Nachhaltigkeitsministerin Patek stellt österreichische Bioökonomie-Strategie vor

Wien, 10. September 2019 (aiz.info). – Die Umstellung der Wirtschaft von nicht nachwachsenden auf nachwachsende Rohstoffe ist eine der wirkungsvollsten Maßnahmen gegen den Klimawandel. Seit die EU-Kommission 2005 die “wissensbasierte Bioökonomie” aus der Taufe gehoben hat, ist viel passiert: Europaweit forschen Universitäten dazu an unterschiedlichen Bereichen. “Die Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein”, betont Rektor Hubert Hasenauer nicht ohne Stolz. “Wir haben international das Alleinstellungsmerkmal, alle Forschungsebenen abzudecken: Mehr als 80% unserer Institute forschen an biogener Rohstofferzeugung, bioökonomischen Verarbeitungsprozessen oder an umwelt- beziehungsweise sozialwissenschaftlichen Aspekten.”

Zentrum für Bioökonomie an der Boku eingerichtet

Damit diese umfassende Forschung universitätsintern koordiniert abläuft, wurde heuer das Zentrum für Bioökonomie geschaffen, das die Kommunikation, Kollaboration, Kooperation und Koordination aller bioökonomie-relevanten Aktivitäten an der Boku verstärkt. “Nach intensiver Forschungstätigkeit haben wir in der Zwischenzeit schon viele innovative Lösungsansätze entwickelt”, so Hasenauer. Die Boku war auch federführend an der Entwicklung der österreichischen Bioökonomie-Strategie beteiligt, die das Bundesministerium für Nachhaltigkeit 2018 in Auftrag gab.

Heute, Dienstag, wurde diese Bioökonomie-Strategie beim Waldgipfel zum Thema “Bioökonomie.Klimawandel.Wald” im Universitäts- und Forschungszentrum Tulln (UFT) als Beitrag zum Klimaschutz vorgestellt. “Die Bioökonomie bietet durch die Nutzung regionaler, nachhaltig nachwachsender Rohstoffe eine Vielzahl neuer Chancen für einen klimafreundlichen Wirtschafts- und Produktionsstandort Österreich”, so Nachhaltigkeitsministerin Maria Patek.

Machbarkeit auf dem Prüfstand

Geleitet wird das Zentrum für Bioökonomie von Martin Greimel. Bei ihm laufen alle Stränge der Forschungsaktivitäten an der Boku zusammen: “Wir befinden uns derzeit in einem Stadium, in dem es sowohl bei der biogenen Rohstofferzeugung als auch bei den biogenen Verarbeitungsprozessen schon gute Lösungsansätze gibt. Wir können einen Großteil der mit Erdöl erzeugten Produkte bereits durch solche aus nachwachsender Biomasse ersetzen.”

Aber nicht alles, was technisch machbar ist, ist auch wirtschaftlich oder umweltwissenschaftlich sinnvoll – so auch in der Bioökonomie. Daher untersucht die Boku auch die dazugehörige Ökobilanz. “Wenn wir in Österreich alles auf nachwachsende Rohstoffe umstellen würden, bräuchten wir eine um 50% größere Anbaufläche”, zeigt Greimel auf, “daher spielen in der Bioökonomie auch sozialwissenschaftliche Aspekte wie Konsumverhalten oder Politikberatung eine wesentliche Rolle.” In diesem umwelt- und sozialwissenschaftlichen Bereich besteht daher noch erhöhter Forschungsbedarf. Und auch bei der Umsetzung des vorhandenen Know-hows ins “echte” Leben sieht der Wissenschafter noch großen Handlungsbedarf.

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