Neue Wege der Waldbewirtschaftung

Artikel aus Ausgabe 2/2026

Die Anforderungen an die Waldbewirtschaftung ändern sich. Neben der klassischen Holzproduktion rücken zunehmend Leistungen wie Klimaschutz, Biodiversität und Stabilität der Bestände in den Fokus. Gleichzeitig stehen viele Waldbesitzer:innen unter wirtschaftlichem Druck: steigende Kosten, klimabedingte Schäden und volatile Märkte erschweren eine nachhaltige Bewirtschaftung.

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Ausgabe: 2/2026
Thema: Wald & Wirtschaft, Waldbewirtschaftung
Bundesland: Österreich
Autor:in: Holzcluster Steiermark

Hier setzt das Interreg Alpine Space Projekt Forest EcoValue in den fünf involvierten Alpenländern Italien, Frankreich, Deutschland, Österreich und Slowenien an. Ziel war es, neue Wege zu entwickeln, um ökologische Leistungen des Waldes wirtschaftlich greifbar zu machen und zusätzliche Einkommensmöglichkeiten für Waldbesitzer:innen zu erschließen.

Ein Living Lab in der Steiermark
Gemeinsam mit Waldbesitzer:innen wurden darin neue Ansätze unter realen Bedingungen erprobt und wissenschaftlich begleitet. Im Fokus standen dabei Maßnahmen, die sowohl ökologisch wirksam als auch gut im betrieblichen Alltag umsetzbar sind. Konkret untersucht wurden unter anderem der Erhalt von Biotopbäumen und Totholz zur Förderung der Artenvielfalt sowie Formen der kontinuierlichen Bewirtschaftung im Sinne des Plenterwaldes. Beide Ansätze leisten einen Beitrag zur Stabilisierung von Waldbeständen und zur langfristigen Bindung von Kohlenstoff.
Im Zentrum des Projekts stand ein sogenanntes “Living Lab” in der Steiermark, welches in Zusammenarbeit mit dem Waldverband Steiermark umgesetzt und mit freundlicher Unterstützung der Raiffeisen-Landesbank Steiermark finanziert wurde.

Rückwärtsauktion als neues Instrument
Die Erprobung einer sogenannten Rückwärtsauktion wurde als innovativer neuer Zugang zur Thematik genutzt. Dabei geben Waldbesitzer:innen an, zu welchem Preis sie bestimmte Maßnahmen umsetzen würden. Die Auswahl erfolgt auf Basis von Kosten und ökologischer Wirkung.
Dieses Verfahren unterscheidet sich grundlegend von klassischen Fördermodellen. Während dort fixe Sätze vorgegeben werden, ermöglicht die Auktion eine differenzierte Preisbildung und berücksichtigt die unterschiedlichen ökonomischen Voraussetzungen verschiedener Flächen.

Ergebnisse aus der Praxis
Die Pilotphase im steirischen Living Lab zeigt, dass das Interesse an solchen Modellen vorhanden ist. Insgesamt beteiligten sich 41 Waldbesitzer:innen, die 104 Maßnahmen einreichten. Fünf Waldbesitzer:innen erhielten im Rahmen der Auktion einen Zuschlag und sechs Maßnahmen wurden in Summe umgesetzt. Auch wenn die Zahl der umgesetzten Maßnahmen gering ist, zeigen die Ergebnisse deutlich: Waldbesitzer:innen sind grundsätzlich bereit, ökologische Leistungen anzubieten – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen sind klar und nachvollziehbar.

Akzeptanz und Unterschiede
Die Rückmeldungen aus der Praxis fallen differenziert aus. Während die Transparenz und Freiwilligkeit des Verfahrens positiv bewertet werden, zeigen sich Unterschiede je nach Betriebsstruktur. Kleinere Betriebe bevorzugen eher kurze Verpflichtungszeiträume, größere sehen Vorteile in langfristigen Vereinbarungen. Diese Unterschiede gelten als zentral für die Weiterentwicklung des Instruments.

Offene Fragen und Grenzen
Die Pilotphase zeigt, dass das Instrument grundsätzlich funktioniert, gleichzeitig macht das Projekt deutlich, dass noch Herausforderungen bestehen. Die Abgrenzung zu bestehenden Förderinstrumenten ist nicht abschließend geklärt. Zudem stellt sich die Frage nach der langfristigen Finanzierung, wenn solche Modelle breiter ausgerollt werden sollen. Auch die Übertragbarkeit auf unterschiedliche Regionen und Betriebsformen bleibt offen. Ein einheitliches Modell wird den vielfältigen Bedingungen der Forstwirtschaft nur bedingt gerecht werden.

Ein Ansatz mit Perspektive
Trotz dieser offenen Punkte liefert Forest EcoValue wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Waldbewirtschaftung. Das Projekt zeigt, dass marktorientierte Instrumente grundsätzlich funktionieren können, vorausgesetzt, sie sind praxisnah gestaltet und werden von den Waldbesitzer:innen akzeptiert. Die Rückwärtsauktion versteht sich dabei nicht als Ersatz für bestehende Förderungen, sondern vielmehr als eine Ergänzung. Ihr Potenzial liegt vor allem darin, zusätzliche Finanzierungsquellen für ökologische Leistungen zu erschließen.
Mit dem Abschluss des Projekts liegen nun erste belastbare Erfahrungen vor. Ob und in welcher Form sich diese Ansätze langfristig etablieren, wird maßgeblich davon abhängen, ob es gelingt, stabile Rahmenbedingungen und verlässliche Finanzierungsmodelle zu entwickeln.

Alexander Pinter mit einer Weißtanne im Unterstand.

Im Deutschen Living Lab erklärt der Leiter des Forstbereichs, Herr Vollmar, die Auswahl und Umsetzungsmaßnahmen auf der Pilotfläche südlich von München.

Weitere Informationen zum Projekt und den Projektpartner:innen finden Sie hier: https://www.holzcluster-steiermark.at/projekte/forest-ecovalue/

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