Plädoyer für eine intensive Bejagung

Artikel aus Ausgabe 3/2018

„Die Gesamtfläche der Gemeindejagd beträgt 400 Hektar, davon sind allerdings nur 95 Hektar Wald. Wir zählen auf 100 Hektar 13 Rehe, die sich meist nur in den Wälder aufhalten. Jetzt soll mir einer erklären, wie einfach sich hier eine naturnahe Waldbewirtschaftung mit Naturverjüngung ohne Wildverbissschutz umsetzen lässt.“, meint Franz Uller.

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Ausgabe: 3/2018
Thema: Wald & Jagd, Wald & Wirtschaft
Bundesland: Steiermark
Autor:in: Maximilian Handlos

Franz Ullers Kompromissbereitschaft kennt Grenzen und eine aktive Mischwaldbewirtschaftung mit einem viel zu hohen Wildbestand umzusetzen, braucht Kraft, Energie und viele Ressourcen. Das Aufkommen von Tanne und Eiche ohne Schutz ist unmöglich. „Ich war eigentlich immer dagegen, dass Waldflächen zum Schutz gegen das Wild großflächig eingezäunt werden. Denn dann konzentriert sich das Wild noch mehr auf die restlichen Flächen. Aber offensichtlich geht es derzeit nicht anders.“ Mit Unterstützung des Waldverbandes konnte der Abschuss im betroffenen Gebiet erhöht werden. „Ich appelliere an alle Waldbesitzer, bei Wildschäden genau hinzusehen und diese unbedingt zu melden. Eine Waldbewirtschaftung, die Anforderungen von Ökologie und Ökonomie berücksichtigt, muss aus meiner Sicht ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen möglich sein.“ Franz Uller erwartet sich von der Interessensvertretung, dass sie sich diesem Thema noch mehr annimmt und ganz klar dazu steht, dass Wald vor Wild ein Gebot der Stunde ist.

Landwirtschaft ist wichtig

Der Betrieb Uller zeigt sich sehr vielfältig. Seit 45 Jahren werden hier Hühner gemästet. In den 80er Jahren zählte der Betrieb mit 10.000 Mastplätzen zu den Größten in der Region. Heute finden rund 8.500 Hühner mit AMA-Gütesiegel Platz, die aus regionalen Brütereien stammen. Das Heu vom biozertifizierten Grünland wird als Kleinballen an Pferdebetriebe verkauft. Auf den Ackerflächen finden sich Soja, Mais und Dinkel, welches den Absatz bei regionalen Mühlen finden. Besonders Soja, der den Anbau von Ölkürbis ersetzt hat, zeigt sich hier am Betrieb sehr ertragreich. Dem Anbau dieser Frucht steht Uller sehr positiv gegenüber: „Denn wir hier in Europa können Soja ohne Veränderung durch Gentechnik garantieren. Und wenn die großen Handelsketten von den Rinder- und Schweinemastbetrieben fordern, dass den Tieren nur Futtermittel gefüttert werden, welches nicht gentechnisch verändert wurde, entsteht zukünftig eine große Nachfrage nach unseren Produkten.“

Katastrophensommer

Der 25. Juli 2015 bleibt sehr stark in Erinnerung – zehn Minuten Gewittersturm reichten aus, um in der Region rund um Feldbach mehr als 15.000 Festmeter Windwurfholz anfallen zu lassen. Ein 50-jähriger Fichtenbestand am Betrieb war auch betroffen – 1,5 Hektar fielen dem Sturm zum Opfer. Uller meint sehr nachdenklich, dass es heute noch schmerzt. Andererseits erkannte er auch die Botschaft, dass der Umbau seiner Wälder in eine Mischwaldgesellschaft noch rascher vor sich gehen muss. Der Waldbauer betont, dass der Waldverband bei der Aufarbeitung bei dieser für diese Region doch beträchtlichen Holzmengen Großartiges geleistet hat. Um Waldhelfer Manfred Seidnitzer drehte sich die gesamte Organisation, die top organisiert war. Zehn Harvester wurden in der Aufarbeitung eingesetzt und für die 110 betroffenen Waldbesitzer in dieser schwierigen Situation eine sehr wertvolle Unterstützung darstellten.

Drei Wochen nach dem Gewittersturm erfolgte der letzte Abtransport von Windwurfholz und auch das Restholz, wie Faser- oder Energieholz, lagerte bereits außerhalb der Wälder. Für Familie Uller sind die Mitarbeiter des Waldverbandes viel mehr als nur Berater und Holzvermarkter: „Sie sind großartige Unterstützer der Betriebe und leisten wertvolle psychologische Unterstützung. Sie richten durch ihr Engagement, Waldbesitzer die von großen Herausforderungen in der Bewirtschaftung ihrer Wälder getroffen werden, wieder moralisch auf. Denn es ist schon heftig, wenn gerade dein Wald, der sich in der besten Wachstumsphase befindet, plötzlich vom Sturm vernichtet worden ist.“

Waldgesellschaft umstellen

Uller schätzt die Arbeit seiner Eltern am Betrieb, die sie geleistet haben, ganz besonders. Mit sehr guten Rücklagen im Wald konnte er den doch eher kleinen Betrieb übernehmen und nach wie vor im Vollerwerb führen. Sicherlich, es waren zum großen Teil überalterte Fichtenbestände, die damals einen hohen Holzvorrat repräsentierten. Leider zeigte die Veränderung des Klimas auch hier am Betrieb seine Auswirkungen. Der Borkenkäfer und die Anfälligkeit der ausgewachsenen Fichten bei stärkeren Stürmen forderten ein grundlegendes Umdenken bei der Waldbewirtschaftung und die Bildung einer neuen Form der Waldgesellschaft. Heute zeigt sich der Wald in einem laubholzdominierenden Mischwald.

Vom hohen Fichtenanteil der Vorgeneration lässt sich kaum mehr etwas finden. Waldbauer Uller sieht diese Notwendigkeit der letzten Jahre und den beinahe Vollverzicht auf die Fichte überhaupt nicht mit Wehmut. Mit viel Freude führt er durch seinen Wald und erzählt mit großer Überzeugung von seinen Erkenntnissen und Erfahrungen. 2.500 Laubbäume und 1.000 Tannen pflanzten die Ullers in den letzten zehn Jahren. Und das bei einer Waldfläche von nur elf Hektar. Mindestens drei Hektar wurden neu aufgeforstet und auch die Naturverjüngung wurde gefördert, wo immer es möglich war.

Genug genügt

Familie Uller sieht große Herausforderungen auf die Landwirtschaft zukommen: „Lebensmittelkonzerne haben uns in der Hand und das Konsumverhalten der Gesellschaft treibt uns immer mehr in die Abhängigkeit der großen Handelsketten. Lebensmittel waren noch nie so billig wie heute, wir haben noch nie so viel verdient und trotzdem ist die Menschheit so hoch verschuldet wie noch nie.

Schnäppchenangebote überfüllen den Markt und wir Bauern als Produzent bezahlen als letzter der Kette den Preis dafür. Wie können Sonderangebote beim Fleisch günstiger sein als das Katzenfutter?“ Die Familie klagt auch darüber, dass sie am Markt kaum noch gute Qualitäten sehen. Das führt dazu, dass die Selbstversorgung einen immer höheren Stellenwert einnimmt. Selbstverständlich wird Gemüse im immer größer werdenden Garten angebaut und auch das Brot wird im steinernen Brotbackofen selber gebacken. Da sehr viele Stammkunden das ursprüngliche Brot lieben gelernt haben, hat sich das Brot backen zu einer zusätzlichen Einkommensquelle entwickelt.

Sie plädieren für mehr Solidarität unter den Bauern und dass es nicht verboten ist, dass Bauern direkt beim Bauern einkaufen. Trotzdem sieht Familie Uller sehr positiv in die Zukunft. Die Überzeugung, dass Zufriedenheit und innovative Ideen den Betrieb überleben lassen, zeigt sich sehr stark. Auch der Junior setzt sich mit großer Leidenschaft für das Weiterbestehen des Betriebes ein. Er arbeitet derzeit zwar noch als Maurer auswärts, stellt aber sein Engagement und seine Arbeitskraft dem Familienbetrieb zur Verfügung. Silvia Uller beschreibt sehr plakativ eine Lebensphilosophie, die die Familie sehr stark prägt. „Wenn das Geld zum Ziel wird, dann bist du nur der Getriebene! Weniger ist mehr und das in vielerlei Hinsicht. Denn Heini Staudinger stellte schon klar: „Es ist nie zu wenig, was genügt!“

Fakten & Details

Familie
Franz und Silvia Uller
Raabau 45, Feldbach

Silvia Uller arbeitet als Teilzeitbuchhalterin, Sohn Andreas, 21 Jahre alt, besuchte wie schon sein Vater und Großvater die Fachschule Hatzendorf, ist land- und forstwirtschaftlicher Facharbeiter und arbeitet nach einer Lehre derzeit als Maurer. Auch die Eltern Johanna und Franz leben am Betrieb.

Maschinenausstattung für den Forst
70 PS Allradtraktor
5,5 to Funkwinde
Rückezange und Holzkrananhänger in Gemeinschaft
verschiedene Motorsägen und als wichtigstes Werkzeug für die Laubholzerziehung Astzange, Astsäge und Hochentaster

Betriebsgröße
15 ha Acker, 4 ha Grünland, 11 ha Wald

Auf einer Anhöhe mit Blick auf Feldbach liegt der Betrieb von Familie Uller. Die Botschaft ist klar und einfach: Zufrieden sein und positiv in die Zukunft blicken.

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