Der Kleinwald unterscheidet sich durch seine besondere Bewirtschaftungsform von den größeren Forstbetrieben. Bewirtschaftung in Eigenregie mit Familienarbeitskräften, die Funktion der Selbstversorgung oder als „grüne Sparkasse“ und kleinflächigere Nutzungseingriffe kennzeichnen das Einschlagverhalten im österreichischen Kleinwald. Neben dem Wald bewirtschaften viele Kleinwaldbesitzerinnen und -besitzer auch landwirtschaftliche Flächen. Andererseits sind Durchforstungsrückstände, ungenutzte Holzreserven und „hofferne“ Waldbesitzer (Personen ohne Bezug zu ihrem Wald) zu gängigen Schlagworten geworden. Doch in den letzten Jahren ist das Interesse der Besitzer am Wald gestiegen und damit auch die Motivation, das Potenzial im Kleinwald vermehrt zu nutzen. Die Zahlen der aktuellen Waldinventur sprechen für sich: Der Kleinwald verfügt über 61 % des Holzvorrates, leistet 64 % des Zuwachses und trägt mit 62 % wesentlich zur Holzernte in Österreich bei.(siehe Tabelle 1).
Unterschiede zwischen den Bundesländern
Die Waldfläche, der Anteil und der Holzvorrat des Kleinwalds sind in den Bundesländern sehr unterschiedlich. In Kärnten und Vorarlberg sind über 70 % des Waldes in Kleinwaldbesitz, in Salzburg ist der Anteil mit um die 45 % deutlich geringer. Dazwischen liegen Nieder- und Oberösterreich mit 50 % und das Burgenland mit 60 % Kleinwaldanteil. Der mittlere Holzvorrat im Kleinwald beträgt je nach Bundesland rund 300 – 400 vfm/ha. Im Kleinwald liegt der Holzvorrat in den meisten Bundesländern deutlich über dem landesweiten Durchschnitt. Die durchschnittliche Holznutzung der vergangenen zehn Jahre beträgt jährlich zwischen 6,8 und 9,5 vfm/ha und liegt mit Ausnahme von Tirol unter dem Zuwachs von 7,3 bis 10,7 vfm/ha. (siehe Tabelle 2).
Waldflächenzunahme und Vorratsaufbau
Seit der ersten Waldinventur in den 1960er Jahren haben die Waldfläche und der Holzvorrat in Österreich deutlich zugenommen. Die Waldfläche hat inzwischen die Marke von vier Millionen Hektar überschritten. Ein Großteil dieser neu bewaldeten Flächen befindet sich in Kleinwaldbesitz. Auf den früher landwirtschaftlich genutzten Flächen stehen heute Bestände im zuwachsstarken Alter und sorgen für einen beachtlichen Anstieg des Holzvorrates. Ebenfalls zum Vorratsaufbau beigetragen hat die über lange Zeit geringe Holznutzung im Kleinwald (siehe
Abb. 1).
Intensivierung des Holzeinschlages
Inzwischen hat der Holzeinschlag im Kleinwald deutlich angezogen. Durch den gestiegenen Organisationsgrad in Waldwirtschaftsgemeinschaften, nachbarschaftliche Zusammenarbeit oder Vergabe der Holzernte an Dritte konnten Zeit- und Arbeitskräftemangel verringert werden. In den vergangenen zehn Jahren wurden jährlich durchschnittlich 16,2 Millionen vfm genutzt. Im Vergleichszeitraum davor waren es noch 14,3 Millionen vfm und noch früher lag die Holznutzung lediglich bei 9,0 Millionen vfm im Jahr. Damit nutzen die österreichischen Kleinwaldbesitzerinnen und –besitzer heute bereits 85 % des geleisteten Holzzuwachses von 19,0 Millionen vfm. Dieses Verhältnis von Zuwachs zu Nutzung wird auch als Nutzungsprozent bezeichnet und dient als Nachhaltigkeitsweiser. Insgesamt liegt der Holzeinschlag im Kleinwald aber noch deutlich unter dem Zuwachs.
Ungenutzte Potenziale
Die gesteigerte Holznutzung im Kleinwald ist als sehr positiv zu vermerken, denn nur bewirtschaftete, gepflegte und stabile Wälder können den zukünftigen Anforderungen gerecht werden und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Gemessen am Nutzungsprozent und aufgrund des jahrzehntelangen Vorratsaufbaues könnten noch weitere Potenziale genutzt werden. In den meisten Bundesländern liegt das Nutzungsprozent noch deutlich unter dem Zuwachs. Im Vergleich dazu wurde in den größeren Forstbetrieben in etwa dieselbe Holzmenge genutzt, die zuwächst. Stärkere Holzeinschläge gab es in Tirol und Salzburg. In Kärnten, Oberösterreich und der Steiermark ist das Nutzungsprozent ähnlich bei rund 90 %, während im Burgenland, in Niederösterreich und Vorarlberg unterdurchschnittliche Holzmengen von 70 – 80 % des Zuwachses genutzt wurden (siehe Abb. 2). Für die Holznutzung wäre zu überlegen, welche Vorratsstruktur österreichweit angestrebt werden soll. Auffallend ist: Der Holzvorrat verschiebt sich in Richtung stärkerer Durchmesser, deshalb wird die nachhaltige Versorgung mit bestimmten Durchmesser- und Qualitätsklassen zum Thema werden.
Klimawandel und Waldumbau
Die Borkenkäferschäden machen es deutlich: Die Klimaerwärmung ist im Wald angekommen. Die Ergebnisse der Waldinventur zeigen eine Zunahme der Kalamitätsnutzungen. Die Holzeinschlagsmeldung 2018 weist einen Schadholzanteil von 52 % des Gesamteinschlags aus. Das liegt 46 % über dem Fünf-Jahresdurchschnitt und 76 % über dem Zehn-Jahresdurchschnitt. Kleinwaldbesitzer sind in den betroffenen Gebieten vor große Schwierigkeiten gestellt und erleiden teilweise massive finanzielle Einbußen. Überdurchschnittlich stark betroffen sind Kärnten, Nieder- und Oberösterreich und Vorarlberg. Die zukünftige Waldbewirtschaftung wird im Zeichen der Klimaerwärmung stehen. Der Umbau zu angepassten Beständen aus geeigneten Baumarten mit akzeptabler Ertragsleistung wird zusehends wichtiger. Österreichs Kleinwaldbesitzerinnen und –besitzer sind für die Anpassung unserer Wälder an die zukünftigen Klimabedingungen von entscheidender Bedeutung. Auch dieses Potenzial sollte für die zukünftige Waldbewirtschaftung genutzt werden.




