Der Einsatz von forstlichen Dienstleistern im Bauernwald ist sozusagen auf dem Vormarsch. Dieser Strukturwandel spiegelt sich auch im Tätigkeitsbild und Aufgabenprofil unserer Waldhelfer, welche die regionalen Ansprechpartner für unsere Mitglieder sind, wider. Der Waldhelfer ist in der heutigen Zeit nicht nur ein Profi bei der Holzvermarktung, sondern ein nicht wegzudenkender Einsatzleiter im Forstbereich. Der Waldhelfer weiß genau, welche Maschine für welchen Arbeitseinsatz sinnvoll, für die jeweilige Waldfläche passend und natürlich auch arbeits- aber auch kosteneffizient ist. Der Waldhelfer organisiert, koordiniert und kontrolliert den jeweiligen Arbeitseinsatz und kümmert sich um die gesamte Logistik samt Holzvermarktung.
In dieser Reportage begleiten wir einen engagierten Waldhelfer bei seinem täglichen Job als Einsatzleiter im Bauernwald und geben Einblicke in das Tagesgeschäft eines modernen Waldhelfers. Waldhelfer DI Josef Alois Oberlindober aus dem Bezirk Steyr erlaubt uns diesbezüglich einen Blick über die Schulter.
Josef, welche Rolle spielt der Einsatz von forstlichen Dienstleistern bei Deinem Tagesgeschäft als Waldhelfer?
Oberlindober Aus meiner Sicht wirkt sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft mittlerweile auch auf den Kleinwald aus. In meinem Gebiet werden rund zwei Drittel der produzierten Holzmenge fremd vergeben. Aus Zeit-, aber auch aus Kostengründen werden die notwendigen Arbeiten an forstliche Dienstleister ausgelagert. Motormanuelle Holzernte in Eigenregie ist, zumindest in meiner Region, rückläufig. Noch stärker ist dieser Trend im Energieholzsektor bemerkbar.
Was sind Deiner Meinung nach die Gründe für den steigenden Dienstleistungsanteil bei der Waldarbeit?
Oberlindober Einer der Gründe ist sicherlich, dass das Kostenbewusstsein, nicht zuletzt aufgrund der stetig steigenden Maschinenkosten, generell im Bereich der Land- und Forstwirtschaft steigt. Das ist auch gut so. Man muss die eigene Arbeitszeit auch rechnen und entsprechend bewerten. Berücksichtigt man die Maschinenselbstkosten samt eigener Arbeitszeit und den geringeren Effizienzgrad, kann die motormanuelle Produktion im Vergleich zur vollmechanisierten Holzernte oft nicht mithalten. Als Beispiel: Ein moderner Forwarder hat in der gleichen Zeit zirka die dreifache Festmeterleistung im Vergleich zu den üblichen bäuerlichen Krananhängern.
Zeitmangel ist sicherlich ein weiterer Grund für diese Entwicklung. Die Waldbesitzer in meiner Region sind entweder im Nebenerwerb tätig und gehen einem anderen „Brotberuf“ nach oder sie sind im intensiven Vollerwerb, mit anderen Schwerpunkten und Prioritäten. Beide Varianten bedeuten zumeist, dass Zeit ein kostbares Gut ist.
Als weiteren Aspekt bemerke ich, dass die klassischen Holzerntezeitpunkte im Bauernwald obsolet geworden sind. Aufgrund der Klimaveränderung gepaart mit etwaigen Pflegerückständen gibt es vermehrt Schadholzeinsätze im Sommer. Allein im vergangenen Jahr habe ich im Zeitraum von Juni bis Ende September drei „Harvesterrunden“ nur mit Käferholz organisiert. Waldhelfer sein ist somit ein Ganzjahresjob geworden.
Josef, kannst Du uns einen typischen Ernteeinsatz von Anfang bis zum Ende schildern?
Oberlindober Zum Erstkontakt gehört bei mir immer eine Besichtigung der Fläche vor Ort. Dabei werden neben einer forstfachlichen Beratung oder Auszeige auch forstrechtliche Themen im Zusammenhang mit dem geplanten Einsatz erörtert. Auf Wunsch kann ich auch eine etwaige Abstimmung mit der Behörde übernehmen. Als nächster wichtiger Schritt erfolgt die Auswahl des passenden Dienstleistungsunternehmens. Dies hängt stark von der eingesetzten Forsttechnik und dem richtigen Arbeitsverfahren ab. Aktuell arbeite ich mit zwölf verschiedenen forstlichen Dienstleistern zusammen und kann somit für die jeweilige Nutzung die optimal passenden Maschinen auswählen. Wichtig dabei ist mir die Qualität der geleisteten Arbeit. Die Qualität muss von Beginn bis zum Ende des Einsatzes gewährleistet sein. Übrigens endet ein Arbeitseinsatz bei mir nicht mit der Holzabfuhr, sondern erst dann, wenn die „Baustelle“ sauber hinterlassen ist. Dies wird von mir auch genau kontrolliert. Ein gelungener Arbeitseinsatz ist immer das Ergebnis von gutem Teamwork. Dabei spielt die Qualität der eingesetzten Dienstleistungsunternehmen eine wichtige Rolle. Ein wertschätzender Umgang miteinander ist mir wichtig und dieser sorgt für einen reibungslosen Ablauf und oft auch für die nötige Flexibilität in der Einsatzgestaltung. Der gesamte Einsatz wird von mir organisiert, kontrolliert und disponiert. Auf Wunsch organisiere ich dann auch die Flächenvorbereitung (Forstfräse oder Mulchen) sowie eine entsprechende Aufforstung mit standortgeeigneten Forstpflanzen. Auch bei der Pflege der heranwachsenden Kulturen kann ich gerne unterstützen. Waldwirtschaft ist ein ewiger Kreislauf und dieser endet nicht bei der Holzernte. Somit haben wir als Waldhelfer auch in Zukunft alle Hände voll zu tun (schmunzelt).
Josef, wie lautet Dein persönliches Resümee?
Oberlindober Als Waldhelfer verstehe ich mich als erste Ansprechperson und Einsatzleiter für unsere Mitglieder, man könnte sagen, wir Waldhelfer sind „Diener vieler Herren“. Der Einsatz von geeigneten forstlichen Dienstleistungsunternehmen ist nicht nur zeitgemäß und arbeitserleichternd sondern bei sinnvoller Auswahl auch ein wirtschaftlicher Vorteil für unsere Waldbesitzer:innen.
Lieber Josef, vielen Dank für das Gespräch!
Steckbrief
DI Josef Alois Oberlindober – Waldhelfer in den Gemeinden Steyr, Wolfern und Dietach. Er bewirtschaftet gemeinsam mit der Familie seiner Lebenspartnerin einen landwirtschaftlichen Betrieb mit rund 50 Hektar landwirtschaftlicher Fläche (Schwerpunkt Ackerbau und Schweinemast) und 5 Hektar Wald.
- Absolvent der HLBLA St. Florian, Bachelor- und Masterstudium der Forstwirtschaft an der Universität für Bodenkultur.
- Seit 2024 Lehrer für Forstwirtschaft an der HLBLA St. Florian
- Seit 2025 eigenes Ingenieurbüro für Forstwirtschaft.
Die Qualität der geleisteten Arbeit ist nicht verhandelbar!
Der moderne Waldhelfer ist Einsatzleiter und Vermarktungsprofi zugleich!
Ein Arbeitseinsatz endet bei mir nicht mit der Holzabfuhr, sondern erst dann, wenn die „Baustelle“ sauber hinterlassen ist.





