlkampfjahr wieder rasch hochfahren.

Im Mai besteht wieder Hoffnung auf etwas verbesserte Nachfrage. Dennoch bleibt die Produktionsauslastung für deutlich längere Zeit hinter den Möglichkeiten und bedingt zum Teil auch eine Verlängerung der Krisenmaßnahmen bis ins Q3 2020. Gerade auf weltweit gehemmten und entsprechend umkämpften Absatzmärkten wird die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Holzindustrie gefordert sein. Die Holzindustrie weiß – trotz massiver Einschränkungen auf der Absatzseite – auch um akute Problemstellungen aufseiten der heimischen Forstwirtschaft. Die Holzindustrie ist sich Ihrer Verantwortung bewusst und nimmt im Mai wieder verstärkt Rundholz auf, auch um den Rückstau im heimischen Wald abzubauen. Die Sägeindustrie mit Ihren zahlreichen Weiterverarbeitungsbereichen benötigt weiter kontinuierlich Mengen Rohstoff und kann die ersten positiven Signale in der Krise

an die Forstwirtschaft weitergeben. Viele Anstrengungen werden unternommen um insbesondere mit Fokus auf bewährte Stammlieferantenbeziehungen größtmögliche Rundholzmengen abzunehmen bzw. zu puffern. Konkrete Abnahmeerfordernisse sollten direkt an die jeweiligen Stammkunden kommuniziert werden.

Schulterschluss von Branche und Politik In den vergangenen Wochen bemühten sich der Fachverband und Vertreter der Holzindustrie um eine stärkere Zusammenarbeit der Wertschöpfungskette in Zeiten von Corona und drohenden massiven Klimaschädigungen im Wald. In einem Manifest wurde hierzu ein nationaler Schulterschluss festgehalten und zeitgleich entsprechende Sofortmaßnahmen an die Politik gerichtet. Dazu zählen geeignete Rahmenbedingungen und Förderungen im Bereich Transport & Logistik, der Ausbau von Nasslager sowie ein Fonds zur Rettung des Waldes.