Neue Saatgutplantage für kalabrische Weißtanne

Artikel aus Ausgabe 1/2023

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Ausgabe: 1/2023
Thema: Waldbau
Bundesland: Oberösterreich
Autor:in: DI Christoph Jasser

Die Geschichte des Anbaus kalabrischer Herkünfte in Mittel- und Nordeuropa begann in den 40iger Jahren des letzten Jahrhunderts. Dänische Forstwissenschaftler legten außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets der Weißtanne einen Herkunftsversuch mit Herkünften aus ganz Europa in ihrem Heimatland an. In den 70iger Jahren wurde bereits ersichtlich, dass die südeuropäischen Herkünfte (Südkarpaten, Bosnien und Kalabrien) nicht nur eine deutlich höhere Vitalität sondern auch ein stärkeres Wachstum aufwiesen. Einige Jahre später ragte vor allem die kalabrische Herkunft sehr klar in den Versuchen hervor. Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse durch Prof. Bo Larsen erkannte Dr. Felix Benz die Möglichkeiten dieser Herkunft und empfahl ihre Beimischung zur üblichen Weißtanne in Oberösterreich. Gleichzeitig ließ er auch Exaktversuche anlegen, die heute eindeutig die Überlegenheit der kalabrischen Herkunft belegen. Der Arbeit von Felix Benz ist es zu verdanken, dass wir heute gesicherte Erkenntnisse darüber haben. In den Versuchen zeigt sich von den zwei verwendeten kalabrischen Herkünften die „C120 Monte Gariglione“ als die leistungsstärkere. Aber nicht nur in Oberösterreich bewährt sich diese Herkunft hervorragend. Die gute Wüchsigkeit der kalabrischen Tanne bestätigt sich auch in einem toskanischen Versuch und an einem der Universität für Bodenkultur in Wien. Hier wurden verschiedenen südeuropäischen Tannenarten und Weißtannen-Herkünften verglichen: Der stärkste Baum im Versuch kommt aus Kalabrien.

Leider ist die Saatgutversorgung aus Italien im Laufe der Jahre immer schwieriger geworden. Derzeit wird das Saatgut vor allem aus einer Plantage in Dänemark bezogen. Aus epigenetischen Gründen ist dies jedoch nicht optimal. Da auch die Nachfrage nach der kalabrischen Tanne ständig steigt, wurde daher von den Bäuerlichen Forstpflanzenzüchtern und dem Landesforstdienst beschlossen, eine Saatgutplantage zu errichten. Die Auswahl der Klone und die Aufpfropfung auf Unterlagen erfolgt durch das Bundesforschungszentrum für Wald unter der Leitung von Dr. Silvio Schüler. Unterstützt werden die Arbeiten auch durch das Bayrische Amt für Waldgenetik. Insgesamt ist die Anlage der Plantage mit 80 Klonen geplant. Etwa die Hälfte davon soll direkt aus Kalabrien kommen, die anderen aus österreichischen und auch bayrischen Versuchsflächen. Die große Anzahl verschiedener Klone sorgt für eine hohe genetische Vielfalt und ermöglicht in ferner Zukunft auch die Weiterzüchtung.

Natürlich braucht es von den ersten Überlegungen bis zur Ernte einige Zeit. Im heurigen Winter werden die Reiser geschnitten. Mit der Auspflanzung der gepfropften Pflanzen ist in drei bis vier Jahren zu rechnen. Nach rund zehn Jahren können die ersten kleinen Saatgutmengen erwartet werden. Die Plantage, im Eigentum der Bäuerlichen Forstpflanzenzüchter, wird auch von diesen betreut und beerntet. Die Finanzierung erfolgt aus Mitteln der Ländlichen Entwicklung. Bis zu den ersten Ernten sind die Bemühungen groß auch wieder einen besseren Zugang zu Saatgutlieferungen aus Bestandesbeerntungen in Kalabrien herzustellen.

Verbreitungsgebiet der Weißtanne.

Der Herkunftsversuch mit der kalabrischen Tanne wird heute als Dauerversuchsfläche vom Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) betreut.

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