Wo bleibt der rote Teppich?

Artikel aus Ausgabe 2/2020

Im Zuge der nachhaltigen Holzproduktion stellt die Waldwirtschaft bedeutende Leistungen zur Verfügung. Die Schutz-, Wohlfahrts- und Erholungswirkungen des Waldes sind im Gebirgs- und Fremdenverkehrsland Österreich unabdingbar.

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Ausgabe: 2/2020
Thema: Wald & Gesellschaft, Wald & Jugend, Wald & Politik
Bundesland: Steiermark
Autor:in: Maximilian Handlos

Bereits zu Beginn der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts schrieb der Österreichische Forstverein diese Stellungnahme. Viele Waldbäuerinnen und Waldbauern fragen sich vermutlich täglich, wie werden diese Leistungen, welche wir für das wunderbare Land Österreich täglich und das seit Generationen erbringen, honoriert? Wer rollt uns den roten Teppich für die vielfach unbezahlte, sehr schwere und gefährliche Arbeit aus? Für gesunde Wälder, für Erholungsraum, für Schutz und gesunde Luft. Sicherlich nicht diejenigen, die uns im Wald als Störenfriede empfinden, sobald wir die Tafel für ein befristetes Sperrgebiet aufstellen oder der Seilkran mitten auf der Forststraße das verbotene Radeln verhindert. Der aktuelle Preis für Rundholz wird es wohl auch nicht sein. Denn gerade in einem Gebirgsland, wo Holzernte- und auch Waldbaukosten um einiges höher sind, decken die Preise für das Industrieholz nicht einmal den Aufwand für die Holzernte.

Öffentliche Aufmerksamkeit

Oft kann man schwer einschätzen, was in der Öffentlichkeit Stimmung macht. Kaum jemand von uns hätte sich vorstellen können, dass eine junge Frau namens Greta Thunberg auf Grund ihres freitäglichen Schulstreiks Stimmung für den Kampf gegen den Klimawandel macht, die sich über den gesamten Erdball ausbreitet. Ein Bericht über den Transport von Forstpflanzen mittels Drohnen bringt uns mittlerweile eine Reichweite von mehr als 50.000 Personen auf Facebook ein. Mit dem Beitrag „10 Fakten zum Wald in Österreich“ erreichen wir gerade mal 1.300 Menschen. Aktuelle Themen und Situationen, die dem Einzelnen unter den Nägeln brennen, überflügeln natürlich Faktoren, die wir aktuell nicht so stark spüren. Denn was interessiert einem die öffentliche Wahrnehmung der Forstwirtschaft, einige Züge Rundholz im Wald abfuhrbereit liegen und auf Grund von Covid-19 die Abfuhr zum Erliegen kommt, das Holz sich verbläut und der Borkenkäfer auf Grund der aktuellen Trockenheit zum Großangriff bläst.

Branchen als Botschafter?

Unsere Gesellschaft verbindet die Industrie mit tausenden Arbeitsplätzen und Österreich als Exportnation. Die Bevölkerung weiß, dass das Gewerbe mit vielen Klein- und Mittelbetrieben das Rückgrat der heimischen Wirtschaft ist und dass der Tourismus für Österreich die Devisen bringt. Und die Forstwirtschaft? All diese Branchen profitieren massiv vom Tun unserer Waldbäuerinnen und Waldbauern. Nur, haben wir schon jemals gehört, dass sich Vertreter dieser Branchen hinstellen und ein klares, positives Statement abgeben: „Wir sind extrem froh, dass sich die Forstwirtschaft um die Gesundheit unserer Wälder bemüht. Dass der Rohstoff Holz für Verarbeitung zur Verfügung gestellt wird, dass Erholungsraum geschaffen wird, damit wir das schöne Österreich so großartig als Tourismusland verkaufen können.“ Als Vertreter von tausenden Waldbäuerinnen und Waldbauern ist es die Aufgabe unserer Organisation, Kooperationen mit anderen Branchen herzustellen, damit unsere Interessen auch auf diesem Weg nach außen getragen werden.

Reden wir drüber

Wir vermarkten jährlich rund 800.000 Festmeter Holz. Heruntergerechnet auf 250 Arbeitstage sind es immerhin 3.200 Festmeter pro Tag oder mehr als 100 LKW Züge. Für diese Holzmengen müssen Forstarbeiter mit Harvester, Seilkränen, Motorsägen organisiert werden, die Logistik muss die Abfuhr vom Wald und die Zufuhr zur Industrie einteilen, Verträge müssen verhandelt werden. 15.000 Mitglieder stellen für die Wahrnehmung in der Gesellschaft eine große Macht dar. PR-Experten meinen, mit einem entsprechenden Mitgliedsbeitrag lässt sich entsprechendes Kapital lukrieren, welches in der Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt werden kann. Aber ist das nicht zu simpel? Bedeutet das wiederum nicht, wir delegieren die Verantwortung? Ein anderer Zugang: 15.000 Mitglieder nehmen sich vor, ein Jahr lang, jede Woche mit einem Menschen in der persönlichen Umgebung positiv über die Arbeit der Forstwirtschaft zu sprechen. Wir erreichen in diesem Zeitraum 750.000 Menschen. Dies lässt sich niemals über einen hohen Mitgliedsbeitrag erzielen. Natürlich braucht es Wissen, Kommunikations- und Diskussionsfähigkeit und auch Mut, um sich mit anderen, nicht forstwirtschaftlich affinen Menschen, auf Erklärungen, Diskussionen und Argumentationen einzulassen. Dafür werden wir als Argumentationshilfe den Jahreskalender 2021 mit zwölf Argumenten für die allgemeine Öffentlichkeit „Was wir in der Forstwirtschaft täglich für die Gesellschaft machen!“ gestalten.

Die Verantwortung von allen

In einem deutschen Forschungsbericht eines Sozialverbandes zum Thema „Wie werden wir als Verband in der Öffentlichkeit wahrgenommen?“ lautet ein Ergebnis: In die Öffentlichkeitsarbeit müssen Mitglieder, öffentliche Auftritte der Funktionäre und klassische Werbemaßnahmen gleichermaßen eingebunden werden, um die Bevölkerung zu erreichen. Die digitale Revolution hat in den letzten 20 Jahren besonders wenn es darum geht, wie man Menschen eine Botschaft übermitteln kann, alles auf den Kopf gestellt. Wer es nicht schafft, seinen Mehrwert in Sekundenschnelle auf den Punkt zu bringen, wird gnadenlos weggeklickt. Aber auch Emotionen rücken wieder mehr in den Vordergrund. Erzählen wir doch unsere Geschichten jeder und jedem immer wieder – vom Bäume umschneiden, vom Wachsen der Natur und wie wir sie dabei unterstützen. Von der Bewirtschaftung, wie es unsere Vorfahren gemacht haben und warum wir es für unsere Kinder tun.
Eine Frage des Autors bleibt allerdings bestehen: „Wollen wir als Forstwirtschaft in der Öffentlichkeit überhaupt wahrgenommen werden?“

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