AKTIVE FORSTWIRTSCHAFT IST DIE GRUNDLAGE DER BIOÖKONOMIE

Feb 3, 2021 | Allgemein

EU-Studie beziffert positiven Klimaeffekt des Sektors mit 806 Mio. t CO2 pro Jahr

Wien, 2. Februar 2021 (aiz.info). – „Nachwachsende Rohstoffe aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern bilden die Grundlage biobasierter Produkte. Die aktive Bewirtschaftung garantiert neben der ausreichenden Rohstoffverfügbarkeit auch eine verstärkte Kohlenstoffaufnahme der Wälder“, stellt die Österreichische Papierindustrie in einer Aussendung fest. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf eine aktuelle EU-Studie, die den positiven Klimaeffekt des forstbasierten Sektors mit 806 Mio. t CO2 pro Jahr beziffert.

Die Klimakrise erfordert einen Umbau des Wirtschaftssystems von fossilen hin zu erneuerbaren Rohstoffen. Die Papierindustrie ist hier laut einer weiteren Studie („Innovative bio-based products for a sustainable future“) bereits Vorreiter. In ganz Europa wurden 139 Bioraffinerien identifiziert, das sind vor allem Zellstoff- und Papierfabriken, die außer Papier und Zellstoff noch viele weitere biobasierte Produkte aus dem nachhaltigen Rohstoff Holz herstellen. Fasern, Biotreibstoffe oder Tallölprodukte finden ihren Einsatz in zahlreichen Bereichen, von der Verpackungs- und Automobil- über die chemische und Lebensmittel- bis hin zur Pharmaindustrie. Mittlerweile entfallen 3% des Umsatzes der europäischen Papier- und Zellstoffindustrie auf Bioraffinerie-Produkte – mit steigender Tendenz. Grundlage all dieser Erzeugnisse ist der nachwachsende Rohstoff Holz aus aktiv und nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. In der österreichischen Papierindustrie wird zu 100% Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft eingesetzt, das wird durch Zertifizierungssysteme wie etwa PEFC dokumentiert.

Nachwachsende Rohstoffe als Voraussetzung

Nachhaltige Waldbewirtschaftung hat in Österreich und seinen Nachbarländern schon lange Tradition. Der Wald wächst stetig, weil nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit nicht mehr Bäume geerntet werden als nachwachsen. Pflegeeingriffe, wie die Durchforstung, führen zu stabileren und resistenteren Waldbeständen. Schwache Bäume werden geerntet, damit die verbleibenden durch bessere Wachstumsbedingungen gut gedeihen können. Dabei nehmen junge, voll im Wachstum befindliche Bäume auch noch mehr Kohlenstoff auf. Und auch in Holzprodukten bleibt der Kohlenstoff weiter gespeichert, solange diese im Kreislauf immer wieder zu neuen Produkten weiterverarbeitet werden. Erst mit der Verbrennung wird CO2 freigesetzt. Ersetzen holzbasierte Produkte fossilbasierte, wird dadurch ebenfalls Kohlendioxid eingespart.

Forstbasierter Sektor weist großen positiven Klimaeffekt auf

Die Studie „Climate effect of the forest-based sector in the European Union“ beziffert den positiven Klimaeffekt des forstbasierten Sektors mit 806 Mio. t an CO2 pro Jahr. Das entspricht 20% der gesamten CO2-Emissionen der EU. Berechnet werden in der Studie einerseits die Emissionen während der Produktionsprozesse. Diese belaufen sich auf 51 Mio. t CO2. Auf der Habenseite wird dann die Speicherung von CO2 in nachhaltig bewirtschafteten Wäldern sowie in Holzprodukten wie Möbel, Bauholz oder Papier verbucht. Hier werden 447 Mio. t CO2 vermieden. Zusätzlich wird noch die CO2-Einsparung durch die Substitution von fossilbasierten Produkten sowie Energieträgern gutgeschrieben. Hier ergibt sich ein Plus von 410 Mio. t CO2. Insgesamt beträgt damit der Einsparungseffekt am Ende 806 Mio. t CO2.

Wälder sind wichtige Kohlenstoffspeicher. Im Zuge ihres Wachstums absorbieren sie CO2 aus der Atmosphäre. Die nachhaltige Nutzung spielt hier eine wesentliche Rolle, denn nur sie garantiert, dass der Wald immer weiterwächst und nie mehr CO2 freigesetzt wird, als aufgenommen werden kann. Wird das Holz zu Produkten verarbeitet, bleibt auch der Kohlenstoff weiter in diesen gespeichert. Und Recycling sorgt – neben möglichst hoher Ressourceneffizienz – für eine weitere Verlängerung des CO2-Kreislaufes.

Leitbranche der kreislaufbasierten Bioökonomie

Die österreichische Papierindustrie hat eine lange Tradition hinsichtlich Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Der 100%ige Bezug von Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, höchste Recyclingquoten und mehrstufige Abwasserreinigung sind mittlerweile Standard. Die kaskadische Holznutzung – also die Herstellung von Erzeugnissen aus Sägenebenprodukten und Durchforstungsholz, mehrfaches Recycling und thermische Verwertung der erneuerbaren Reststoffe – haben sie zur Leitbranche der kreislaufbasierten Bioökonomie gemacht. Mittlerweile erzeugen 24 Betriebe 5 Mio. t Papier und 2 Mio. t Zellstoff pro Jahr sowie zusätzlich noch Textilien und Nahrungsmittelzusatzstoffe. Auch zahlreiche Vorprodukte für die chemische Industrie kommen aus der Papierindustrie und ersetzen bereits heute erdölbasierte Stoffe. Die Branche ist auch wichtiger Lieferant von Ökoenergie. Mittlerweile kommen 10% der gesamten in Österreich aufgebrachten erneuerbaren Energie aus der Papierindustrie, die damit 100.000 Haushalte mit Strom und Wärme versorgt.

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