Wertholzproduktion mit der Birke

Artikel aus Ausgabe 3/2023

Die Birke spielt in unseren waldbaulichen Betrachtungen in der Regel eine untergeordnete Rolle. Kalamitäten haben in den letzten Jahren viele Kahlflächen verursacht, auf denen die Birke als Pioniergehölz beste Bedingungen vorfindet und sich für die erfolgreiche Wiederbewaldung vorteilhaft nutzen lässt.

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Ausgabe: 3/2023
Thema: Wald & Holz, Wald & Wirtschaft, Waldbewirtschaftung
Bundesland: Kärnten
Autor:in: Mag. Thomas Brandner

Schon wenige „Mutterbäume“ (vier bis 16 Bäume pro Hektar) reichen aus, um Birkenverjüngung flächig aufkommen zu lassen. Sie wird, ob gern gesehen oder nicht, auf vielen Kulturflächen und Dickungen einen großen Anteil einnehmen. Daher sollte man sich auch mit dieser Baumart intensiver auseinandersetzen. Ihre Pioniereigenschaften (rasches Jugendwachstum der Wurzeln in die Tiefe und in die Breite, hohe Reaktionsfähigkeit auf Wasser- und Nährstoffangebot und geringe Ansprüche an den Boden) können für die erfolgreiche Wiederbewaldung von Katastrophenflächen vorteilhaft genutzt werden. Wo sie aber das Bestockungsziel gefährdet, muss sie mit geeigneten Mitteln reduziert werden.

Wegen ihrer relativ geringen Volumen- und Wertleistung kommt die Birke auch künftig nicht als führende Wirtschaftsbaumart in Betracht. Dort wo sie sich auf Teilflächen zur dominierenden Baumart entwickelt hat und aufgrund Fehlens anderer Baumarten keine Alternative besteht, ist die Produktion von Birkenrundholz mit geringem Aufwand aber vertretbar.

Wachstum der Birke

Als typische Pionierbaumart lässt das Höhenwachstum der Birke schon sehr früh wieder stark nach. Im ersten Jahrzehnt sind Höhenzuwächse von bis zu zwei Metern im Jahr keine Seltenheit. Der jährliche Höhenzuwachs kulminiert im Alter von circa zwölf Jahren und sinkt mit zunehmendem Alter (ab ca. 40) deutlich ab. Sobald das Höhenwachstum nachlässt, verringert sich auch die Ausbaufähigkeit der Krone und somit kann die Birke bei sehr späten Freistellungen nicht mehr entsprechend reagieren. Schnelles Höhenwachstum hängt bei dieser Baumart von einer ausreichenden Wasserversorgung ab. Auf frischen Standorten sind bei 80 bis 100-jährigen Birken Mittelhöhen bis zu 26 Metern möglich. Die Birke hat nur sehr wenige spezialisierte Schadinsekten. Gefährdeter ist diese Baumart aber durch verschiedene Stammpilze. Zu Problemen mit Nassschneeereignissen kann es insbesondere in sehr dichten erwachsenen Beständen kommen.

Der Weg zum Birkenwertholz

Ziel ist es, starkes und qualitativ wertvolles Stammholz (45 bis 50 cm Durchmesser) in kurzen Zeiträumen zu produzieren. Die waldbaulichen Möglichkeiten werden bedeutend durch das geringe maximale erreichbare Baumalter vorgegeben. Die Lebenserwartung liegt bei 80 bis 100 Jahren, selten bei 120 Jahren. Mit zunehmendem Alter besteht auch die Gefahr der Ausbildung von unerwünschten Farbkernen. Daher sollte die Umtriebszeit 60 bis 70 Jahre nicht überschreiten.

Bereits einige wenige Mutterbäume reichen für eine flächige Naturverjüngung aus. Dichtstand in der sehr kurzen Jugend- und Qualifizierungsphase fördert die natürliche Astreinigung. Zu hoher Dichtstand kann allerdings zu Problemen bei Nassschneeereignissen (Schneedruck) führen, sodass in tieferen Lagen auch eine Stammzahlreduktion sinnvoll erscheint. Im Alter von zehn bis 15 Jahren sollten die Zukunftsstämme nach den Kriterien Vitalität, Qualität und der räumlichen Verteilung ausgewählt und freigestellt werden. Um sich später nicht gegenseitig zu bedrängen, dürfen die Abstände zwischen den ausgewählten Bäumen zehn Meter nicht unterschreiten. Die Birke zeigt eine verlangsamte natürliche Astreinigung. Zwar sterben die Äste frühzeitig ab, sie werden jedoch nur verzögert abgeworfen und bewirken damit eine lange Totastzone. Zur Wertholzproduktion ist deshalb eine frühzeitige fachgerechte Astung (keine Verletzung der Astkragen bzw. der Baumrinde) notwendig.

Die Astung sollte bei Astdurchmessern von unter zwei Zentimetern durchgeführt werden, um das Risiko von Pilzinfektionen über die Astungswunde zu verringern. In Anlehnung an das Q/D-Wertholzerziehungskonzept ist eine astfreie Schaftlänge von circa 25 Prozent der Baumlänge (fünf bis sechs Meter) anzustreben. Entsprechend dem Wachstumsverlauf der Birke ist für die Wertholzerziehung eine regelmäßige starke Freistellung der ausgewählten Bäume erforderlich. Durch konsequente Freistellungen soll verhindert werden, dass die Kronenbasis abstirbt und damit der Grünkronenansatz nach oben rutscht. Das Anhalten der Kronenbasis sichert auch die Vitalität der Bäume und verhindert gleichzeitig, dass über absterbende untere Kronenäste Pilze in den Baum eindringen (Gefahr der Farbkernbildung).

Derzeit werden auf sieben „Birkenbeispielsflächen“ regelmäßig ertragskundliche Erhebungen durchgeführt. Eine Fläche im Bezirk Spittal liegt auf über 1.100 Meter Seehöhe. Bei zwei Flächen wurden die Ersteingriffe relativ spät durchgeführt. Die restlichen Flächen belegen deutlich, dass bei Einhaltung der waldbaulichen Empfehlungen das Produktionsziel erreichbar ist.

Vermarktung von Birkenwertholz

Es gibt derzeit nur sehr wenige Erfahrungen mit der Vermarktung. Bei den Submissionen in Österreich wird fast kein Birkenholz angeboten. Anzunehmen ist aber, dass mit dem Angebot von astfreien und stärkeren Sortimenten auch die Holzerlöse steigen werden. Unabhängig von der derzeitigen Vermarktungssituation muss auch berücksichtigt werden, dass selten eine Baumart so kostengünstig zu begründen ist und auch in so kurzer Produktionszeit verkauft werden kann.

Fazit

Die Birke wurde in der Vergangenheit als forstliches Unholz häufig bekämpft. Geringe Kulturbegründungskosten, günstige Eigenschaften als Füll- und Treibholz oder auch als Vorwald, um die Etablierung von Zielbaumarten zu erleichtern, sollten, neben der Möglichkeit wertvolles Holz in kurzer Zeit zu produzieren, Argumente genug liefern, um die Birke in unser zukünftiges waldbauliches Handeln vermehrt miteinzubeziehen.

Fertig dimensionierter und geasteter Birken-Zukunftsstamm.

Birken-Zukunftsbaum nach der zweiten Freistellung im Alter von zwölf Jahren.

Schlechte H/D-Verhältnisse können bei Schneedruckereignissen zu Problemen führen. Besonders sehr dicht erwachsene Bestände sind gefährdet.

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