Gerhard Pichler war 25 Jahre alt, als er den elterlichen Hof übernahm. Schon damals hatte der junge Hofübernehmer klare Vorstellungen, wohin seine betriebliche Reise gehen soll. Denn sein Vater hat ihm die Liebe zur Waldarbeit praktisch in die Wiege gelegt. „Wald war auf unserem Betrieb seit jeher ein wichtiger Schwerpunkt“, erinnert sich Gerhard Pichler, geprüfter Forstfacharbeiter, und er erwirtschaftet heutzutage ganze 75 % des Familieneinkommens mit seinen 132 ha Waldflächen. Gemeinsam mit seinem Sohn Thomas, der ebenfalls die Forstfacharbeiterprüfung absolviert hat, bewirtschaftet er seine Wälder, die in der Fi-Ta-Bu-Waldgesellschaft liegen. Der Wald weist einen leichten Überhang bei der Altersklassenverteilung auf und ist mit 60 % Fichte, 20 % Lärche, 15 % Buche sowie 5 % Tanne und Bergahorn bestockt. Rückendeckung bekommen die beiden von Mutter Erika, Bruder Gerhard und Schwester Daniela.
Gute Pflege ist alles
„Wir sind jeden Tag draußen. Mittags komme ich von der Arbeit heim und am Nachmittag geht’s ab in den Wald. Meistens ist mein Vater auch schon vormittags dort“, erklärt Thomas. Der 26-Jährige arbeitet im Landesklinikum Waidhofen an der Ybbs als Techniker und unterstützt zu Hause seinen Vater bei allem was anfällt: „Wir wissen aufgrund des Waldwirtschaftsplanes ganz genau, wo was zu tun ist. Mittlerweile haben wir das auch schon sehr gut im Gespür. Es ist beim Wald nicht anders als bei der Körperpflege. Es ist wie Nägel schneiden“, lacht Thomas Pichler. So werden Kultur- und Dickungspflege ebenso wie Durchforstungen zeitgerecht, intensiv und bestandsschonend durchgeführt. Es gibt keine Pflegerückstände.
Etwa 200 Erntefestmeter (efm) und somit ein Drittel des Gesamteinschlages von 600 efm kommen aus der Durchforstung. Diese intensive Waldpflege ist nur aufgrund einer ausreichenden Forstaufschließung möglich. Eine neun Kilometer lange – LKW-befahrbare – Forststraße und zwei Kilometer lange Rückewege bedeuten einen Aufschließungsgrad von 68 Laufmetern pro Hektar. Die Holzerntearbeiten werden mit einem 90 PS Traktor und einer acht Tonnen Funkwinde mit Hilfsseilwinde erledigt. Die Maschinenausstattung ist betriebswirtschaftlich absolut sinnvoll.
Naturverjüngung
Die Naturverjüngung wird am Betrieb stark gefördert. Die Steilheit des Geländes, die durchschnittliche Hangneigung beträgt 62 %, führt dazu, dass ein Viertel im Saumschlag, ein Viertel im Schirmschlag und rund die Hälfte mittels Kleinkahlschlag bewirtschaftet werden. Diese Verteilung führt zur Verjüngung von Licht- und Schattbaumarten. Aufgrund großer Kahlflächen (Sturm, Borkenkäfer) müssen aber auch immer wieder Forstpflanzen zugekauft werden. Auf den oft seichtgründigen und nährstoffarmen Standorten wird die Holzernte ganz bewusst mit dem Sortiments- bzw. dem Stammverfahren durchgeführt, um den Hauptanteil der Nährstoffe (Äste, Nadeln, Blätter) im Wald zu belassen. Gleichzeitig wird der Anteil von Lärche, Tanne und Ahorn erhöht. Die Jagd wird von der Familie selbst intensiv ausgeführt.
Zweites Standbein „Wasser“
Doch nicht nur ihre Wälder sind ihr ganzer Stolz. Auch zwei Quellen gehören zum Betrieb, mit denen sie einerseits die Gemeinde Hollenstein mit bestem Trinkwasser versorgen und andererseits Strom erzeugen und an die Gemeinde Wien weiterverkaufen. Ein Standbein, das die Familie vor neun Jahren neu am Betrieb verankern konnte.
Damit allerdings noch lange nicht genug: Auch dem Wild kommt am Betrieb der Familie Pichler ein hoher Stellenwert zu. So wird die Wildbretvermarktung aus der Eigenjagd aktiv betrieben. Ein eigenes Wildgatter soll her, so der Wunsch des Hofübernehmers. „In drei Jahren wollen wir übergeben. Da dürfen sich die Jungen natürlich schon einbringen“ , so Gerhard und unterstützt seinen Sohn bei all seinen Ideen. Aber nicht nur die Hofübergabe wird die Familie künftig noch in Atem halten. Auch der Klimawandel macht sich schon heute bemerkbar und wird die Waldbauern-Familie noch vor so manche Herausforderung stellen.
Klimafit in die Zukunft
Erstreckt sich der Waldbesitz zwar zwischen 500 und 1.300 Metern Seehöhe und der durchschnittliche Niederschlag liegt immer noch bei 1.500 Millimetern pro Jahr, so können doch die ersten Auswirkungen des Klimawandels nicht mehr verleugnet werden, wie Gerhard und Thomas zu berichten wissen: „Wir mussten die ersten Borkenkäferherde in über 1.000 Meter Seehöhe bereits wegräumen. Aber auch die Tanne kämpft mit der Trockenheit. Sie braucht viel Wasser.“ Weiters nutzen sie Buchen, um den Boden gesund zu halten und mit Dünger zu versorgen. „Wir müssen auf den Wald achtgeben und ihn gesund erhalten“. Eine gute Strategie muss her, sind sich die beiden einig. Eine gute Durchmischung des Waldbestandes ist hier der erste Schritt.




