„Schatzsuche“ im Bauernwald

Artikel aus Ausgabe 1/2023

Waldhelfer Paul Palmetshofer zeichnet verantwortlich für die „Sensationsfichte“ der zweiten OÖ Nadelwertholzsubmission mit einem Erlös von beachtlichen 1.029 € pro Festmeter (fm). Dabei ist Paul ein Wiederholungstäter. Auch im Vorjahr war er an der Auswahl und Lieferung der teuersten Tanne am Platz, welche ein Gebot von 457 € pro fm erreichte, maßgeblich beteiligt.

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Ausgabe: 1/2023
Thema: Wertholz, Wertholzsubmission
Bundesland: Österreich
Autor:in: Mag. Roland Hinterberger

Zufall, Glück oder steckt da doch mehr dahinter? Eines ist gewiss, Paul Palmetshofer überlässt nichts dem Zufall! Fachliche Kompetenz, jahrelange Erfahrung im Umgang mit Nadelwertholz und akribische Vorarbeit sind der Garant für derartige Spitzenpreise. In der nachfolgenden Reportage gibt uns Paul Palmetshofer spannende Einblicke zur „Schatzsuche“ im Bauernwald und verrät uns, wie man diese versteckten „Juwelen“ im Wald findet und wie man sie bestmöglich behandelt.
Paul Palmetshofer vulgo „Obergrafeneder“ lebt und wirkt auf seinem Erbhof im schönen St. Georgen am Walde im unteren Mühlviertel und ist ein echter Wertholzfuchs! Paul besitzt selbst ca. 32 Hektar Wald und ist seit 1998 als Waldhelfer beim Waldverband OÖ tätig. Die Leidenschaft für Wald und Holz wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt. Mit seinem Vater, ebenfalls Waldhelfer, war er bereits seit Kindertagen im Wald aktiv. Sein besonderes Steckenpferd ist dabei das Nadelwertholz. Erstmals vor
15 Jahren kam ihm die Idee einer besonderen Vermarktung von hochqualitativen Stämmen, welche beispielsweise Verwendung im Instrumentenbau oder als Fensterkantel fanden. So wundert es auch nicht, dass Paul Palmetshofer eine treibende Kraft bei der Initialisierung der oberösterreichischen Nadelwertholzsubmission war, welche heuer bereits zum zweiten Mal abgehalten wurde.

Wo und wie findet man aber nun diese „Juwelen“ des Bauernwaldes?
Palmetshofer Wir liegen hier auf ca. 860 Meter Seehöhe und unsere Waldgebiete sind sehr stark von Nadelholz dominiert (90 bis 95 % Nadelholzanteil). Ein weiterer Vorteil ist, dass wir hier im gesamten Mühlviertel viele plenterartige Waldstrukturen vorfinden, welche auf die jahrhundertelange traditionell bäuerliche Bewirtschaftungsform zurückzuführen sind. In diesen Beständen finden sich auch immer wieder Spitzenstämme. Manche Bäume sind beachtliche 200 bis 300 Jahre alt. Derartige Waldgebiete gibt es in unserer Region hektarweise. Meiner Erfahrung nach stehen die Chancen solche „Juwelen“ zu finden in Gräben oder auf Nord- bzw. Nord-Ost-Lagen am besten. Westseitig oder auf Kuppen sind derartige Spitzenqualitäten eher nicht zu finden, da aufgrund der Windexposition die Bäume oftmals Harzgallen aufweisen. Ich bin überzeugt davon, dass in unseren Wäldern noch viele verborgene Schätze schlummern!

Wenn man nun einen potenziellen „Schatz“ in Aussicht hat, wie geht es dann weiter?
Palmetshofer Vorweg möchte ich sagen: Man braucht viel Zeit und Liebe für diese besonderen Stämme! Durch meine Tätigkeit als Waldhelfer bin ich mit meinen Beratungen, Auszeigen und Holzvermarktungstätigkeiten das ganze Jahr über in den Wäldern unserer Region unterwegs und habe daher schon einen guten Überblick über die potenziellen Spitzenstämme. Die Vorauswahl der Stämme erfolgt immer stehend. In weiterer Folge muss man unbedingt vor dem Fällen nochmals dort sein und die Position des ersten Fehlers am Stamm markieren, damit daraus die Ausformung, Fällrichtung, Abfuhrrichtung, etc. definiert werden kann. Es kommt schon mal vor, dass auch andere Bäume weichen müssen um eine optimale Fällung durchführen zu können. Wenn der Baum gefällt ist und den Qualitätskriterien entspricht, folgt die Feinarbeit. In der Ausformung liegt das Geld, hier muss man sich Zeit nehmen. „Die Braut gehört ordentlich aufgeputzt!“ D. h. es werden sowohl der Stammfuß als auch das Zopf-Ende erforderlichenfalls mehrfach nachgeschnitten. Beim Transport aus dem Wald und bis hin zum Submissionsplatz ist äußerste Sorgfalt anzuwenden, damit das Bloch dann auch unbeschadet ans Ziel kommt. Dies alles ist nur möglich, wenn man professionelle Unternehmer vor Ort hat. Das müssen Profis machen, hier darf man nicht am falschen Ort sparen. Mich freut es persönlich, dass am Beispiel der „Sensationsfichte“ die gesamte Wertschöpfung (Schlägerung, Rückung, Transport, etc.) bei uns in der Region bleibt.

Wie ist dein persönliches Resümee zur Nadelwertholzsubmission?
Palmetshofer Man muss die Sache selbst in die Hand nehmen, wenn man ein gutes Ergebnis erreichen will! Das Feld den anderen zu überlassen und dann nur darüber zu „jammern“ ist der falsche Weg. Ich sehe die Nadelholzsubmission als eine Art der Direktvermarktung: vom Urprodukt direkt zur Endverarbeitung. Mit unserem heimischen Holz haben wir ein super Urprodukt und die Produzenten:innen sollen damit auch die bestmögliche Wertschöpfung erzielen! Mit der Wertholzsubmission ist uns als Waldverband ein wichtiger und guter Schritt in die richtige Richtung gelungen.

Abschließend bedankt sich der Waldverband OÖ auch auf diesem Wege ganz herzlich bei Waldhelfer Paul Palmetshofer für die spannenden Einblicke. Wir wünschen ihm weiterhin viel Erfolg bei der „Schatzsuche“ und sind schon gespannt auf die nächste Nadelholzsubmission. Potenzielle Submissionsstämme können das ganze Jahr über dem Waldhelfer gemeldet werden, denn nach der Submission ist vor der Submission.

Tipp vom Wertholzfuchs

Ein wichtiges Indiz ist die Stammform: Der Stamm sollte neben der äußerlichen Fehlerfreiheit (Äste, Verletzungen, Risse,…) auch möglichst rund sein. Ein ovaler Stamm deutet meist schon auf Buchs oder Harzgallen hin.

Paul Palmetshofer war sichtlich erfreut über das Top-Ergebnis.

Äußerste Sorgfalt ist auch beim Transport entscheidend.

„Die Braut gehört ordentlich aufgeputzt!“ schmunzelt Paul Palmetshofer.

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