Fichtenborkenkäfer rechtzeitig bekämpfen!

Artikel aus Ausgabe 3/2023

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Ausgabe: 3/2023
Thema: Forstschutz, Wald & Wirtschaft
Bundesland: Oberösterreich
Autor:in: DI Christian Lamberg

Das oberste Prinzip zur Eindämmung der Fichtenborkenkäfer ist die rechtzeitige Erkennung von befallenen Bäumen. Das Absuchen der Bestände nach befallenen Fichten ist unverzichtbar! Vorrangig sollte die Suche in an vorjährige Befallsherde angrenzenden Beständen erfolgen. Die Borkenkäfersuche muss in den Schwärmzeiten bis in den Herbst mindestens einmal wöchentlich durchgeführt werden.
 
Die Merkmale der frühen Befallsphase sind:
• kreisrunde Einbohrlöcher in der Rinde
• braunes Bohrmehl auf Rindenschuppen, Stammfuß oder auf Bodenpflanzen
• frischer Harzfluss bei den Einbohrlöchern oder auch am Stamm.
 
Wichtig ist, dass die Kontrolle nicht unmittelbar nach Regen oder stärkerem Wind erfolgt, da das Bohrmehl weggeweht oder weggespült sein kann. Der Einsatz eines Fernglases ist hilfreich, da der erste Befall am Stamm im Bereich des Kronenansatzes erfolgt.
 
Eine wirkungsvolle Borkenkäferbekämpfung kann nur dann erfolgen, wenn die überwinterten Käfer nach der erfolgten Brutanlage unschädlich gemacht werden, ehe sich die angelegten Bruten fertig entwickeln können. Befallene Bäume sind zu fällen und so zu behandeln, dass eine weitere Entwicklung und Verbreitung unmöglich ist.
Eine Maßnahme zur rechtzeitigen und effektiven Bekämpfung von Borkenkäferbefall ist die fristgerechte Abfuhr des befallenen oder fängischen Holzes auf Lagerplätze von Sägewerken, wo eine rasche Entrindung erfolgt bzw. die Beregnung einen weiteren Befall verhindert.
 
Eine Lagerung von befallenem oder auch unbefallenem, aber fängischem Holz im Wald oder in Waldnähe ist verboten. Aber auch bruttaugliche Resthölzer und Wipfelstücke dürfen nicht unbehandelt im Wald oder Waldnähe belassen werden. Das betrifft auch die Lagerung von Holz für Hackgut. Ist dies nicht möglich, so haben die Waldbewirtschafter:innen entsprechend den Bestimmungen des Forstgesetzes durch eine bekämpfungstechnische Maßnahme wie Entrinden, chemische Bekämpfung, Hacken und Zerkleinern etc. Sorge zu tragen, dass es zu keinem Ausflug der entwickelten Käfer und keinem weiteren Befall kommt. Konsequente Waldhygiene-Maßnahmen sind das einzig geeignete Mittel, um eine mögliche Borkenkäfermassenvermehrung zu verhindern.
 
Während sich in den Jahren 2018 und 2019 auf Grund der überdurchschnittlichen Temperaturen und fehlenden Niederschläge in den Hauptschadensgebieten im Mühlviertel und im Alpenvorland überwiegend drei Borkenkäfergenerationen mit Geschwisterbruten entwickeln konnten, wurden in den Jahren 2020 und 2021 witterungsbedingt überwiegend nur zwei fertig entwickelte Borkenkäfergenerationen ausgebildet. 2022, das zweitwärmste Jahr der Messgeschichte mit hohen Regen- und Schneedefiziten, begünstigte in weiten Teilen Oberösterreichs die Anlage von drei Generationen. Der schon im Jahr 2021 gegenüber den Vorjahren geringere Schadholzanfall und die im Frühjahr 2022 überaus starke Holznachfrage haben dazu geführt, dass die Schadholzlager der Vorjahre und das Schadholz im Wald überwiegend noch vor dem ersten Ausfliegen der Borkenkäfer abgebaut und aus dem Wald entfernt werden konnte. Mit 373.000 fm im Jahr 2022 ist gegenüber 2021 trotz hoher Fangzahlen ein geringer Rückgang des Borkenkäfer-Schadholzes zu verzeichnen. Von den im Jahr 2022 durch Fichtenborkenkäfer verursachten Schadholzmengen sind neben den Hauptschadensgebieten der vergangenen Jahre im Mühlviertel und Alpenvorland etwa 50 % in den Gebirgsbezirken, nämlich in Vöcklabruck, Gmunden, Kirchdorf und Steyr-Land angefallen. Auch im Jahr 2023 sind die Fangzahlen des Borkenkäfer-Monitorings des Landesforstdienstes hoch. Deshalb ergeht der dringende Appell an die Waldeigentümer:innen, laufend die Bestände auf Käferbefall zu kontrollieren, wenn befallene Bäume vorhanden diese so rasch als möglich zu entfernen und die befallen Stämme außerhalb des Waldes zu bringen!

Entwicklung Borkenkäferschadholz in den letzten zehn Jahren.

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