FORSTLICHE UND JAGDLICHE SITUATION IN DEN OBERÖSTERREICHISCHEN SCHADGEBIETEN

Nov 15, 2018 | Allgemein

Gemeinsam jagdliches Bewirtschaftungskonzept für den ganzen Wald erstellen

2017 und 2018 haben Kalamitäten die oberösterreichischen Waldbesitzer hart getroffen. Nach Käferfraß und dem Zusammenspiel aus Klimaerwärmung und nicht adaptierten Baumarten sind Freiflächen in der Größe von bis zu mehreren Hektar entstanden. Die Konsequenz für die Forstwirtschaft sind übervolle Sägewerke und der damit einhergehende Preisverfall. Daraus resultieren der Verlust von zig Millionen Euro sowie Mehrarbeit, vor allem für die Forstbesitzer und die Jäger. Doch auch künftig wird der Klimawandel den Wald stark beeinflussen und nach einem nachhaltigen Umbau mit Tanne, Douglasie oder Laubholzarten verlangen, die jedoch hinsichtlich der Wildschadensanfälligkeit problembehaftet sind. Um diesen aktuellen Herausforderungen gemeinsam zu begegnen, führten Landesrat Max Hiegelsberger, LK-Präsident Franz Reisecker und Landesjägermeister Sepp Brandmayr gestern einen Lokalaugenschein in Engerwitzdorf durch.

„Oberösterreich hat mit der Abschussplanverordnung für Schalenwild bereits vor gut zwei Jahrzehnten einen richtungsweisenden Schritt gesetzt. Dass dieser Weg der Richtige ist, belegen eine Studie zur Evaluierung der VO und die Abschussplanerfüllung von 101% im Jagdjahr 2017/18“, so Hiegelsberger. Die Jagd mache es möglich, die forstlichen Ziele auf den Freiflächen umzusetzen. Ein angepasster Wildbestand sei aus forstlicher Sicht aber ebenso unumgänglich.

Neue Freiflächen – harte und verantwortungsvolle Aufgabe für die Jägerschaft

„Die Abschussplan-VO besagt, dass der Wald die Möglichkeit haben muss, ohne Flächenschutz auskommen zu können. Die umzäunte Wiederaufforstung ist eine waldbauliche Krücke, die zu höherem Verbissdruck auf den umliegenden Flächen führt, was es zu vermeiden gilt“, betont Reisecker. Dem schließt sich auch Landesjägermeister Brandmayr an: „Bei einigen Baumarten und auf manchen Flächen wird man aber auch in Zukunft ohne Einzelschutz nicht auskommen können, großflächige Umzäunungen sind aber passe. Die Jägerschaft wird hier ihren Beitrag leisten, um die Waldbesitzer dabei zu unterstützen.“ Brandmayr ersucht aber auch alle Waldbesitzer, auf diesen Flächen Reviereinrichtungen (Hochstände, Schussschneisen etc.) zuzulassen.

Der aktuelle Meldestand vom 15. Oktober 2018 zeigt, dass bereits bis zu diesem Datum 20% der oberösterreichischen Genossenschaftsjagden ihre Abschusspläne voll erfüllt oder übererfüllt haben. In den Bezirken der besichtigten Gebiete wurde der Abschussplan bei Rehwild bereits im Oktober annähernd erfüllt (Perg 83%, Urfahr-Umgebung 82%). Bei einigen Jagden ist die volle Erfüllung für heuer naturgemäß noch offen. Die Erhebungen des Landesjagdverbandes zeigen, dass mit heutigem Tag

64.718 Stück Rehwild erlegt wurden, das sind etwa 80% des festgesetzten Planes. Für Brandmayr ein Zeichen dafür, dass die Jägerschaft bereit ist, mitzuwirken.

Jagdliches Bewirtschaftungskonzept für den ganzen Wald erstellen

Die LK will erreichen, dass die Jägerschaft vor allem in den Wiederbewaldungsgebieten mit den Grundeigentümern und dem Jagdausschuss vor Ort die jagdliche Vorgehensweise detailliert bespricht und Konzepte erarbeitet. Diese müssen vorsehen, wie viele Rehe wo erlegt werden müssen, welche Aufforstungen wo zu machen und wo Schussschneisen anzulegen sind.

Die Schwerpunktbejagung sei in den betroffenen Gebieten ein Gebot der Stunde, ist man sich einig: „Genau diesem Umstand muss durch erhöhten Abschuss Rechnung getragen werden. Wer dies nicht macht, wird der Erfüllung des Abschussplanes ewig nachrennen und sich über eine Zunahme der Wildschäden wundern. Wenn die Jägerschaft neben ihrer Aufgabe, den gesunden Wildbestand zu erhalten, die Aufgabe, einen gesunden Waldbestand zu erhalten, nicht erfüllt, sind die Grundeigentümer gezwungen, sich als Jagdrechtsinhaber – und somit als Verpächter – weitere Maßnahmen zu überlegen“, betont der LK-Präsident.

„Es geht nur miteinander, nicht nebeneinander und schon gar nicht gegeneinander. Unsere Hand ist ausgestreckt zu einem gedeihlichen Miteinander. Dazu brauchen wir aber auch die gegenseitige Unterstützung“, unterstreicht auch der Landesjägermeister.

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