Schäden an Waldböden vermeiden

Artikel aus Ausgabe 4/2018

Unsere Waldböden sind die Grundlage der forstlichen Holzproduktion. Ihre Beanspruchung durch rationale Holzerntemethoden wirkt sich langfristig auf das Wachstumspotenzial der Waldflächen aus. Schäden sind nicht immer sichtbar und nach Möglichkeit schon bei der Arbeitsplanung zu vermeiden.

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Ausgabe: 4/2018
Thema: Wald & Boden
Bundesland: Kärnten
Autor:in: Ing. Dieter Seebacher

Die heutige Forstwirtschaft wird zunehmend Teil eines globalen Business. Die holzverarbeitende Industrie ist gefordert, ihre Produktionspläne termingenau umzusetzten – ohne Leerläufe und ohne überflüssige Lagerkapazitäten. Waldbesitzer möchten hingegen, angepasst an die aktuelle Situation, ihre waldbaulichen Ziele verwirklichen. Jahreszeit, Witterung und Holzpreis beeinflussen die Entscheidungen. Mit der Natur zu planen erfordert aber auch flexibel zu sein. Sturmkatastrophen und andere Kalamitäten zwingen oft zu schnellen Entscheidungen. Um rechtzeitig und wirtschaftlich zu handeln, bedingt es häufig den Einsatz leistungsfähiger Forstmaschinen. In den meisten Fällen setzt sich die Variante mit den niedrigsten Holzerntekosten durch. Schäden am verbleiden Bestand, am Erschließungssystem oder gar am Waldboden werden jedoch bei der Auftragsvergabe viel zu wenig berücksichtigt.

Der Waldboden ist ein äußerst sensibles Gefüge. Wird dieses gestört, verändern sich die Bodeneigenschaft insgesamt. Dabei ist es eine unentschuldbare Rücksichtslosigkeit, wenn die Bodenoberfläche zerstört wird und der Boden erodiert. Der lange Produktionszeitraum in der Forstwirtschaft verschleiert die schwer erkennbaren Bodendeformationen. Durch die Fahrbewegung am Waldboden kann es, je nach Bodentyp und verwendeter Maschine, zu mechanischer Überbelastungen der Bodenstruktur kommen. Wasser- und Sauerstoffhaushalt werden auf Jahrzehnte gestört und schlechterer Ertrag ist die Folge. Das Ökosystem Wald wird langfristig geschädigt und auch die im Wald immer stärker präsent werdende Bevölkerung wird misstrauisch. Proteste und mediale Berichterstattung machen auf vermeintliche Fehlentwicklungen aufmerksam.

Bodenschonung durch Planung und Organisation

Für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung ist die Schonung von Bestand, Luft, Wasser und auch des Bodens unumgänglich. Der Waldboden ist die existenzielle Grundlage der Nutz-, Schutz- und Wohlfahrtswirkung des Waldes. Er wird in der Praxis meist mit zu wenig Wertschätzung bedacht. Feinste, poröse Tonmineralien speichern Wasser, Nährstoffe und Luft. Bei wüchsigen Böden kann der Luftanteil bis zu 60 % betragen. Je besser der Bodentyp, desto poröser ist sein Aufbau. Wird die innere Struktur durch das Befahren mit schweren Maschinen geschädigt, verschlechtern sich die Bodeneigenschaften merklich. Durch die Bodenverdichtung wird der Gashaushalt verändert, der Anteil von Kohlendioxid steigt bei gleichzeitiger Abnahme des Sauerstoffanteils und das Porenvolumen verkleinert sich. Die Folge ist eine verminderte Bodenaktivität und eine damit verbundene, schlechtere Wuchsleistung des Waldes. Verdichtete Böden können von den Wurzelsystemen der Bäume und Pflanzen nicht mehr vollständig erschlossen werden und auch die Bodenvegetation ändert sich umgehend. Tiefgründige Böden können durch das Befahren jahrzehntelang beeinträchtigt werden. Wird der Boden durch die Fahrbelastung verformt und regeneriert er sich nicht von selbst, dann ist die Schädigung offensichtlich.

Organisatorische Maßnahmen

Grundlage für eine schonende Holzernte bildet die Feinerschließung. Schon ein einmaliges Befahren kann den Waldboden schädigen. Die Anlage von Rückewegen und -gassen schont etwa 80 % der Gesamtwaldfläche, vorausgesetzt die Maschinisten bleiben ausschließlich auf diesen vorgesehenen Fahrlinien. Um der Nachhaltigkeit schon bei der Planung zu entsprechen, sollte das Feinerschließungssystem für fahrende Maschinen permanent und immer auffindbar, angelegt werden.
Sensible Böden sollten nur bei trockener Witterung oder Frost befahren werden. Reisigmatten schonen die Fahrgassen zusätzlich. In Hanglagen sollten Rückegassen in der Falllinie angelegt werden. Neben einer besseren Gewichtsverteilung der Last wird auch die Traktion der Antriebsräder verbessert. Steile Standorte oder Sonderstandorte können mit moderner Seiltechnik äußerst schonend bearbeitet werden.

Ein besonderer Stellenwert kommt vor allem aber den handelnden Personen zu. Je besser ausgebildet und erfahrener die Einsatzleiter und Maschinisten sind, umso pfleglicher ist in der Regel die Holzernte. Leistungsdruck und das Ausreizen der Maschinenkraft führen erfahrungsgemäß zu Ernteschäden, die hinterher niemand verantworten will.

Technische Maßnahmen

Kurzfristige wirtschaftliche Erfolge werden am einfachsten durch den Einsatz leistungsfähiger Maschinen erzielt. Wird zu viel Augenmerk auf die mögliche Arbeitsleistung gelegt, kann es aber für den Waldboden zu katastrophalen Auswirkungen kommen. Der langfristige wirtschaftliche Schaden wird erst bei der Erfolgskontrolle bzw. in den folgenden Jahrzehnten sichtbar. Zur Gewissensberuhigung wird dieser oft als „Altlast“ hingenommen und somit ignoriert. Der Begriff „technische Befahrbarkeit“ bezieht sich auf die Eigenschaft einer Maschine, eine Fahrstrecke zurücklegen zu können. Welche Folgen das Befahren mit sich bringt, wird dabei nicht berücksichtigt. Für die Holzernte wurde der Begriff „forsttechnische Befahrbarkeit“ geprägt. Hier wird die erforderliche Mobilität im Wald mit deren direkten Auswirkungen in Zusammenhang gebracht. Bodenabtrag, Rillenerosion und die gesellschaftliche Forderung nach Waldästhetik werden dabei sehr wohl beachtet.

Leichte Maschinen sinken weniger ein, große Maschinen verfügen über eine größere Reichweite und benötigen eine geringere Anzahl von Rückegassen. Eine optimale Gewichts- und Antriebsverteilung, niedriger Reifendruck, eine möglichst große Kontaktfläche zwischen Reifen und Boden, pflegliche Reifenprofile, Lastschaltgetriebe und Traktionswinden helfen dabei, den Boden zu schonen.

Die arbeitstechnischen Entscheidungen sollten stets mit dem Ziel getroffen werden, die Tragfähigkeit des Bodens zu erhalten und den Boden möglichst wenig zu verdichten oder zu verformen. Tonnenschwere Maschinen verursachen naturgemäß Spuren am Boden und am Bestand. Neben einer technischen Sanierung, wie Glattziehen der Fahrfläche und Wasserableitungen, sind biologische Lockerungen, Kalkungen und selbstverständlich die Einhaltung von Ruhepausen für den Boden sehr wichtig.

Nachhaltige Ertragskraft

Bodenschutz ist nicht kostenlos, Bodenschäden sind aber langfristig sehr teuer! Es wird daher mit den zunehmend schwereren Maschinen immer wichtiger, Qualitätsstandards für die Holzernte festzulegen. Die Erhaltung bzw. Wiederherstellung der forsttechnischen Befahrbarkeit hat dabei ökologisch verträglich zu erfolgen. Flächiges Befahren ist auch auf Windwurfflächen zu unterlassen, da bereits eine einmalige Belastung Schäden an der Bodenstruktur hervorruft. Beeinträchtigungen des Bodens und des verbleibenden Bestandes sind nur insoweit zulässig, als sie unvermeidbar und behebbar sind. Zudem verpflichtet auch das Forstgesetz jeden Waldeigentümer dazu, die Produktionskraft des Waldbodens zu erhalten. Die richtigen organisatorischen Maßnahmen wären dazu meist schon sehr wirkungsvoll. Leider führen wirtschaftliche Überlegungen in der Regel zu ökologisch ungünstigeren Entscheidungen. Bodenschutz ist somit immer eine Zerreißprobe zwischen Ökologie, Ökonomie und vorhandener Technik. Fruchtbare Böden bilden aber die Lebensgrundlage für die gesamte Bevölkerung. Geschulte und erfahrene Fachleute, zu denen auch Waldbesitzer zählen sollten, sind mit geeigneter Technik dazu in der Lage, jede Nutzung schonend durchzuführen. Waldbesitzer, die die Arbeiten nicht selbst ausführen, sollten zumindest die Arbeitsausführung laufend kontrollieren. Bei der Verursachung vermeidbarer Schäden muss es Konsequenzen geben, denn gelebte Nachhaltigkeit ist ein Gebot der Stunde.

Das Befahren verschlechtert die die Bodeneigenschaften für sehr lange Zeit.

Astmaterial und eingekürzte Wipfelstücke verhindern gröbere Bodenschäden.

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