Das Gegenteil, der seggregative Ansatz, ist vor allem in den Tropen zu beobachten: Auf der einen Seite außer Nutzung gestellte Flächen für den Naturschutz. Daneben Turboplantagen mit genetisch hochgetrimmten Bäumen, massivem Dünger- und Pflanzenschutzmitteleinsatz, die im Kurzumtrieb, je nach Baumart, spätestens alle 20 Jahre kahlgeschlagen werden. Eine höchst produktive Wirtschaftsweise, die einem Waldbesitzer in Österreich in dieser Form fremd ist.
Multifunktionalität in Gefahr
Im Kielwasser der aktiven Waldbewirtschaftung, sprichwörtlich gesehen das Boot am Wasser, konnte der Waldbesitzer auch alle anderen Wirkungen des Waldes bestmöglich zur Verfügung stellen.
Ermöglicht wird dies, solange aus dem Holzverkauf ein ausreichendes Einkommen zu erzielen ist – quasi der Antrieb für das Boot – und in den Wald reinvestiert wird.
In Österreich geht seit Jahren das Einkommen aufgrund sinkender Holzerlöse, bei gleichzeitig steigenden Personal- und Betriebsmittelkosten, Kosten aufgrund der Klimaverschlechterung und den steigenden Ansprüchen der Gesellschaft stetig zurück. Der Motor der Waldbewirtschaftung stottert mittlerweile kräftig bzw. ist aufgrund der Klimakrise regional bereits total ausgefallen. Speziell im Wald- und Mühlviertel ist kein Eigenkapital für Reinvestitionen in den Wald mehr vorhanden.
Wie kann daher die nachhaltige, multifunktionale Waldbewirtschaftung auch für die Zukunft gesichert werden?
Ökosystem erbringt Ökosystem-Leistungen
Das Ökosystem Wald erbringt viele Wirkungen von selbst. Der Wald braucht keine Hilfe des Menschen, um aus dem CO2 in der Atmosphäre, aus Sonnenlicht und Wasser Holz und Sauerstoff zu produzieren. Ebenso ist es mit der Reinigung der Luft oder der Speicherung von Wasser im Waldboden. Das sind direkte „Leistungen“ des Ökosystems Wald. Das alles macht der Wald ohne Zutun des Menschen.
Es darf aber die Frage gestellt werden, ob der sich aufgrund der Klimakrise sehr rasch verändernde Wald ohne aktive Beeinflussung durch den Menschen alle von der Gesellschaft benötigten Leistungen auch weiterhin erbringen kann. Mit welcher Nadelholzart soll der Holzbedarf der Bevölkerung in Zukunft gestillt werden? Wie kann die Schutzwirkung erhalten bleiben, wenn Klimawandel-Folgeschäden wie Sturm, Schneebruch und Borkenkäfer häufiger und großflächiger auftreten? Müssen bei wesentlich geringerem Jahresniederschlag für die Sicherung der Wasserversorgung der Gemeinden spezielle Maßnahmen gesetzt werden? Wie werden sich Erholungssuchende und der Naturschutz auf völlig andere Waldökosysteme einstellen?
Waldbesitzer erbringen Ökosystem-Dienstleistungen
Damit die Menschen dauerhaft in den Genuss der Waldwirkungen kommen können, werden aktive Managementmaßnahmen gesetzt werden müssen. Teilweise wird auch ganz bewusst in die Optimierung von Ökosystemdienstleistungen investiert werden müssen. Am Beispiel des Schutzwaldes ist dies schön zu veranschaulichen. So müssen auch in Lagen, wo Holzerntekosten nicht mehr mit dem Holzerlösen gedeckt werden können, rechtzeitig Bäume entnommen werden müssen, um flächendeckend Licht auf den Boden zu bringen und so eine natürliche Verjüngung einzuleiten. Baumarten in Verjüngungskegel sind so zu pflegen, dass klimastabile Bestände daraus werden und gleichzeitig Steinschlag bestmöglich unterbunden wird. Bei Kalamitäten ist unbringbares Holz zu entrinden, um dem Borkenkäfer das Brutmaterial zu entziehen. Das Holz bleibt quergefällt im steilen Gelände und erbringt eine wichtige ökologische Funktion und vieles mehr. Das heißt, jemand muss alle diese Dienstleistungen erbringen, um die Schutzwirkungen dauerhaft zu gewährleisten. Der Definition von Dienstleistung folgend muss dieser jemand dafür auch entlohnt werden.
Wer diese Tätigkeiten letzten Endes durchführt ist eine Frage der Kosten. Wahrscheinlich ist es für die Gesellschaft das kostengünstigste, wenn der Waldbesitzer selbst im Zuge der Waldbewirtschaftung diese Dienstleistung anbietet und diese durch die Gesellschaft entlohnt auch durchführt. Damit hätte man vieles erreicht:
- Diese Ökosystem-Leistungen können dauerhaft und optimiert der Gesellschaft zur Verfügung gestellt werden.
- Durch die Entlohnung der Dienstleistung bekommen die Waldbesitzer die Möglichkeit eines Zuverdienstes, der Ausfälle bei Holzerlösen kompensieren könnte.
- Es ist forstpolitisch leichter den integrativen Ansatz der Multifunktionalität weiter zu verfolgen.
- Zusätzliches Geld fließt in die ländlichen Regionen, diese werden gestärkt und die vorhandenen Arbeitsplätze gesichert.
Solange ausreichend Einkommen aus dem Holzverkauf erzielt werden konnte, wurden viele Dienstleistungen von den Waldbesitzern zum „Nulltarif“ erbracht. Dies ist auf Dauer nicht mehr möglich. Es liegt an den Begünstigten der diversen Ökosystemdienstleistungen, von den Gemeinden über den Naturschutz bis hin zum Staat, zukünftig noch mehr Bereitschaft zu zeigen, ganz konkrete Ökosystemdienstleistungen auch voll abzugelten. Erfolgt dies nicht, werden sich nicht nur die Waldbilder massiv ändern, sondern auch die multifunktionale Waldbewirtschaftung nicht mehr länger aufrecht zu erhalten sein.



