Wo der steirische Plenterwald Zukunft hat – Teil 1

Artikel aus Ausgabe 3/2025

Wo in der Steiermark ist Plenterwaldbewirtschaftung heute und künftig sowohl ökologisch sinnvoll als auch wirtschaftlich umsetzbar? Dieser Frage widmete sich eine aktuelle Studie der BOKU im Rahmen des Waldfondsprojekts „Forstliche Innovationsräume für Climate-Smart-Forestry“.

Mehr finden zu …

Ausgabe: 3/2025
Thema: -
Bundesland: Österreich
Autor:in: Mathias Leiter

Der Plenterwald ist eine besondere Form des Dauerwaldes, die vorwiegend in nadelholzreichen Beständen West-, Mittel- und Osteuropas Anwendung findet. Erstmals Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland, Frankreich und der Schweiz beschrieben, wird die Plenterbewirtschaftung in Vorarlberg seit über hundert Jahren und in der Steiermark seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich auf größeren Flächen praktiziert. Spätestens durch die Arbeiten von Heinz Reininger im Stift Schlägl und Josef Spörk im Wald des Malteser Ritterordens wurde der Plenterwald auch im übrigen Österreich bekannt.

Die Plenterwaldbewirtschaftung hat sehr strukturreiche Bestände zur Folge: Alle Baumentwicklungsstadien, mit ihren unterschiedlichen Durchmessern und Höhen, existieren im Plenterwald auf kleinstem Raum unter-, über- und nebeneinander. Durch einzelstammweise Nutzungen entstehen Lücken im Bestand. Diese werden durch Naturverjüngung oder von jüngeren Bäumen, die den neu entstandenen Wuchsraum ausnutzen, geschlossen. Durch die aktive Plenterbewirtschaftung entsteht ein sich verjüngendes, resistentes und resilientes System. Denn Plenterwälder sind im Vergleich zu Altersklassenwäldern weniger anfällig für Windwurf und können sich nach Störungen, durch das Vorhandensein von Bäumen in allen Entwicklungsstadien, schneller erholen. Die Plenterwaldbewirtschaftung mit mehreren Baumarten bietet daher eine gute Option zur Anpassung an zunehmende Kalamitäten infolge des Klimawandels.

Wo kann man Plentern? – Eine Frage der Baumarteneignung
Im klassischen Plenterwald und der damit einhergehenden einzelstammweisen Nutzung sind Baumarten mit einer erhöhten Schattentoleranz besonders gut geeignet. Junge Bäume müssen im Plenterwald oft sehr lange in einer abwartenden Stellung verharren können, bis sich durch einen Eingriff eine Chance für die Weiterentwicklung bietet. Lichtbaumarten können sich in solchen Beständen oft nicht verjüngen oder es kommt in der Wartestellung zur Mortalität. In österreichischen Plenterwäldern dominieren daher die Schatt- und Halbschattbaumarten Tanne, Fichte, Buche und Bergahorn. Besonders die Tanne spielt in der Plenterwaldbewirtschaftung durch ihre ausgeprägte Schattentoleranz und gute Wuchsleistung eine wichtige Rolle. Ideale Plenterwaldflächen sollten aber nicht nur der Tanne, sondern auch mindestens einer weiteren schattentoleranten Mischbaumart günstige Wuchsbedingungen bieten. So wird die Baumartenvielfalt gefördert und die ökologische Stabilität des Bestandes gestärkt.

62 Prozent der Landesfläche der Steiermark sind mit Wald bedeckt, doch nicht jeder Waldstandort eignet sich automatisch für strukturreiche Plenterwälder. Für eine fundierte Einschätzung des Plenterpotenzials wurde in der BOKU Studie das Modell zur Bestimmung der Baumarteneignung angewandt, welches im Rahmen der Dynamischen Waldtypisierung in der Steiermark entwickelt worden ist. Es berücksichtigt klimatische und hydrologische Standortfaktoren ebenso wie die Nährstoffversorgung und standortspezifische Risikofaktoren. Die standortsparameterspezifischen Eignungswerte einer Baumart werden in diesem Baumarteneignungsmodell durch verschiedene mathematische Operatoren zu einem einzigen Wert zusammengefasst, der die autökologische Eignung einer Baumart auf einem Standort beschreibt. Die flächigen Inputdaten für die Standortsinformation im Model basieren ebenfalls auf empirisch erhobenen Daten und den davon abgeleiteten Karten der Dynamischen Waldtypisierung. Bei der Bestimmung des aktuellen Plenterpotenzials gelten dabei nur jene Waldflächen als geeignet, auf denen die Tanne unter den heutigen Klimabedingungen hohe Eignungswerte erreicht und zusätzlich mindestens eine weitere schattentolerante Baumart, wie Fichte, Buche, Douglasie, Ahorn, Linde oder Hainbuche, standortgerecht etabliert werden kann.

Da es für die Umsetzung des Plenterwaldes und dem notwendigen Vorhandensein aller Durchmesserklassen eine Mindestgröße von etwa einem Hektar bedarf, wurden die Baumarteneignungen auf 100 x 100 m Rasterzellen aggregiert und klassifiziert. Wie man in der abgebildeten Karte sieht, weisen 43 Prozent der steirischen Waldfläche, rund 464.000 Hektar, aus ökologischer Sicht eine sehr gute Eignung für die Plenterwaldbewirtschaftung auf. Rund 44 Prozent der Waldfläche haben ein mäßiges Plenterpotenzial, weitere 13 Prozent gelten als ungeeignet für die typischen Plenterbaumarten. Besonders günstige Voraussetzungen für den Plenterwald bieten silikatische Standorte in mittleren Höhenlagen. Doch nicht auf jedem dieser geeigneten Standorte wachsen auch heute schon die notwendigen Baumarten. In vielen Beständen ist die Tanne nur noch in geringer Anzahl vorhanden, etwa infolge historischer Kahlschläge oder starker Wildschäden. Solche Flächen verfügen zwar grundsätzlich über Plenterpotenzial, erfordern aber gezielte waldbauliche Maßnahmen zur Wiederetablierung der Tanne, wenn man langfristig auf Plenterwirtschaft umstellen möchte.

Baumarteneignung allein reicht nicht aus
Laut dem ersten Teil dieser Studie sind unter aktuellen klimatischen Bedingungen rund 43 Prozent des steirischen Waldes aus einer ökologischen Sicht für die Plenterwirtschaft geeignet. Daraus allein lässt sich jedoch keine unmittelbare Bewirtschaftungsempfehlung ableiten. Welche technischen Faktoren und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen die tatsächliche Umsetzbarkeit beeinflussen, wird im zweiten Teil dieser Serie behandelt. Auch wie sich die potenzielle Plenterwaldfläche unter veränderten Klimaszenarien bis zum Ende des Jahrhunderts entwickeln könnte, lesen Sie in der Oktoberausgabe von Waldverband aktuell.

Autoren der Studie:

  • Dr. Mathias Leiter, Postdoc am Institut für Waldbau, BOKU University
  • Dr. Christoph Pucher, Postdoc am Institut für Waldbau, BOKU University
  • Dipl.-Ing. Michael Kessler, ehemaliger Mitarbeiter am Institut für Waldbau, BOKU University
  • Dr. Ferdinand Hönigsberger, Universitätsassistent am Institut für Forsttechnik, BOKU University
  • Univ. Prof. Dr. Manfred Lexer, Professor am Institut für Waldbau an der BOKU University
  • A.o.Univ. Prof. Dr. Harald Vacik, Außerordentlicher Professor am Institut für Waldbau an der BOKU University
  • Univ. Prof. Dr.DDr.h.c. Hubert Hasenauer, Professor für Waldökosystemmanagement und Leiter des Institutes für Waldbau an der BOKU University

Sehr gut, mäßig oder ungeeignet: Standorteignung für den Plenterwald.

Strukturreiches Bestandesbild eines klassischen Plenterwaldes.

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.