Die große Nachfrage nach Forstpflanzen in den letzten Jahren hat auch die Forstpflanzenproduzenten gefordert. Kräftige Investitionen in neue Baumschultechnik und Gebäude sollen bewerkstelligen, dass die Forstpflanzen in entsprechender Qualität beim Waldbauern ankommen. Trotzdem gibt es noch ein paar wichtige Faktoren am Weg vom Feldquartier zur Aufforstungsfläche zu beachten.
Schonende Gewinnung der Forstpflanzen
Entscheidend für ein sorgsames Roden der Pflanzen sind die Bodenverhältnisse. Vor allem im Frühling ist man oft mit einem zu nassen Boden bei der „Ernte“ konfrontiert. Handelt es sich beim Bodentyp noch zusätzlich um schwere, lehmige Böden ist mit Wurzelverletzungen, vor allem im Feinwurzelbereich, zu rechnen. Anhaftende schwere Lehmbrocken fügen der Wurzel mechanische Schäden zu. Ähnlich ist die Situation bei zum Teil noch gefrorenen Böden im Frühling, wo zu frühes Roden der Pflanzen gleiche Verletzungen im Wurzelbereich hervorrufen. Auch hier reißen die Feinwurzeln aufgrund der anhaftenden gefrorenen Erdklumpen einfach ab.
Rascher Abtransport der Pflanzen
Ein ganz entscheidender Punkt bei der ordnungsgemäßen Gewinnung von wurzelnackten Forstpflanzen. Nach dem Roden liegen die Forstpflanzen auf dem Quartier/Feld und hier ist entscheidend, dass diese Pflanzen so rasch wie möglich gesammelt in die Sortierhalle gebracht werden. Geeignete Fahrzeugkombinationen, meist Anhänger mit wirklich gut passender Plane oder eigens dafür gebaute Planenanhänger werden für diesen Arbeitsschritt genützt. Die Vorteile einer Sortierhalle sind Schutz der Wurzeln vor schädigendem Wind und vor der Sonne. Weiter hat das Sortierpersonal ein Dach über dem Kopf und somit ordentliche Arbeitsbedingungen, was sich auch bei der „Sortierqualität“ sofort bemerkbar macht. In der Sortierhalle wird jede einzelne Pflanze in die Hand genommen, den Qualitätskriterien und der Größe nach angesprochen, sortiert und zu verkaufsfertigen Pflanzbünden gebündelt.
Zwischenlagerungin Kühlhäusern
Speziell im Frühling ist die Zwischenlagerung der Forstpflanzen unerlässlich. In den Niederungen kann schon meist Mitte März mit den Aufforstungen begonnen werden, wohingegen in den Bergen wegen der Schneelage die Aufforstung erst Ende April/Anfang Mai beginnen kann.
Um jedem Waldbesitzer frische, vitale nicht an- oder sogar ausgetriebene Pflanzware zur Verfügung stellen zu können, müssen die Pflanzen ordnungsgemäß zwischengelagert werden. Das passiert in diesen speziellen Kühlräumen. In Mantelkühlräumen zirkuliert die kalte Luft in den Wänden und in der Decke d. h. es gibt keine Ventilatoren, die kalte Luft in den Innenraum blasen. Dadurch wird das Austrocknen der Wurzeln verhindert.
Weiters wird in Mantelkühlräumen mit wenig Licht gearbeitet, um die Winterruhe der Pflanze künstlich zu verlängern und somit das An- und Austreiben zu unterbinden.
Abgabe/Lieferung der Forstpflanzen
Hier ist wiederum darauf zu achten, dass der Wurzelbereich der Forstpflanzen keiner direkten Sonneneinstrahlung und keinem Fahrtwind ausgesetzt wird. Die Ideallösung ist die Verwendung von eigens dafür produzierten Frischhaltesäcken, welche einen optimalen Transport garantieren. Diese Frischhaltesäcke haben eine spezielle Beschichtung (innen schwarz, außen silber) und sind somit auch noch für eine optimale, kurzfristige Zwischenlagerung zu Hause geeignet. Die Säcke dürfen nicht eine längere Zeit der Sonne ausgesetzt werden, da sich der Sack im Inneren zu sehr erhitzt.
Oft wird das Angebot eines Frischhaltesackes vom Kunden nicht angenommen (weil zu teuer!), dann sollte zumindest ein „normaler“ Sack zum Transport verwendet werden. Werden die Forstpflanzen mit Anhänger abgeholt, so muss darauf geachtet werden, dass eine ordentliche, gut sitzende Abdeckplane die Pflanzen vor Sonne und Wind schützt!
Zuhause muss wiederum auf einen sorgsamen und verantwortungsvollen Umgang mit den Pflanzen geachtet werden. Werden die Pflanzen nicht sofort versetzt oder ist die Menge für einen Tag zu viel, dann sollen die Pflanzen vorübergehend nochmals im Erdreich eingeschlagen werden oder in einem passenden Gebäude (Erdkeller, Stall, Wagenhütte etc.) vor Sonne und Wind geschützt zwischengelagert werden. Dafür ist es am Besten, ein Vlies zu befeuchten und die Wurzeln in dieses feuchte Vlies einzuschlagen.
Richtige Behandlung der Forstpflanzen
Wie schon in den vorherigen Punkten erwähnt, ist auch auf der Fläche ein sorgsamer Umgang mit den Forstpflanzen von großer Bedeutung und trägt zum Aufforstungserfolg bei. Das Hauptaugenmerk ist wiederum auf die Wechselwirkung von Sonne, Wind und Wurzelsystem zu legen.
Tragbare Pflanztaschen eignen sich sehr gut für kleinere Pflanzen. Ebenso kann/soll der Frischhaltesack von Pflanzloch zu Pflanzloch mitgetragen werden und so den notwendigen Schutz für die Wurzeln bereitstellen. Problematisch wird es bei großen Pflanzen, speziell im Laubholzbereich, wo mit Höhen von 120 cm und größer gepflanzt wird (im Aubereich und vor allem bei Flächen, welche sehr stark verkrautet sind und die Brombeere dominiert!). Hier unterscheidet sich die Theorie von der Praxis. Je größer die Pflanze, desto größer ist auch das Wurzelwerk. Sowohl Pflanztaschen, als auch die Frischhaltesäcke stoßen hier an ihre Grenzen. In diesen Fällen ist zu beachten, dass nur wenige Pflanzen (in der Regel besteht ein Bund aus 10 oder 25 Stück) von der Pflanzperson mitgetragen werden und so rasch wie möglich gepflanzt werden.
Seit dem Frühling 2020 bietet der BFZ im Kampf gegen die Trockenheit ein spezielles Forst-Wasserspeichergranulat an. Dieses Forsthydrogel (= Granulat) kann aber gleichzeitig auch als „Austrocknungsschutz“ für das Feinwurzelsystem vor der Pflanzung verwendet werden. Durch sogenanntes „Wurzeldipping“ im vorher aufgelösten Granulat, wird die Pflanze nach dem Wurzelschnitt (wenn notwendig) getaucht und es legt sich ein „Gelfilm“ schützend über das gesamte Wurzelwerk. Damit wird nicht nur das Austrocknen der Wurzeln verhindert, sondern das Hyrdogel fördert und unterstützt auch das Anwachsen der Jungpflanzen.
Weitere Informationen zu diesem Thema unter www.bfz-gruenbach.at.





