Der Wald braucht Bewirtschaftung!

Artikel aus Ausgabe 4/2023

Über 140 Waldbesitzer:innen und Waldbewirtschafter:innen besuchten Kollegen in der Region des Nationalparks Gesäuse bei der diesjährigen Forstexkursion des Waldverbandes und der LK Salzburg. Im Fokus stand die Umsetzung von naturnahem Waldbau mit Blick auf die klimatischen Herausforderungen, auf welche wir zusteuern.

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Ausgabe: 4/2023
Thema: Wald & Gesellschaft
Bundesland: Salzburg
Autor:in: FD DI Franz Lanschützer

Die Forstexkursion 2023 führte die 140 teilnehmenden Salzburger Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in die Nähe von Admont in zwei Familien-Forstbetriebe, die in vieler Hinsicht unterschiedlicher kaum sein könnten. Während der Forchnerhof der Familie Wölger bereits im Jahr 1250 urkundlich erwähnt wurde, beginnt die Geschichte des Waldbesitzers Göschl vor nicht einmal 40 Jahren. Neben 120 Hektar Wald gehören zum Forchnerhof, der interessanterweise in den letzten Generationen immer über die Töchter weitervererbt wurde, 60 ha Landwirtschaft sowie eine Alm in Eigenjagdgröße. Während das Zentrum des Forchnerhofes von einem historisch beeindruckenden Bauernhaus und den dazugehörigen Stallungen und Wirtschaftsgebäuden geprägt wird, gibt es bei der Familie Göschl keine wirkliche größere sog. Betriebstätte. Dies deshalb, weil Rainer Göschl, zum Techniker ausgebildet und in einem Industriebetrieb beschäftigt, erst animiert durch seinen Schwiegervater, der Förster war, vor 37 Jahren begonnen hat, Wald zu kaufen in unterschiedlichen Gebieten und Lagen.

Intensive Bewirtschaftung

Rainer Göschl hat vom ersten Tag an seinen Wald intensivst bewirtschaftet und die Erträge aus dem Holzverkauf immer wieder in neue Waldkäufe investiert. So ist ein Besitz mit 145 ha Wald entstanden, den mittlerweile sein Sohn Wolfgang Göschl, der hauptberuflich bei der Wildbach und Lawinenverbauung als Förster engagiert ist, bewirtschaftet. Große Altholzüberhänge sucht man bei den Göschls vergebens. Jeder Waldbestand wird frühzeitig aufgelockert, verjüngt und bestmöglich genutzt. In die Jungwuchspflege investiert Senior Göschl jährlich drei Stunden pro Hektar Gesamtbesitzfläche. Bei jedem Waldgang ist eine kleine Säge sowie eine Baumschere mit dabei, um in den naturverjüngten Jungwuchsflächen frühzeitig für jeden Baum ausreichend Platz zu schaffen.

„Bäume leben von Lichtgenuss und nicht von Schatten“

Das ist die Devise und Göschl junior sagt auch ganz klar, dass nicht der Waldbesitzer den Wald treiben kann, sondern vielmehr treibt der Wald den Besitzer. Wertvoller Stärkenzuwachs entsteht nur dort, wo Bäume ausreichend Platz haben, und diesen erhalten sie durch starke Eingriffe. Einen besonderen Zugang hat Wolfgang Göschl zur Jagd, indem diese nicht eine Freizeitbeschäftigung mit Naturgenuss ist, sondern die Jagd ist dazu da, bei guter Gelegenheit so viel Beute wie möglich zu machen, um damit dem Wald zu helfen.

Altholz abbauen

Am Forchnerhof wird zwar ebenfalls die Jagd zum Schutz des Waldes intensiv betrieben, der Wald selbst ist aber von einem großen Altholzüberhang geprägt, der in den letzten Jahren durch Stürme und Borkenkäfer sehr stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Insofern ist es hier das Ziel, diese Altholzüberhänge ab- und umzubauen in zukunftsfähige Mischbestände mit wesentlichen Anteilen an Tanne und Buche. Selbst Eiche wird hier auf 700 m Seehöhe im Ennstal eingebracht, weil es durchaus möglich ist, dass nach den Prognosen der Klimaveränderung irgendwann Standortverhältnisse herrschen, die mit den derzeitigen Verhältnissen in der Südsteiermark vergleichbar sind. Gemeinsam ist beiden Betrieben, dass sie mit sehr viel Wissen, Erfahrung und Begeisterung ihren Wald bewirtschaften.

Die alljährliche Forstexkursion erfreut sich großer Nachfrage und ist unter Waldbewirtschaftern und Waldbesitzern sehr beliebt.

Besuch im Nationalpark Gesäuse

Um einen ganz gegensätzlichen Punkt zu schaffen, wurde die Forstexkursion 2023 mit dem Nationalpark Gesäuse abgerundet. Vor 20 Jahren hat das Land Steiermark entschieden, von den im Eigentum des Landes stehenden Steiermärkischen Landesforsten einen Teil als Nationalpark auszuweisen. Vom Gesamtausmaß der Landesforste in der Größe von ca. 25.000 ha wurden ca. 12.000 ha davon als Nationalpark ausgewiesen. An die 75 % dieses Nationalparks werden zur Gänze sich selbst überlassen. Auf den übrigen 25 % der Fläche gibt es forstliche Maßnahmen, die dazu dienen, vor allem fichtenreiche Bestände in einen Naturwald umzubauen. Ebenso gesetzt werden in der Regulierungszone jagdliche Maßnahmen, denn auch ein Nationalpark braucht ein angepasstes Wildmanagement.

Die Fachveranstaltung zeichnet sich auch dadurch aus, dass sowohl Waldhelfer als auch die Sägeindustrie mit dabei sind. Wo immer es geht setzen engagierte Waldbesitzer auf Naturverjügung, hier vor allem auf die Tanne die Trockenheit sehr gut verträgt.

Attraktives Urlaubsziel

Verwaltet wird das Areal von der Nationalpark Gesäuse Ges.m.b.H. deren Geschäftsführer DI Herbert Wölger ist. Ziel des Nationalparks ist die freie Entwicklung der Natur. Um den Nationalpark erlebbar zu machen, gibt es zwei Besucherzentren, Themenwege, Wanderrouten, Klettersteige und Ranger:innen, die gebucht werden können für Führungen durch den Nationalpark. Mit dem Bau der Eisenbahn vor mehr als 100 Jahren wurde die Bergwelt rund um Admont zu einem alpinistischen Zentrum, das später sehr stark an Bedeutung verloren hat. Mit dem Nationalpark hat sich für die gesamte Region ein touristischer Aufschwung eingestellt. Wilde Wasser und hohe Felsen sind ein attraktives Urlaubsziel. Indem das Land Steiermark abgesehen von ca. 20 ha, die einem privaten Grundeigentümer gehören, der Alleineigentümer des Nationalpark Gesäuse ist, gibt es wenige Interessenskonflikte. Hinterfragt haben die Salzburger Waldbesitzer aber schon, warum die traditionellen Landnutzungsformen wie Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei zur Gänze eingeschränkt werden, hingegen Besucher alle Freiheiten und Rechte besitzen. Es stellt sich schon die Frage, ob es nicht ein Bildungsauftrag eines Nationalparks wäre, den Menschen zu erklären, dass Natur auch durch die Freizeitnutzung nicht grenzenlos belastbar ist und es auch Gebiete geben sollte, die auch für Besucher tabu sind. Auch in diesem Jahr war die Stimmung unter den Teilnehmern hervorragend und die Auswahl der Exkursionspunkte treffend.

„Die Erfolgsgeschichte der Forstexkursionen hat sich mit der diesjährigen erwartungsgemäß fortgesetzt. Daher auch auf diesem Wege nochmals unser aufrichtiger Dank für die hervorragende Organisation und Durchführung an Euch und das gesamte Team. Die Betriebe, die jeweiligen Themen und Ausführungen der zuständigen Verantwortlichen waren interessant und durchaus lehrreich. Man kann wirklich nicht alt genug werden um nicht immer wieder neue Aspekte, Zugänge und Erkenntnisse zu gewinnen“, so Hermann Lackner einer der diesjährigen Teilnehmer abschließend.

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