Totschnig: Forschungsprojekt zur Rolle der Wälder für den Wasserhaushalt startet

Juli 10, 2026 | Allgemein, Forschung

BMLUK-Forschungsprojekt erforscht Beitrag von Wäldern und forstlicher Infrastruktur zu Wasserrückhalt und Hochwasserschutz

Wien, 9. Juli 2026 (aiz.info). – Der Klimawandel führt zu häufigeren Starkregenereignissen und längeren Trockenperioden. Um Wasser künftig besser in der Landschaft zu halten, gewinnen naturbasierte und weitläufig verteilte Rückhaltemaßnahmen an Bedeutung. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) hat nun das Forschungsprojekt „AquaSilva“ gestartet. Dabei wird am Beispiel des Waldes erforscht, wie natürliche Rückhalte- und Speicherfunktionen gestärkt werden können, um den Wasserhaushalt zu stabilisieren und die Landschaften widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit und Starkregen zu machen.

Umweltminister Norbert Totschnig: „Wasser ist unsere wichtigste Lebensgrundlage und muss künftig noch stärker als wertvollste Ressource betrachtet werden. Wichtig ist, dass wir einen gesamtheitlichen Ansatz wählen, da Wasser viele Bereiche wie z.B. die Trinkwasserversorgung oder die Land- und Forstwirtschaft betrifft. Mit AquaSilva erforschen wir, wie man Wasser angesichts der klimawandelbedingten Trockenperioden länger in der Landschaft halten kann und welche Rolle unsere Wälder dabei spielen.. Gleichzeitig leisten wir damit einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz, verbessern die Wasserversorgung von Ökosystemen und unterstützen die langfristige Sicherung unserer wertvollen Wasserressourcen“.

Forstliche Infrastruktur als Beitrag zum Wasserrückhalt

Ziel des Projekts ist es, die Retentionswirkung forstlicher Infrastruktur, wie z. B. Forststraßen, und bestehender Maßnahmen zum Wasserrückhalt wissenschaftlich zu bewerten und ihr Potenzial für Hochwasserrisikomanagement und Klimawandelanpassung sichtbar zu machen. Zunächst werden bestehende Retentionsmaßnahmen im Wald sowie relevante Strukturen der forstlichen Erschließung systematisch bewertet. Als Pilotgebiet wurde der Wienerwald gewählt.

Christian Scheidl vom Institut für Alpine Naturgefahren der BOKU betont: „Die Einzugsgebiete im Wienerwald verdeutlichen die Herausforderungen eines sich verändernden Wasserhaushalts mit zunehmenden Starkregenereignissen und längeren Trockenperioden. Das Hochwasser im September 2024 hat deutlich gemacht, wie wichtig es ist, die Abflussbildung besser zu verstehen – nicht zuletzt wegen der erheblichen Schäden an Infrastruktur, Forstwegen und im Siedlungsraum.“

„Die forstliche Infrastruktur dient nicht nur der Bewirtschaftung, sondern beeinflusst auch den Wasserabfluss. Je nach Lage oder Zustand, kann Wasser zwischengespeichert, verzögert oder beschleunigt abgeleitet werden. AquaSilva rückt daher die bislang wenig beachtete Rückhaltewirkung forstlicher Infrastruktur in den Mittelpunkt“, so Franz Holzleitner vom Institut für Forsttechnik der BOKU.

Wälder als natürliche Wasserspeicher

„Der Wald ist ein natürlicher Wasserspeicher und spielt eine zentrale Rolle für einen stabilen Wasserhaushalt. AquaSilva liefert wichtige Erkenntnisse, die unsere laufenden Maßnahmen zur Entwicklung klimafitter und widerstandsfähiger Wälder ergänzen – damit der Wald seine vielfältigen Leistungen für Mensch, Natur und Wirtschaft auch in Zukunft erfüllen kann“, so Andreas Gruber, Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz der Österreichischen Bundesforste.

„Unser Ziel ist es, Niederschlagswasser im Einzugsgebiet möglichst lange zurückzuhalten, dort wo dies sinnvoll ist, statt es rasch abzuleiten. Wälder spielen dabei eine Schlüsselrolle: Gesunde Waldböden und vitale Vegetation speichern Wasser, verzögern Abflüsse und stabilisieren den Wasserhaushalt“, sagt Projektleiterin  Veronika Lechner vom Institut für Naturgefahren des BFW.

Die Projektleitung liegt beim Bundesforschungszentrum für Wald (BFW). Die wissenschaftliche Bearbeitung erfolgt gemeinsam mit dem Institut für Alpine Naturgefahren und dem Institut für Forsttechnik der Universität für Bodenkultur (BOKU). Die Österreichischen Bundesforste und der Biosphärenpark Wienerwald unterstützen die Umsetzung im Pilotgebiet Wienerwald.

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