Biodiversität an Forststraßen

Artikel aus Ausgabe 3/2020

Forststraßen sind für eine sachgemäße und nachhaltige Waldbewirtschaftung unverzichtbar. Jede Forststraßenerrichtung stellt jedoch einen Eingriff in das Waldökosystem dar und wird deshalb vor allem vonseiten des Naturschutzes kritisch gesehen.

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Ausgabe: 3/2020
Thema: Wald & Biodiversität
Bundesland: Österreich
Autor:in: DI Gottfried Schatteiner

Die ÖBf AG haben daher im Rahmen des bundesweiten Ländlichen Entwicklung 14-20 Projekts „Forststraßen als Lebensraum“ bestehende, ältere Forststraßen und ihre Böschungen im bewirtschafteten Wald in den Fokus gerückt. Mit dem Ziel diese Sonderstandorte und die dort vorhandene Biodiversität näher zu betrachten.

Böschungsgestaltung und Begrünung

Daraus wurde ein Best-Practice-Handlungsleitfaden entwickelt. Dieser ist in Zusammenarbeit mit mehreren naturschutzfachlichen Institutionen entstanden und soll dabei helfen, naturschutzfachliche Aspekte bei Planung, Neu- und Ausbau, pflegerischer Gestaltung und Instandsetzung von Forststraßen zu berücksichtigen.
Abwechslungsreiche Strukturen sind günstiger zu bewerten als einförmige Böschungsverläufe und sind daher mit rauer und unregelmäßiger Oberfläche zu gestalten. Es ist die Entscheidung zu treffen, ob überhaupt keine Bepflanzung (z.B. bei mageren Felsböschungen und Pioniertrockenrasen) oder eine Einsaat mit standortsangepasstem Saatgut (jedenfalls bei örtlichem Neophytenrisiko oder Erosionsgefahr) erfolgen soll. Vor Ort anfallende Rasensoden sind zur Initialbepflanzung von Böschungen zu verwenden. Wünschenswert ist die Schaffung von buchtigen und gestuften Waldrandsituationen mit strukturiertem Strauchmantel und vorgelagertem Wiesenstreifen.

Wasserableitungsmanagement

Die Anlage von Kleingewässern schafft wichtige Trittsteinbiotope und Laichgewässer für Molche und Froschlurche. Tümpel können auf Straßennebenflächen eingeplant werden. Bei Gewässerquerungen können Spezialrohre mit eingeschweißten Querbalken oder Wellblechprofile verwendet werden, die zur Anreicherung von Kleinsubstrat führen und damit für Tiere leichter passierbar sind. Rohrausläufe sind durchgängig zu gestalten ohne frei fallendem Auslauf mit überstehendem Rohr. Eine Trübung von Fließgewässern in Folge des unnötigen Einrieselns von Sedimentmaterial ist zu vermeiden.

Materialentnahmestellen

Häufig liefern kleine Steinbrüche oder Schottergruben das Material für den Forststraßenbau. Nach Fertigstellung derselben unterliegen sie meist keinen Nachnutzungsinteressen. Abbaustellen weisen oft ein besonderes Standortklima und eine hohe Standortvielfalt auf kleinem Raum auf. Bei der Anlage ist daher darauf zu achten, dass durch Sonneneinfall wärmebegünstigte Sonderstandorte entstehen können. Die Abbaustelle ist durch das Liegenlassen von Steinhaufen, Wurzelstöcken und besonntem Starkholz strukturreich zu gestalten. Außerdem kann die Anlage von Tümpeln und Vernässungen mit eingeplant werden, indem man austretende Sickerwässer dafür nützt.

Neophytenvermeidung

Gebietsfremde Pflanzenarten wie Drüsiges Springkraut und Staudenknöterich treten gebietsweise massiv in Erscheinung. Forststraßen können dabei die Funktion von Ausbreitungslinien erfüllen. Die Überbrückung von großen Entfernungen ist durch Baumaschinen und Eintrag von Bodenmaterial leicht möglich. Die routinemäßige Säuberung der Reifenprofile und Maschinenteile von Samen und Wurzelstücken stellt somit eine einfache Maßnahme gegen unbeabsichtigte Weiterverbreitung dar. Offene Erdflächen sollten mit standortsangepasstem Saatgut begrünt werden.

Vermeidung von Falleneffekten

Pfützen: trocknen rasch aus oder werden von Kraftfahrzeugen durchfahren. Dadurch kommen Tiere zu Tode und ihre Eier und Kaulquappen gelangen nicht zur Entwicklung. Die Fahrbahn soll daher möglichst plan oder bombiert sein und damit frei von Pfützen gehalten werden. Auf selten befahrenen Rückegassen und Traktorwegen können wassergefüllte Radspuren hingegen wertvolle Lebensräume für verschiedenste Tierarten darstellen.
Einlaufschächte und Weideroste: stellen Fallen vor allem für Kleintiere dar. Bei Weiderosten ist eine Entschärfung durch den Einbau von Aufstiegshilfen (z.B. Lochblechelemente) leicht möglich.

Auerhuhn: hält sich im Bereich von Forststraßen zur Nahrungssuche und zur Aufnahme von Steinchen auf. In dichten Waldbeständen kann die Flucht von der Straße bei Annäherung eines Beutegreifers, z.B. Steinadler, erschwert sein. Zur Vermeidung dieser negativen Erscheinungen sind daher die Randlinien entlang der Forststraße buchtig auszuformen. Wandartige Fichtenverjüngung entlang der Forststraße ist zu vermeiden, der Waldbestand neben der Forststraße ist gut durchfliegbar zu gestalten.

Zusammenfassung

Trotz umfangreichem forstlichen Wegebaus in den letzten Jahrzenten gibt es nach wie vor nicht oder nur unzureichend erschlossene Wirtschafts- und Schutzwälder. Damit bei der Errichtung von Forstwegen in Zukunft das Konfliktpotenzial verringert werden kann, ist eine Sensibilisierung für die ökologischen Auswirkungen notwendig. Bestehende Forststraßen können naturschutzfachlich wertvolle Sekundärlebensräume für Tiere und Pflanzen bieten, die in intensiv genutzter Landwirtschaft vielerorts selten geworden oder verschwunden sind. Der nun vorliegende Best-Practice-Handlungsleitfaden soll dabei helfen, naturschutzfachliche Aspekte aller die Forststraßen betreffenden Belange stärker zu berücksichtigen. Es soll zu einer modernen Waldbewirtschaftung beigetragen und dem Anspruch einer ökologisch nachhaltigen Waldbewirtschaftung Rechnung getragen werden.

Strukturreiche Oberböschung auf Holzkrainerwand.

Ein neuer Tümpel als Ausgleich für den Wegebau.

Eine Eidechse auf sonnenerwärmter Felsböschung.

Komplettbegrünung der Fahrbahn auf artenreicher Almweidefläche.

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