Schutzwald – Ansprüche steigen!

Artikel aus Ausgabe 2/2023

Vor internationalem Fachpublikum wurden am 17. März 2023 im Konzerthaus Klagenfurt die Helvetia Schutzwaldpreise verliehen. Neben Auszeichnungen im ganzen Alpenraum waren auch die Vorarlberger Projekte „Ludescher Frassenwald“ und die „Waldbücherei Montafon“ dabei.

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Ausgabe: 2/2023
Thema: Klimafitter Wald, Wald & Schutz, Waldbau
Bundesland: Vorarlberg
Autor:in: DI Thomas Ölz

Der Wald schützt vor Erosion, Steinschlag, Murgängen, Lawinen und Hochwasser. Eine Besiedlung des Alpenraumes ist überhaupt erst durch die schützende Wirkung des Waldes möglich. Auf ganz natürliche Weise sichert der Wald Gebäude, Höfe und Straßen und zwar besser und günstiger als jede technische Verbauung. Der Wald liefert darüber hinaus den wertvollen Rohstoff Holz. Er prägt das Gesicht der Landschaft, ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen sowie Ruhe- und Erholungsraum für den Menschen. Der Wald ist als Lebensgrundlage im Alpenraum von größter Bedeutung. Voraussetzung für einen funktionsfähigen Schutzwald ist eine stabile, gut strukturierte Bestockung sowie eine rechtzeitige Verjüngung. Deshalb ist eine vorausschauende, nachhaltige Pflege von enormer Wichtigkeit. Auf der Veranstaltung wurde mehrmals, zu Beginn vom Präsidenten des Gastgeberlandes Kärnten, die steigende Bedeutung und die noch höheren Herausforderungen durch den Klimawandel betont. Eine steigende Betroffenheit durch Muren oder Lawinen, die es im Alpenraum immer wieder gegeben hat, könnte sehr schmerzlich für uns alle ausfallen.

Die Arbeitsgemeinschaft Alpenländischer Forstvereine (ARGE) besteht seit 1981, ihre Mitglieder sind die Forstvereine Bayern, Graubünden, St. Gallen, Südtirol, Tirol, Vorarlberg, Kärnten und Liechtenstein. Durch gemeinsame Projekte und den Austausch von Erfahrungen wollen sie die Zukunft des Bergwaldes als naturnahen Lebensraum in den Alpen sichern. Der Schutzwaldpreis Helvetia wird 2023 zum 16. Mal vergeben. Seit 2014 ist die Versicherungsgruppe Helvetia Hauptsponsor des Schutzwaldpreises. Das Unternehmen engagiert sich seit Jahren für die Pflege und den Erhalt alpiner Schutzwälder.

Erfolge in Ludesch ausgezeichnet

Die jahrelange erfolgreiche engagierte Arbeit gegen Waldschäden, instabile Waldentwicklungen und inkonsequente Jagdbewirtschaftung in Ludesch wurde jetzt mit dem Alpinen Schutzwaldpreis in der Kategorie Erfolgsprojekte honoriert. Um die Erhaltung der Schutzwirkung des Waldes sicher zu stellen ist ab 1989 ein Sanierungskonzept in Umsetzung. Neben Erschließungsmaßnahmen wurden Aufforstungsmaßnahmen und viele technische Maßnahmen gegen Lawinen und Hangrutschungen gesetzt. In dem sehr schwierigen Gelände erfolgte die Ausführung der anspruchsvollen Arbeiten (Verjüngungseinleitung mit Seilkrannutzungen, Querfällungen, Schneegleitverbauungen mit temporären Holzwerken, Aufforstung und Pflege) durch eine Gruppe von sehr engagierten Nebenerwerbslandwirten, die über viele Jahre die wichtigsten Projektarbeiten ausgeführt haben. Das brachte Wertschöpfung bei den beteiligten Landwirten, ermöglichte aber auch eine kostensparende Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen für Gemeinde, Land und Bund.

Jagd: Nach auf und ab Eigenbewirtschaftung

Um das Aufkommen der Mischbaumarten zu ermöglichen ist seit Beginn ein Schwerpunktbejagungsgebiet eingerichtet worden. Die Bejagung erfolgte in der praktischen Umsetzung allerdings über viele Jahre nicht mit der notwendigen Effizienz bzw. Kontinuität, die erforderlich gewesen wäre, um neben der Fichte auch das Aufkommen der Mischbaumarten zu gewährleisten. Die Wildschadenssituation war gekennzeichnet durch ein auf und ab von Phasen mit positiver Entwicklung und Rückschlägen. In den letzten ca. zehn Jahren konnte schließlich über einen längeren Zeitraum eine langsame, aber kontinuierliche Verbesserung der Situation erreicht werden. Die Agrargemeinschaft Ludesch hat die jagdliche Bewirtschaftung des Gebietes übernommen (Eigenbewirtschaftung), um eine nachhaltige Stabilisierung des Wildeinflusses auf einem verträglichen Niveau sicher zu stellen. Das Jagdgebiet wurde in neun Pirschbezirke (Fläche zwischen 70 und 140 ha) aufgeteilt und wird jeweils auf nur ein Jahr vergeben. Sofern es Probleme auf der Fläche gibt, kann von Seiten des Forstbetriebsorganes jeweils zusätzlich jagdlich eingegriffen werden. Die Bejagung konnte seither deutlich effizienter gestaltet werden, was an den Verjüngungserfolgen bereits deutlich sichtbar ist.

Neue Kommunikationswege: Waldbücherei

Die Zusammenarbeit der Waldschule Montafon und der Bibliothek des Standes Montafon bringt eine neue öffentliche Kommunikation zum Thema Wald und besonders zum Schutzwald. Das „Waldregal“ der Bücherei übersiedelt im Sommer für eine Woche mit vielen begleiteten Aktionen in das Waldschulgebäude am Kristberg. Das Projekt erhielt bei der Alpinen Schutzwaldpreisverleihung 2023 eine Auszeichnung.

Die „Sommerwoche der Waldbücherei“ stellte eine bunte Mischung aus verschiedenen Öffentlichkeitsarbeitsveranstaltungen dar. Mit der Waldbücherei im Hintergrund, die lediglich an die Öffnungs- und Schließungszeiten morgens und abends gebunden ist und dauernd durch fachlich geschultes Personal betreut ist, wird Waldwissen in unterschiedlichster Art und Weise sowie Niveau, den ganzen Tag über verbreitet. Zudem ist der Wald über das eigene Regal das ganze Jahr über in der Bibliothek Montafon präsent und wird sehr gut angenommen. Die Bibliothek kann zu den normalen Öffnungszeiten in der Batloggstraße 36 in Schruns besucht werden. Den Termin für die Waldbücherei-Woche im Sommer erfahren Sie auf der homepage www.stand-montafon.at/waldschule oder bei DI Sylvia Ackerl unter sylvia.ackerl@stand-montafon.at.

„Erst mit einer konsequenten Reduzierung des Wildeinflusses konnte eine kontinuierliche Verbesserung erreicht werden!“

Ing. Martin Schanung,
Bürgermeister Gemeinde Ludesch

Nach einem auf und ab konnten jetzt mit der Jagd-Selbstbewirtschaftung schöne Erfolge in der Waldverjüngung erreicht werden. Der Wald kann wieder Schutzwaldleistungen erfüllen.

Daniel Ritter, Waldaufseher Gemeinde Ludesch, Ing. Martin Schanung, Bürgermeister Gemeinde Ludesch, Ing Mario Vaschauner, Forstbetriebsleiter Gemeinde Ludesch bei der Übergabe des Schutzwaldpreises in Kärnten

Obmann Walter Amann und Thomas Ölz gratulierten den zwei Damen Karin Valasek und Sylvia Ackerl für Auszeichnung bei der Helvetia Schutzwaldpreisverleihung in Kärnten.

Mit einem Waldbücherregal und einer bunten Mischung von Veranstaltungen geht man im Montafon neue innovative Kommunikationswege. Im Bild eine Gruppe vor dem Gebäude am Kristbergsattel.

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