Vom Submissionsplatz in den Konzertsaal

Artikel aus Ausgabe 2/2018

Was geschieht eigentlich mit den wertvollen Stämmen nach der Submission? Neben den klassischen Furnierholzkäufern und Schnittholzhändlern sind auch immer wieder andere Käufer unter den Submissionskunden. Wohin geht die Reise dieser wertvollen Stämme, welche endgültige Bestimmung finden unsere bei der Wertholzsubmission versteigerten Hölzer?

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Ausgabe: 2/2018
Thema: Wald & Wirtschaft
Bundesland: Österreich
Autor:in: Mag. Roland Hinterberger

Die folgende Reportage begleitet einen jungen Instrumentenbauer, welcher bei der diesjährigen Submission gemeinsam mit drei weiteren Instrumentenbaukollegen einen Riegelahorn ersteigert hat.

Ludwig Friess ist ein junger Instrumentenbaumeister aus Haslach an der Mühl. Gemeinsam mit seinen Schulkollegen aus der Instrumentenbauschule in Hallstatt, Mizzotti Meisteratelier für Geigenbau und Werner Trojer einem Instrumentenbauer aus Osttirol, hat er einen Riegelahornstamm mit einer Länge von 7,5 Metern, einem Mittendurchmesser von 47 cm und einer Kubatur von 1,3 Festmetern erstanden. Der sympathische Mühlviertler gibt uns spannende Einblicke in die Welt des Geigenbaus und erklärt aus der Sicht eines Instrumentenbauers die wesentlichen Qualitätsanforderungen und worauf er beim Kauf das Hauptaugenmerk legt.

Herr Friess, welche Kriterien sind beim Kauf des Stammes für Sie als Geigenbauer wichtig?

Friess Als Instrumentenbauer suchen wir gezielt nach Bergahornstämmen mit Riegelwuchs. Dieses Holz wird seit Jahrhunderten im Geigenbau verwendet. Aus dem Riegelahorn gewinnen wir die Geigenböden und die Hälse. Neben den allgemeinen Qualitätskriterien wie beispielsweise Astigkeit und Holzfarbe spielt beim Instrumentenbau der Drehwuchs eine wichtige Rolle. Diese Eigenschaft kann man am besten am ganzen Stamm beurteilen. Idealerweise sollte der Stamm keinen Drehwuchs aufweisen. Für den Geigenbau braucht man relativ kurze Stammabschnitte, die Rohlinge für eine Geige sind ca. 55 bis 60 cm lang, weshalb die Krümmung des Stammes weitaus weniger Rolle als der Drehwuchs spielt. Im Geigenbau benötigen wir Stammdurchmesser im Bereich von 50 bis 60 cm. Größere Durchmesser finden dann beim Bau von größeren Instrumenten wie beispielsweise Cello oder auch Contrabass Verwendung.

Können Sie uns den Weg vom Submissionsstamm zur fertigen Geige erklären?

Friess Gemeinsam mit meinen Instrumentenbaukollegen haben wir den ersteigerten Stamm gleich vor Ort in Sankt Florian zerteilt. Zuerst haben wir 50 bis 60 cm lange Teilstücke heruntergeschnitten und diese sogleich in die benötigten Blöcke gespalten. Der Moment des Spaltens ist sozusagen der Moment der Wahrheit. Hier zeigen sich die inneren Werte des Stammes. Gibt es innere Holzfehler, wie verhält sich die Riegelung, gibt es Veränderungen der Holzfarbe, etc. In unserem Fall hatten wir Glück und der ersteigerte Stamm entsprach unseren Erwartungen und auch die Ausbeute an Blöcken für die Geigenböden und Hälse war sehr zufriedenstellend. Aus dem Stammfuß konnten wir sogar noch Rohlinge für ein Cello gewinnen. Die gespaltenen Blöcke wurden dann von mir noch entrindet und etwas nachbearbeitet. Diese Rohlinge werden nun die nächsten sieben Jahre luftgetrocknet und entsprechend fachmännisch gelagert. Aus den vorerst wie normale Holzscheite wirkenden Blöcken werden dann in unzähligen Handarbeitsschritten die Bestandteile für eine Geige gefertigt. Vom Rohling bis zur fertigen Geige werden ca. 250 Arbeitsstunden benötigt.

Welche Rolle spielt der „Riegel“?

Friess Die „Riegelung“ des Holzes ist in erster Linie ein optisches Argument. Die Schönheit der Maserung kann man am besten am fertigen Instrument bewundern. Darüber hinaus wirkt sich der „Riegel“ aus meiner Sicht auch positiv auf die Quersteifigkeit der Geige aus. Der Ahorn hat ein gutes Verhältnis von Schallgeschwindigkeit und Gewicht. Bei aller Schönheit des „Riegels“ sei an dieser Stelle aber auch erwähnt, dass dieser leicht reißt und daher handwerkliches Geschick bei der Verarbeitung notwendig ist. Auch die Tradition des Geigenbaus spielt eine wichtige Rolle. Bereits seit hunderten von Jahren werden Geigen zu weiten Teilen aus Riegelahorn gefertigt und das hat sich bis heute sehr gut bewährt. Interessanterweise war der im Instrumentenbau hoch geschätzte Riegelwuchs des Ahorns im damaligen Schiffsbau nicht gerne gesehen und zählte bei den Schiffsbauern als unbrauchbar.

Welche Vorteile bietet der Einkauf des Holzes bei der Submission für Sie?

Friess Der wesentliche Vorteil des Einkaufs bei der Submission ist, dass wir aus einer Vielzahl von hochqualitativen Stämmen gezielt den für unsere Bedürfnisse idealen Stamm auswählen können. Ein weiterer Vorteil für einen Instrumentenbauer ist auch, dass wir den gesamten Stamm beurteilen können und somit den für uns problematischen Drehwuchs bestmöglich ausschließen können. Darüber hinaus sind wir beim Kauf eines ganzen Stammes in der Lage, das Holz genau nach unseren Vorstellungen zu spalten. Im Instrumentenholzhandel bekommt man eher nur geschnittene Blöcke und kein entlang der Holzfaser gespaltenes Holz. Als Handwerksmeister ist es außerdem auch sehr reizvoll, ein Instrument von Beginn an selbst zu fertigen.

Der Waldverband OÖ möchte sich an dieser Stelle sehr herzlich für das nette Interview und die interessanten Einblicke in die Welt des Instrumentenbaus bedanken. Besonders faszinierend war neben der gezeigten hohen Handwerkskunst auch der Umstand, dass manche Instrumente Jahrhunderte überdauern und es bleibt zu hoffen, dass in ein paar Jahren viele „Submissionsgeigen“ ihren Weg in die verschiedensten Konzerthäuser dieser Welt finden.

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