Das Gemeinsame im Vordergrund

Artikel aus Ausgabe 4/2022

Nach 25 Jahren als Geschäftsführer des Kärntner Waldverbandes hat Christian Schmoliner sein Amt heuer niedergelegt, um sich als Förster in der Region Lavanttal ganz der Mitgliederbetreuung zu widmen. Wir haben mit ihm über die Anfangszeiten und die Entwicklung des Waldverbandes sowie die heutigen Herausforderungen gesprochen.

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Ausgabe: 4/2022
Thema: Wald & Gesellschaft
Bundesland: Kärnten
Autor:in: Elisabeth Wedenig

Lieber Christian, du hast im Jahr 1997 die Geschäftsführung des Waldverbandes Kärnten übernommen. Was ist dir aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben?

Schmoliner Ich habe im Jahr 1996 beim Kärntner Waldbauernverband, heute Waldverband Kärnten, meine Arbeit als Projektbetreuer begonnen und bin dann 1997 zum Geschäftsführer ernannt worden. Es war zu dieser Zeit eine richtige Aufbruchstimmung unter den Waldbesitzern zu verspüren. Bei allen Vorhaben stand immer das Gemeinsame im Vordergrund. Sei es die Anschaffung gemeinschaftlicher Maschinen, die gemeinsame Waldbewirtschaftung oder auch die beginnende, gemeinsame Rundholzvermarktung. Oft sind wir mit dem Landesobmann Herwart Schaar bis zu dreimal pro Woche ausgefahren, um Waldwirtschaftsgemeinschaften (WWGs) zu gründen. Innerhalb von zwei Jahren entstanden so 20 WWGs in Kärnten.

Was waren zu der Zeit die größten Herausforderungen im „jungen“ Waldverband Kärnten?

Schmoliner Die Interessen der einzelnen Waldbesitzer in einer WWG einzubeziehen und darüber hinaus die lokalen WWGs und deren Interessen in einem Landesverband zu vereinen. Jede Region bzw. Talschaft hat ja – wie man weiß – unterschiedlichste Voraussetzungen und Anliegen. So richtig spannend war es das erste Mal, als wir, mit dem damaligen Obmann Mag. Karl Kurath, einen gemeinsamen Rundholzvertrag über 10.000 Erntefestmeter Holz abgeschlossen haben. Es gab auch schon früher immer wieder Zeiten, in denen die Nachfrage nach Rundholz sehr verhalten war. Da mussten wir uns als Landesverband erstmals so richtig beweisen. Noch heute schmunzeln wir darüber, wie es uns damals gelungen ist, den Vertrag, trotz der schwierigen Zeit, auf Punkt und Beistrich zu erfüllen.

Der WVK hat bis heute eine sehr erfolgreiche Entwicklung hinter sich. Was waren die entscheidenden Meilensteine für den Erfolg?

Schmoliner Ein besonderer Meilenstein war die Entscheidung, eigenes Forstpersonal für die Mitglieder anzustellen. WWGs schlossen sich zu Regionen zusammen und stellten im Zuge eines Projektes, welches vom Waldverband initiiert wurde, mit einem beachtlichen Anteil an Eigenkapital, fünf Förster an. Dass diese Entscheidung richtig war, sehen wir heute. Mit neunzehn Angestellten gehören wir heute in Kärnten zu einem der größten Arbeitgeber in der heimischen Forstwirtschaft!
Wenn man mehr als 4.000 Waldbesitzer verwalten muss und in der Holzvermarktung tätig ist, erfordert das ein entsprechendes EDV-Programm. Damals gab es so eine Software, mit den von uns gewünschten Funktionen, am Markt noch nicht zu kaufen. Daher entschlossen wir uns, ein eigenes Programm zu entwickeln. Zusammen mit Herrn Kronawetter und Herrn Mattersdorfer haben wir dann den WWG-Manager programmiert, der bis heute, natürlich mit laufenden Anpassungen, noch immer im Einsatz ist.

Wenn du die Rahmenbedingungen der Anfangszeit mit den heutigen vergleichst – haben sie sich verändert? Wenn ja, welche und wie?

Schmoliner Die Rahmenbedingung haben sich sogar stark verändert. Fand z. B. der Informationsaustausch damals nur im Zuge der Stammtische statt, die die WWGs einmal pro Monat abhielten, wird heute per Handy mit dem Förster über das tagtägliche Geschäft geredet. Der schnelle Informationsfluss ist praktisch, jedoch merkt man, dass das Gemeinsame immer mehr verloren geht.
Es geht im ganzen Geschehen immer um Verantwortung. Ob es die Verantwortung als Funktionär ist, als Geschäftsführer oder Angestellter. Die Zeiten werden härter. Es muss für alles einen Verantwortlichen geben. Das führt dazu, dass sich immer weniger Funktionäre finden. Es werden weniger Leute am Hof, dem Einzelnen wird immer mehr Arbeit aufgebürdet.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen?

Schmoliner Die größten Herausforderungen aktuell sind wohl die vielen Ansprüche an den Wald und damit verbunden die Ansprüche an fremdes Eigentum. Es zieht immer mehr Menschen in den Wald, was prinzipiell positiv ist. Viele vergessen aber leider, dass Wald im Eigentum von jemandem und auch Arbeitsplatz ist. Damit geht für den Waldbewirtschafter eine große Verantwortung einher.
Ich glaube, es gibt viele weitere Herausforderungen, die noch auf uns zukommen. Fehlende Arbeitskräfte, Außer-Nutzung-Stellung, Kalamitäten und vieles mehr werden uns die nächsten Jahre beschäftigen.

Dein Arbeitsschwerpunkt im WVK hat sich verändert, du bleibst uns mit deinem umfangreichen Wissen und Engagement zum Glück erhalten. Was gefällt dir an deiner jetzigen Rolle bzw. Tätigkeit am besten?
Schmoliner Im Zuge eines Personalwechsels – ein Förster hat uns verlassen und ein Gebiet war damit unbetreut – habe ich mich damals entschlossen, vorübergehend die Betreuung zu übernehmen. Mittlerweile bin ich mehrere Jahre in der Region Lavanttal als Förster tätig. Ich habe erkannt, dass es nicht möglich ist, gleichzeitig Geschäftsführer und Förster auf der Fläche zu sein. Überspitzt gesagt, man kann nicht in Wien bei einer Sitzung sitzen und gleichzeitig mit dem Frächter die Abfuhr organisieren. Es gibt da eine Aussage von unserem Chef, die wir des Öfteren hören: „Wichtig ist die Liebe zum Beruf!“. Es ist wirklich so, man muss die „Liebe zum Beruf“ haben, egal was man macht. Meine jetzige Rolle als Förster erfüllt mich mit Freude. Freude darüber, dass ich jeden Tag Menschen begegne, die etwas mit dem Wald zu tun haben. Die mit mir über Wald, Holzernte, Vermarktung, Wegebau etc. diskutieren, Projekte starten und vieles mehr. Darüber hinaus arbeitet man mit sehr vielen Leuten zusammen. Vor allem die Zusammenarbeit mit guten Dienstleistern macht die Arbeit auf der Fläche erst so richtig lustig.
An dieser Stelle möchte ich mich bei diesen auch einmal sehr herzlich für die gute Zusammenarbeit bedanken.

Du bist draußen auf der Fläche, siehst die Probleme und kennst die Herausforderungen. Welchen Beitrag müssen die Waldbesitzer:innen bzw. Mitglieder leisten, damit der WVK seine Aufgaben auch weiterhin erfolgreich erfüllen kann?
Schmoliner Die größte Herausforderung für die Zukunft ist meiner Meinung nach der Zusammenhalt untereinander! Der Waldverband wurde von jedem „einzelnen“ Waldbesitzer gegründet und ins Leben gerufen, als Sprachrohr für die vielen Anliegen. Der Druck, der heute von allen Seiten auf den einzelnen Waldbesitzer lastet, wird immer größer. 14 bis 16 Stunden Arbeit am Hof lassen nicht viel Spielraum. Für jeden Einzelnen geht es darum, seinen Betrieb zukunftsfit zu halten. Es fehlt meist die Zeit, sich um die Rahmenbedingungen zu kümmern – dafür braucht es den Waldverband.
Es ist so wie in jedem Verein, Mitglieder müssen an einen Strang ziehen, Ideen haben, Projekte umsetzen wollen. Wenn diese „Liebe zum Verein“ da ist, dann bin ich fest davon überzeugt, dass der Waldverband Kärnten die beste Unterstützung ist, die ein Waldbesitzer haben kann.

Lieber Christian, vielen Dank für das Gespräch und das Engagement, mit dem du täglich für „deine“ Waldbesitzer eintrittst. Wir wünschen dir von Herzen, dass dir die Freude an deiner Tätigkeit noch lange erhalten bleibt!

„Ich bin fest davon überzeugt,
dass der Waldverband Kärnten die beste Unterstützung ist,
die ein Waldbesitzer haben kann.“

Christian Schmoliner

Förster Christian Schmoliner mit seiner „Praktikantin“ unterwegs für die Mitglieder.

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