Martin Guggenberger war als Feuerwehrkommandant von Beginn an im Einsatz. Gleichzeitig kennt er die Situation auch aus der Sicht eines Waldbesitzers und als Landesobmann-Stellvertreter des Waldverbandes Kärnten. Im Interview schildert er die dramatischen Stunden der Brandbekämpfung, erklärt, welche Faktoren den Einsatz erschwerten, und zeigt auf, welche Lehren Waldbesitzer daraus für die Waldbrandprävention und den Schutz ihrer Wälder ziehen können.
Martin, wie hast du die ersten Stunden des Waldbrandes erlebt?
Guggenberger Alarm wurde am Donnerstagabend, 24. März, ausgelöst. Zunächst sind wir von einem kleineren Waldbrand ausgegangen. Aber schon bei der Anfahrt haben wir gesehen, dass das Feuer deutlich größer war als erwartet. Wir haben versucht, den Brand an der linken und rechten Flanke einzukreisen. Doch innerhalb kürzester Zeit wurden die Flammen so hoch und die Ausbreitung so schnell, dass wir unsere Mannschaft aus dem Gelände zurückziehen mussten. Rückblickend war der Brand in dieser Nacht eigentlich schon außer Kontrolle.
Wann war dir klar, dass das kein gewöhnlicher Einsatz wird?
Guggenberger Als wir gesehen haben, wie rasant sich das Feuer entwickelt. Das war etwas, das wir in dieser Form noch nie erlebt hatten. Es war nicht einmal der Wind allein – das Feuer hat durch die enorme Hitze eine eigene Thermik entwickelt. Solche Szenen kennt man sonst nur aus Fernsehberichten.
Was war für dich vor Ort die größte Herausforderung?
Guggenberger Natürlich das steile Gelände. Aber noch schwieriger war diese Thermik. Ab Mittag hat sie das Feuer innerhalb weniger Minuten über ganze Hänge getragen. Das war teilweise unberechenbar und hat auch unsere Einsatzkräfte in gefährliche Situationen gebracht. Deshalb gilt: Die Sicherheit der Mannschaft hat immer oberste Priorität.
Wie wichtig war die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte?
Guggenberger Sie war entscheidend. Schon am ersten Tag standen mehrere Hubschrauber des Innenministeriums und des Bundesheeres im Einsatz. Dazu kamen Flughelfer aus ganz Kärnten, Bergrettung, Feuerwehren aus vielen Bezirken mit Spezialausrüstung für die Waldbrandbekämpfung. Beeindruckend war, wie rasch diese Unterstützung organisiert werden konnte. Bei einem Einsatz dieser Größenordnung funktioniert das nur, wenn alle perfekt zusammenarbeiten.
Was entscheidet bei einem Waldbrand über Erfolg oder Misserfolg?
Guggenberger Vor allem die Zeit. Je schneller ein Brand erkannt und eingedämmt wird, desto größer sind die Chancen, ihn klein zu halten. Deshalb lautet die Devise bei Waldbränden: nicht zögern. Lieber einmal zu früh zusätzliche Kräfte und Hubschrauber anfordern als zu spät. Ein kleiner Brand kann sich innerhalb weniger Minuten zu einem Großereignis entwickeln. Du bist selbst Waldbesitzer. Wie hast du die Situation der betroffenen Waldeigentümer erlebt?
Guggenberger Für viele war das ein schwerer Rückschlag. Nach Sturm und Borkenkäfer waren viele Flächen gerade erst wieder aufgeforstet. Teilweise standen bereits gut entwickelte Jungbestände. Wenn diese wieder verloren gehen, beginnt alles von vorne. Das schmerzt – wirtschaftlich, aber auch emotional.
Welche Rolle spielt die Waldbewirtschaftung bei der Brandprävention?
Guggenberger Eine sehr große. Nach Schadereignissen entstehen oft Freiflächen, die rasch vergrasen und austrocknen. Das erhöht die Brandgefahr. Deshalb sind eine konsequente Waldpflege und eine gute Erschließung mit Forstwegen wichtige Bausteine der Prävention. Sie erleichtern nicht nur die Bewirtschaftung, sondern im Ernstfall auch die Brandbekämpfung.
Was können Waldbesitzer nun ganz konkret tun?
Guggenberger Das Wichtigste ist Aufmerksamkeit. Gerade in Trockenperioden reichen oft kleine Unachtsamkeiten aus, um einen Brand auszulösen. Viele unterschätzen, was etwa eine weggeworfene Zigarette anrichten kann. Außerdem sollte man dort, wo es möglich ist, über Wasserentnahmestellen oder Löschteiche nachdenken. Dafür gibt es Fördermöglichkeiten über den Waldfonds. Allerdings funktioniert das nicht überall – in manchen Lagen fehlt schlicht das Wasser.
Hat dieser Einsatz deinen Blick auf den Wald verändert?
Guggenberger Ja. Wir müssen akzeptieren, dass Waldbrände künftig auch in Kärnten häufiger auftreten können. Darauf müssen wir uns einstellen – sowohl als Feuerwehren als auch als Waldbesitzer. Prävention wird künftig noch wichtiger werden.
Was ist dir von diesem Einsatz besonders in Erinnerung geblieben?
Guggenberger Dass man in solchen Situationen einen kühlen Kopf bewahren muss. Hektik hilft niemandem. Gleichzeitig darf man keine unnötigen Risiken eingehen. Menschenleben stehen immer an erster Stelle. Beeindruckt hat mich aber auch der enorme Zusammenhalt. Feuerwehren, Behörden, Einsatzorganisationen und die Bevölkerung haben gemeinsam an einem Strang gezogen. Das macht Mut – auch wenn der Wiederaufbau des Waldes viele Jahre dauern wird.
Welche Botschaft möchtest du den Mitgliedern des Waldverbandes mitgeben?
Guggenberger Waldbrand ist längst kein Thema mehr, das nur südliche Länder betrifft. Deshalb sollten wir unsere Wälder gut pflegen, die Infrastruktur erhalten und in Trockenzeiten besonders aufmerksam sein. Gute Vorbereitung ist die beste Form des Waldbrandschutzes.
Martin, vielen Dank für das Gespräch und die offenen Einblicke. Wir wünschen den betroffenen Waldbesitzern alles Gute für den langen Weg der Wiederbewaldung.
“Ein kleiner Waldbrand kann sich innerhalb weniger Minuten zu einem Großereignis entwickeln.”
Martin Guggenberger




