Betriebswirtschaftlicher Erfolg trotz Klimawandel

Artikel aus Ausgabe 1/2018

Wir müssen mit einer Erwärmung unserer Atmosphäre in den nächsten 50 bis 100 Jahren rechnen. Dieser Zeitraum ist aber genau das durchschnittliche Wuchsalter unserer heimischen Wirtschaftsbaumarten. Wie kann und soll der nachhaltig wirtschaftende Waldbauer auf diese Veränderungen jetzt reagieren?

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Ausgabe: 1/2018
Thema: Wald & Wirtschaft
Bundesland: Österreich
Autor:in: DI Josef Krogger

Eine Temperaturerhöhung um 2°C würde in Österreich einer Verschiebung der Vegetationsstufen um eine Höhenzone entsprechen, viele Bergwälder mit Fichtenanteil über der optimalen Temperaturobergrenze durch erhöhte Krankheitsanfälligkeit wären gefährdet. Größter Unsicherheitsfaktor bei allen Klimamodellen ist aber die künftige Niederschlagsverteilung, die sich natürlich gravierender auswirkt. 

Mit über 50 Prozent Flächenanteil im Ertragswald in Österreich unterstreicht die Fichte auch wirtschaftlich ihre große Bedeutung. Die Fichte würde bis zur montanen Höhenstufe anfälliger für Kalamitäten (Schadinsekten, Trockenschäden) werden, könnte aber in der hochsubalpinen Stufe bessere Bedingungen vorfinden und hier die Zirbe verdrängen. An ihrer unteren Höhengrenze oder bei einer Jahresmitteltemperatur von mehr als 11°C ist bei der Fichte ein flächiges Absterben zu erwarten. Baumarten wie Rotbuche, Tanne oder Bergahorn dringen dagegen bis zur tiefsubalpinen Stufe vor. Österreichweit könnte sich diese Bilanz für die Fichte sogar positiv auswirken. Unsere Wälder hatten und haben aber auch eine große überwirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung. Unser dicht besiedeltes und fein zersiedeltes Land braucht diese kleinflächige Waldbewirtschaftung. Wald wird in der Klimafrage als Kohlenstoffspeicher eine bedeutende Rolle spielen. Die Holzverwendung kann maßgeblich dazu beitragen CO2 zu reduzieren und langfristig im Holz zu speichern.

Die Erforschung der Genetik unserer Waldbäume hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht und es wird immer besser möglich, Herkünfte genetisch zu lokalisieren. Züchtung wird wichtig, wobei das Züchtungsziel die Spannung zwischen ökonomischen Wunschvorstellungen (Zuwachs, Holzqualität) und den ökologischen Herausforderungen (Klimawandel) ausgleichen muss.

Vielfalt erhalten und fördern

Die beste Strategie für die Zukunft unserer Wälder ist zweifellos die Erhöhung der Vielfalt in allen waldbaulichen Bereichen. Baumartenvielfalt und genetische Vielfalt sollten die Anpassungsfähigkeit erhöhen. Große Bedeutung hat aber auch die Strukturvielfalt. Kleinräumige Mischungsverhältnisse verhindern großflächige Kalamitäten. Mit horizontal und vertikal strukturierten Waldbeständen – von der Unterschicht über die Mittelschicht bis zur Oberschicht – wird die Stabilität erhöht und vor allem das Risiko von Bestandesschäden mit hohen Folgekosten minimiert.
Wichtige Aspekte zur Erhaltung vitaler Waldökosysteme und ihrer biologischen Vielfalt werden daher u.a sein:

  • Bei Aufforstungen stärkere Berücksichtigung der Standortsbedingungen und der Wasserhaushaltsverhältnisse
  • Beachtung der genetischen Vielfalt zur Erhaltung der Anpassungsfähigkeit
  • Erhaltung und Förderung der Baumartenvielfalt und der Strukturvielfalt
  • Förderung der Naturverjüngung
  • Verschlechterung der Pflanzennährstoffversorgung durch Biomasseentzug vermeiden.

 

Bild: Ohne Pflege besteht grundsätzlich höchstes Risiko. Stabilitätsverlust ist die Folge.

Bild: Baumartenvielfalt und strukturreicher Bestandesaufbau senken das Risiko und steigern die Produktivität.

Standraumregulierung

Die Vitalität des Einzelbaumes wird ein Schlüsselfaktor für zukünftige Entwicklungen und Widerstandsfähigkeit sein. Der straffe Zusammenhang zwischen Brusthöhendurchmesserentwicklung und Kronendurchmesser ist evident. Trotzdem wird diesem Faktor nach wie vor zu wenig Bedeutung beigemessen und werden über alle Inventurergebnisse die Durchforstungsrückstände beklagt. Diese dringenden Pflegemaßnahmen müssen früh in der Dickungsphase begonnen werden. Nur frühe Stammzahlreduktion und Mischwuchsregulierung führen zu stabilen (niedrige H/D – Werte) und vitalen (grüne Baumkrone größer 50 Prozent) Beständen. Mit starren Hiebsatzberechnungen und starren Umtriebszeiten wird der dynamischen Entwicklung nicht Rechnung getragen.

Grundsätzlich gilt es unter diesen Aspekten Baumarten zu fördern, die sich unter den aktuellen Bedingungen in ihrem Optimalbereich befinden. Verschieben sich die Klimaverhältnisse, so ist das Risiko geringer, dass die Grenze ihres Existenzbereiches überschritten wird. Die Standortseignung einer Baumart weist eine mehr oder weniger große Toleranz auf. Die Baumarten im momentanen Optimalbereich können dadurch in einen Grenzbereich verschoben werden, ohne vollkommen verdrängt zu werden. Baumarten, die unter den aktuellen Bedingungen schon schlecht geeignet sind, werden bei Verschlechterung der Standortsbedingungen nicht existieren können. Es braucht keine großen radikalen Bestandesumbaumaßnahmen. Es gilt lediglich, die vorhandenen Waldbestände fit zu machen, um die Selbstregenerationsfähigkeit zu erhöhen.

Erschließung verfeinern

Ohne ausreichende Walderschließung ist eine kleinräumige Waldnutzung und Waldpflege nicht durchführbar. Besonders dramatisch wirkt sich eine geringe Erschließung aber im Falle von Kalamitäten aus. Nur die rasche Aufarbeitung von Schadhölzern kann weitere Folgeschäden verhindern. Diese enormen Wertminderungen sollten mitbedacht und kalkuliert werden.
Zu wenig Beachtung finden in diesem Zusammenhang der Bodenzustand und die Entwicklungsdynamik der Wald-standorte. Wirtschaftliche Zwänge und moderne Holzerntesysteme führen nicht selten zu Bodendegradierung durch Nährstoffentzüge. Das Befahren steiler Hänge mit schweren Maschinen führt zwangsläufig zu Bodenverdichtung und erhöhten Bodenerosion.

Biomasseampel

Mit der Biomasseampel wird den Waldbesitzern ein praktisches Instrument in die Hand gegeben, um sicher zu stellen, dass das wertvollste Kapital – unser Waldboden – die Produktionskraft erhält und Wachstum gewährleistet. Biomasse ist sowohl als Energieträger als auch für die Papier- und Zellstoffindustrie ein wertvoller und begehrter Rohstoff. Die kontinuierliche Bereitstellung dieses Rohstoffes für die weiterverarbeitende Industrie und als Brennmaterial aus unseren Wäldern sichert dauerhaft Arbeitsplätze in den Regionen und ermöglicht hohe Wertschöpfung unserer bäuerlichen Betriebe. Trotzdem ist auf die Erhaltung der Produktionskraft unseres Waldbodens zu achten. Die Biomasseampel zeigt am jeweiligen Standort unter Berücksichtigung einfacher Parameter wie Geologie/Geomorphologie, Exposition, Bodentyp und Bonität, ob die Entnahme feiner Biomasseanteile vertretbar ist oder nicht. Diese Entscheidungshilfe soll die nachhaltige Waldbewirtschaftung unterstützen.

Alle waldbaulichen Maßnahmen sind auf dem Hintergrund der aktuellen Kosten, der betriebswirtschaftlichen Überlegungen und der langfristigen ökologischen Auswirkungen abzuwägen. Fachliche Unterstützung bei der Beurteilung all dieser komplexen Einflussfaktoren bieten die Forstberater in Behörden, Kammern und Waldverbänden. Eine örtliche Waldbegehung ist für eine sorgfältige und umfassende Beratung unumgänglich. Dabei können neben den waldbaulichen Aspekten aber auch inner- und überbetriebliche Besonderheiten berücksichtigt werden. Beratung in diesem Sinne setzt beim Waldbesitzer die Bereitschaft zu einer gründlichen und langfristigen Auseinandersetzung mit diesen Fragen voraus. In dieser engen Zusammenarbeit können zufriedenstellende Konzepte und konkrete Umsetzungsmaßnahmen entwickelt werden.

 

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