Tieflagengebiete besonders betroffen

Wien/Purkersdorf, 28. November 2018 (aiz.info). – Der Klimawandel wirkt sich zunehmend auf die heimische Forstwirtschaft aus. Extreme Wetterphänomene sorgen für eine Zunahme an Schadholz, viele Unternehmen spüren den Klimawandel bereits in ihren Bilanzen. Betroffen ist nicht nur Österreich, sondern viele Regionen in Zentraleuropa. “Der Holzmarkt gerät langsam, aber spürbar unter Stress”, erklärte der Vorstand der Österreichischen Bundesforste (ÖBf), Rudolf Freidhager, am Dienstagabend vor Journalisten in Wien. “Man spürt heuer Auswirkungen des Klimawandels auf den Holzmarkt, die Holzindustrie und die Forstwirtschaft, die man in diesem Ausmaß noch nicht gekannt hat.”

“Der Klimawandel ist dabei bereits in den Bilanzen der Unternehmen angekommen”, ergänzte Georg Schöppl, ebenfalls ÖBf-Vorstand. Allein die Bundesforste beziffern diese Kosten mit durchschnittlich 15 bis 20 Mio. Euro pro Jahr. 2018 werden es um 7 Mio. Euro mehr sein, heißt es.

Betroffen seien hierzulande vor allem die Gebiete im Waldviertel und nördlich der Donau. Ein Drittel des sogenannten “Käferholzes” gäbe es heuer im Waldviertel, so Schöppl. 2017 waren bundesweit rund 3,5 Mio. Festmeter (fm) Schadholz angefallen – der höchste Wert seit Beginn der Messungen. Für dieses Jahr erwarte man einen weiteren Anstieg auf 4 Mio. fm. Die Bundesforste rechnen bei ihrem eigenen Einschlag heuer mit einem Schadholzanteil von etwa 65%. Grund dafür seien Witterungsextreme, überdurchschnittlich hohe Temperaturen  und Trockenheit. Verstärkte Windwürfe haben zu einem Anstieg des Käferholzes beigetragen, in den Jahren unmittelbar nach solchen Ereignissen sei jeweils ein deutlicher Käferholzanfall festzustellen. Dabei hätten Stürme und damit einhergehende Windwürfe in den vergangenen Jahren enorm zugenommen, zitiert die APA den ÖBf-Vorstand.

Die Wetterphänomene hätten nicht nur Österreich, sondern auch Zentraleuropa fest im Griff. Besonders gravierend sei die Situation in Tieflagengebieten wie Tschechien oder Deutschland, so Freidhager. Seinen Berechnungen nach sind heuer zirka 50 Mio. fm Schadholz auf dem zentraleuropäischen Markt, davon 17 Mio. fm in Deutschland. Das entspricht dem jährlichen Gesamteinschlag in Österreich.

Holzmarkt wird zunehmend unberechenbarer

Gerade aus den Tieflagengebieten kämen in kürzester Zeit riesige Mengen auf den Markt, die Notierungen hätten sich im Vergleich zum Vorjahr halbiert, so Freidhager. Das Holzangebot in Europa sei derzeit größer als der Bedarf. “Für die Holzindustrie bedeutet die Situation natürlich Ostern und Weihnachten zusammen”, erklärte er. Aber dies sei nur ein temporärer Zustand und “was heute zu viel auf dem Markt ist, könnte morgen schon zu wenig sein”, warnte der Vorstand.

Die Situation sei aber nicht aussichtslos. Sofern die Pariser Klimaziele eingehalten werden, könne man die Situation noch in den Griff bekommen, hofft Freidhager. “Wenn wir uns aber über die zwei Grad Celsius Erwärmung hinausbewegen, wird auch uns irgendwann die Fantasie ausgehen”, warnte er.

Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie weitersurfen, gehen wir davon aus, dass Sie damit einverstanden sind. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen