Was passiert, wenn es passiert ist?

Artikel aus Ausgabe 4/2023

Ein spezieller Einsatzbereich der Bergrettung ist die Versorgung und Bergung von bei Forstarbeiten verunfallten Personen. Die Rettung aus dem unwegsamen Gelände mithilfe von speziellen Geräten und Hilfsmitteln bedarf intensiver Schulungen und regelmäßiges Training der Einsatzkräfte.

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Ausgabe: 4/2023
Thema: Arbeitssicherheit, Wald & Technik
Bundesland: Kärnten
Autor:in: Edmund Steiner

Eine solche Übung fand am 26. August 2023 in Stockenboi am Weißensee statt. Zwei Bergretterinnen und 26 Bergretter der Ortsstelle Spittal/Drau-Stockenboi probten die Versorgung und Bergung einer verunglückten Person. Die „Übungsvorgabe“ war ein verletzter Forstarbeiter mit einer stark blutenden Schnittverletzung am Unterschenkel, der aus sehr steilem Gelände ca. 80 Meter auf die darüberliegende Forststraße zu bergen war. Einsätze dieser Art sind kein reines Übungsszenario, sondern regelmäßiger Ernstfall für die Bergrettung.

Die Kärntner Bergrettung

Über Kärnten verteilt gibt es 18 Ortsstellen. Rund 870 aktive Bergretterinnen und Bergretter stehen ehrenamtlich bereit, um jenen Menschen zu helfen, die abseits des öffentlichen Straßennetzes, im unwegsamen, alpinen Gelände in Notlage geraten. Bei Forstunfällen wird die jeweils zuständige Ortsstelle von der Rettungsleitstelle immer mitverständigt. Dies erfolgt deshalb, weil es bei Hubschrauberbergungen oftmals notwendig ist, die verunfallte Person auf eine freie Fläche (Lichtung) zu bringen, um eine Seil- bzw. Windenbergung überhaupt erst zu ermöglichen. Herrscht Wetter, bei dem nicht geflogen werden kann, ist generell die Bergrettung für die terrestrische Bergung des Unfallopfers zuständig.

Probe für den Ernstfall

Der Schwerpunkt der Übung in Stockenboi war die Notfallversorgung des verunfallten, schwerverletzten Forstarbeiters sowie die Erprobung des Einsatzes verschiedener Rettungsmaterialien und Rettungsgeräte zur Bergung. So wurde unter anderem die herkömmliche Gebirgsrettungstrage UT 2000 eingesetzt, an welche ein Radsatz angebracht werden kann. Dieser dient dazu, einen großen Teil des Patientengewichtes aufzunehmen und so der Rettungsmannschaft den Transport im freien Gelände zu erleichtern. Für den Einsatz auf Schnee kann die Trage auch auf Kufen gesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit zum Abtransport eines Unfallopfers bietet die Rollup-Trage. Diese zusammenrollbare Rettungstrage kann relativ einfach an einen Unglücksort gebracht und dort zusammengebaut werden. Sie eignet sich besonders gut für eine senkrechte und horizontale Bergung nach oben. Mithilfe verschiedener Flaschenzugtechniken wird die Bergungsmannschaft beim Transport des Verletzten aus dem steilen Gelände zur Forststraße unterstützt.

Notruf richtig absetzen

Ist ein (Forst)Unfall passiert, gilt es beim Absetzten des Notrufes unter 144 oder 140 einige wichtige Punkte zu beachten. Neben der Angabe der Verletzungsart ist es besonders wichtig, den Ort des Geschehens möglichst präzise bekannt zu geben. Nur so können die Retter die Unfallstelle rasch erreichen. Viele Mobiltelefone bieten die Möglichkeit, die genauen Koordinaten zu ermitteln. Mit dieser Funktion sollte man sich vertraut machen, um sie im Ernstfall anwenden zu können. Eine weitere große Unterstützung für die Retter ist das Kennzeichnen von Abzweigungen an den Forststraßen, um bei der Anfahrt zum Unfallort keine Zeit zu verlieren.

Kontakt
Edmund Steiner
Presse- und Medienarbeit
Bergrettung Spittal/Drau-Stockenboi
www.bergrettung-spittal.at

Tipps und Trickss

Wichtig für eine reibungslose Rettungskette bei Forstunfällen:
  • Notrufnummer 144 oder 140 – Notruf richtig absetzen
  • Bekanntgabe des genauen Standortes –> Koordinaten!
  • Machen Sie sich mit der Koordinatenermittlung auf Ihrem Mobiltelefon vertraut (z.B. Google Maps).
  • Forststraßen-Abzweigungen kennzeichnen
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