Laut Waldentwicklungsplan haben in Österreich 1,2 Mio. ha Wald eine primäre Schutzfunktion. Damit sind rund 30 % der insgesamt 4 Mio. ha Waldfläche in Österreich Schutzwald. Fast jede vierte Österreicherin und jeder vierte Österreicher profitiert vom Schutzwald und seinen Leistungen wie etwa dem Schutz vor Lawinen, Steinschlag, Erosion und Hochwasser.
Der Erhalt und die Verbesserung der Schutzfunktion der Wälder ist seit Jahrzehnten eine zentrale Aufgabe der österreichischen Forstpolitik und ein entscheidender Beitrag für die Bewohnbarkeit und Entwicklung der österreichischen Berggebiete. Als „grüne“, kostengünstig und nachhaltig wirkende Schutzinfrastruktur wird hier das breite Wirkungsspektrum des Waldes – wie Objektschutz, Retentionsraum, Standortschutz, Wasserspeicher und Luftfilter – besonders deutlich sichtbar.
Neue Herausforderungen
Der Schutzwald in Österreich ist mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Aufgrund von struktureller Überalterung befinden sich rund 35 % der Schutzwaldflächen in der Terminal- oder Zerfallsphase. Auf rund 300.000 ha Fläche besteht akuter Handlungsbedarf. Erhöhte gesellschaftliche Nutzungsansprüche erfordern ein respektvolles Miteinander und teilweise hohe und beunruhigte Wildtierbestände schädigen den Nachwuchs junger Bäume. Der Klimawandel und damit vermehrt auftretende Extremwettereignisse wie Starkregen, Trockenheit und Stürme belasten den Schutzwald in seiner Funktionalität. Zudem stagniert der Holzpreis seit Jahren, das Wirtschaften und die Pflege im Schutzwald müssen sich für Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer wieder lohnen.
Ziele des „Aktionsprogramm Schutzwald“
Mit dem Aktionsprogramm der Bundesregierung soll Orientierung und Planbarkeit von Maßnahmen zur Erhaltung und dem Ausbau der Schutzfunktionalität der „grünen Infrastruktur Wald“ verbessert werden. Im Konkreten sind folgende Zielsetzungen wichtig:
- Rasche Wiederherstellung sowie Ausbau der Schutzfunktionalität der Wälder in Österreich erreichen
- Verstärktes Bewusstsein für die Leistungen des Waldes zum Schutz des eigenen Eigentums und Lebensraums entwickeln und damit Begünstigte zu Beteiligten machen
- Schutzwälder werden klimafit und resilienter gegen biotische und abiotische Gefahren und deren Folgewirkungen
- Nachhaltige und ausgewogene Raumnutzungsansprüche an den Schutzwald
- Betriebswirtschaftlich attraktive und gesellschaftlich anerkannte Maßnahmen im Schutzwald ermöglichen.
Wald schützt uns
Für den Schutz vor Naturgefahren ist ein gesunder Wald um ein vielfaches günstiger als teure technische Verbauungen. Daher investiert der Bund in den nächsten zehn Jahren 100 Mio. Euro in den Schutzwald und initiiert 1 Mio. Euro für die Forschung zu schutzwaldbezogenen Aspekten.
Das Aktionsprogramm legt dazu eine österreichweit einheitliche Darstellung der potenziellen Schutzwaldflächen in Österreich fest, um eine effiziente Unterstützung der Forstbehörden und Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer zu gewährleisten. Der Schutzwald soll in Kooperation mit regionalen Partnern stärker vor Ort positioniert werden und in größeren Planungseinheiten wie einer Talschaft oder Gemeinde in einer Integralplanung behandelt werden. Dabei spielt auch die Verschränkung von der lebensraumorientierten und wildökologischen Raumplanung eine wichtige Rolle.
Gemeinsam für den Schutzwald
Viele Österreicherinnen und Österreicher sowie internationale Gäste profitieren von der Schutzfunktion des Waldes ohne davon zu wissen. Das Bewusstsein in der Gesellschaft für die Waldleistungen wird mit dem Aktionsprogramm gestärkt. Zu diesem Zweck werden Informationen, Veranstaltungen und Preise bundesweit und regional organisiert.
Das vorliegende Aktionsprogramm ist dabei als Beginn für einen langfristigen Prozess zu verstehen. Es setzt den Startschuss für eine konsequente Verbesserung und Weiterentwicklung der Schutzfunktionalität unserer Wälder. Viele Maßnahmen bedürfen der Konkretisierung und näheren Ausgestaltung – auch weil damit die Interessen der Länder, der Gemeinden aber auch der Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer betroffen sind.
Um den Schutzwald zukunftsfit und attraktiv zu machen, gemeinsam mehr zu erreichen und das Bewusstsein für den Schutzwald zu stärken sind folgende Meilensteine als erste Umsetzungsschwerpunkte im Jahr 2020 geplant:
- Schutzwaldzentrum Traunkirchen am Waldcampus Österreich eingerichtet
- Geoinformationen sollen bundesweit verfügbar und veröffentlicht werden
- Lehrmittel zum Thema Schutzwald in Schulen sollen eingeführt werden
- Medienkampagne wird durchgeführt
- Informationsseiten zum Schutzwald im Internet werden eingerichtet
- Schutzwald-Investitionsprogramm des Bundes wird forciert
- Maßnahmenpläne für das Programm „Ländliche Entwicklung“ (LE 2021-27) werden präsentiert
- Pilotprojekt zur Erfolgskontrolle „regionaler Schutzwaldmaßnahmen“ ist abgeschlossen.
Mehr Informationen, der Download der Publikation und ein kurzes Video finden Sie unter www.schutzwald.at.
Kontakt
Dipl.-Ing. Andreas Pichler
Abt. Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik
Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus



