Die forstliche Bildungslandschaft ist vielfältig

Artikel aus Ausgabe 4/2023

Die forstliche Ausbildung in Österreich reicht vom Lehrberuf bis hin zur akademischen Ausbildung an der Universität für Bodenkultur. Für den bäuerlichen Bereich gibt es unterschiedliche Ausbildungsschienen und die Nachfrage nach forstlichen Mitarbeitern ist sehr gut.

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Ausgabe: 4/2023
Thema: Wald & Ausbildung, Wald & Schule
Bundesland: Österreich
Autor:in: DI Alexander Zobl

Etabliert hat sich mittlerweile der Lehrberuf des Forsttechnikers. Der Forsttechniker ist ein gewerblicher Lehrberuf. Schwerpunktmäßig werden Kenntnisse zu den verschiedensten Maschinen und Geräten vermittelt, die im Zusammenhang mit der Holzernte und einer sorgfältigen Waldbewirtschaftung stehen. Forsttechniker sind insbesondere bei Forstunternehmen gefragt. Dieser sehr junge Lehrberuf mit derzeit 20 Abgängern pro Jahr erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

Forstarbeiter

Waldarbeit ist eine sehr gefährliche Arbeit und verlangt Profis. Ein wesentlicher Schwerpunkt der Ausbildung liegt daher in der Arbeitssicherheit und Unfallverhütung. Als Forstfacharbeiter erlangen sie Grundkenntnisse zur selbstständigen Führung eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes. Durch das Erkennen von Verbesserungsmöglichkeiten am eigenen Betrieb können Maßnahmen getroffen werden, um die Wirtschaftlichkeit zu steigern. Neben dem eigenen Betrieb bieten sich insbesondere Berufschancen als Dienstnehmer bei Forstbetrieben, Forstunternehmen oder anderen Forstdienstleistern an.

Meisterausbildung

Die Meisterausbildung ist die höchste Stufe in der land- und forstwirtschaftlichen Berufsausbildung. Die unternehmerische Kompetenz soll gestärkt werden, indem sich die Teilnehmer insbesondere bei der Meisterarbeit intensiv mit dem eigenen Betrieb und dessen Potenziale beschäftigen. Bessere Beschäftigungsmöglichkeiten und ein höherer Lohn bei unselbständiger Tätigkeit stehen auf der Habenseite. Darüber hinaus berechtigt der Meisterbetrieb auch zur Ausbildung von Lehrlingen.

Forstwart

Die 2-jährige Ausbildung zum Forstwart wird an der Forstfachschule in Traunkirchen angeboten. Ein Forstwart ist laut Forstgesetz berechtigt, Forstbetriebe bis 1.000 Hektar jagdlich und forstlich zu führen. In größeren Betrieben ist er als Forstorgan dem Förster/der Försterin bzw. dem Forstwirt/der Forstwirtin zugeteilt und unterstützt diese in der Umsetzung und Organisation der Waldpflege, der Holzernte und der Holzvermarktung.

Förster

Die „forstliche Matura“ kann in Österreich einzig an der Höheren Bundeslehranstalt für Forstwirtschaft in Bruck an der Mur absolviert werden. Neben der klassischen Allgemeinbildung einer höheren Schule werden an der „Försterschule“ schwerpunktmäßig Ökologie, Technik und Wirtschaft samt Praxis unterrichtet. Der Abschluss berechtigt zum Studium an einer Universität, einer Fachhochschule oder Akademie. Vorerst als Forstadjunkt bezeichnet, haben Absolventen die Möglichkeit, nach einer 2-jährigen Praxiszeit zur Staatsprüfung anzutreten. Danach sind sie als Försterin oder Förster fertig ausgebildet und dürfen diese Berufsbezeichnung führen. Sie dürfen gemäß Forstgesetz Forstbetriebe bis 3.600 Hektar führen bzw. müssen Forstbetriebe bis zu dieser Größe eine Försterin oder einen Förster mit der Führung des Forstbetriebes bestellen. Darüber hinaus ergeben sich für sie klassischerweise Berufschancen insbesondere bei Landwirtschaftskammern, dem Forstdienst, der Wildbach- und Lawinenverbauung und dem Holzeinkauf bzw. Holzhandel.

Forstwirt

An der Universität für Bodenkultur in Wien werden das Bachelorstudium und das Masterstudium der Forstwirtschaft angeboten. Ersteres hat eine Mindestdauer von sechs Semester. Aufbauend auf den Bachelor kann der Master in vier Semester abgeschlossen werden. Der Ausbildung steht das 3-Säulenprinzip voran. Dieses beinhaltet die Technik-/Ingenieurwissenschaften, die Naturwissenschaften und die Wirtschafts-/Sozial-/Rechtswissenschaften und bildet das Fundament eines sehr umfassenden Studiums. Absolventen haben die Möglichkeit, nach zweijähriger Praxiszeit die Staatsprüfung für den höheren Forstdienst abzulegen und danach die Berufsbezeichnung Forstwirt bzw. Forstwirtin zu führen. Forstbetriebe ab 3.600 Hektar müssen gemäß Forstgesetz einen Forstwirt bzw. eine Forstwirtin als leitendes Forstorgan bestellen. Darüber hinaus bestehen vielfältige Berufsmöglichkeiten in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst, die sich auf Grund der Breite der Ausbildung nicht nur auf die klassischen forstlichen Berufsfelder begrenzen.

Ausbildungswege

Folgende Organisationen sind in die Forstliche Berufsausbildung eingebunden:

  • die Lehrlings- und Fachausbildungsstellen der Landwirtschaftskammern
  • die Forstabteilungen der Landwirtschaftskammern
  • die Berufsschule Rotholz
  • Forstliche Ausbildungsstätten (Pichl, Traunkirchen, Ossiach)
  • einzelne land- und forstwirtschaftliche Fachschulen
  • Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer

Forstfacharbeiter
Forstfacharbeiterin

Vier Wege führen zum Facharbeiter Forstwirtschaft in Österreich

  1. Indem nach einer dreijährigen Lehre in einem anerkannten Forstbetrieb und dem Besuch der Berufsschule die Prüfung erfolgreich abgeschlossen wird.
  2. Im zweiten Bildungsweg nach dem Besuch eines Vorbereitungslehrganges im Umfang von 200 Stunden und der entsprechenden Praxis samt positiver Facharbeiter:innen-Prüfung.
  3. Als forstliche Anschlusslehre (verkürzte Lehrzeit) nach der Absolvierung eines abgeschlossenen land- und forstwirtschaftlichen Lehrberufes oder einer land- und forstwirtschaftlichen Fachschule samt positiver Facharbeiter:innen-Prüfung.
  4. Als Absolvent einer land- und forstlischaftlichen Fachschule (kurz LFS) kann das achtwöchige Forstmodul besucht werden und die Prüfung über die Lehrlings- und Fachausbildungsstelle erfolgen. Mit Nachweis einer anschließenden entsprechenden Praxiszeit wird der Facharbeiterbrief frühestens mit 20 Jahren verliehen.

Forstwart​s

Die Forstfachschule in Traunkirchen zeigt sich für die Forstwartausbildung verantwortlich. Die Ausbildung ist 2-jährig, zwischen erstem und zweiten Jahr ist ein 4-wöchiges Pflichtpraktikum vorgeschrieben.

Forstwirtschaftsmeister
Forstwirtschaftsmeisterin

Für die Ausbildung zum Forstwirtschaftsmeister existieren drei Zugangsmöglichkeiten

  1. Nach Vollendung des 20. Lebensjahres, einer mindestens dreijährigen Tätigkeit als FacharbeiterIn und dem erfolgreichen Besuch eines Meister:innen-Vorbereitungslehrganges von mindestens 360 Stunden.
  2. Nach Vollendung des 24. Lebensjahres, einer mindestens dreijährigen Führung eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebes zumindest im Nebenerwerb und dem erfolgreichen Besuch eines Meister:innen-Vorbereitungslehrganges.
  3. Nachsichtsbestimmung: nach Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht mindestens sieben Jahre in dem betreffenden Ausbildungsgebiet praktische Tätigkeit, sowie der erfolgreiche Besuch eines Vorbereitungslehrganges mit mindestens 360 Stunden.

Forsttechniker​

Grundsätzlich beträgt die Lehrzeit 3 Jahre. Ein Besuch der Fachberufsschule im Ausmaß von 2 Monaten pro Jahr ist vorgesehen. Ansprechpartner ist die
Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer.

Forstadjunkt/Förster

Nach Abschluss der Pflichtschule – 4 Jahre AHS, Poly oder NMS mit Zeugnis nach Standard AHS – besteht die Möglichkeit, an der Höheren Bundeslehranstalt in Bruck an der Mur die „forstliche Matura“ zu erreichen. Die klassische Ausbildung ist 5-jährig. Zusätzlich gibt es einen Externistenlehrgang. Darüber hinaus können Absolventen einer land- und forstwirtschaftlichen Fachschule (kurz LFS) in einem 3-jährigen Aufbaulehrgang an der HBLA mit der Matura abschließen. Der Abschluss berechtigt zum Studium an einer Universität, einer Fachhochschule oder Akademie. Vorerst als Forstadjunkt bezeichnet, haben Absolventen die Möglichkeit, nach einer 2-jährigen Praxiszeit zur Staatsprüfung anzutreten. Danach sind sie als Försterin oder Förster fertig ausgebildet.

Forstwirt/Forstwirtin​

Nach Erfüllung der Zugangsvoraussetzung für ein Studium, wie zum Beispiel der Matura, besteht die Möglichkeit, an der Universität für Bodenkultur in Wien Forstwirtschaft zu studieren. Der Abschluss mit dem Bachelor dauert mindestens sechs Semester. Darauf aufbauend kann in vier Semestern das Masterstudium absolviert werden.

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