Fichtenbestände auf Standorten, wo sie nicht hingehören, werden der Vergangenheit angehören. Außer man nimmt ein hohes Risiko in Kauf. Ein Umbau dieser Flächen hin zu naturnahen Wäldern mit einem geringen Fichtenanteil wird in naher Zukunft notwendig sein.
Trockenresistente Fichten gesucht
Dabei darf aber nicht vergessen werden: Die Fichte ist auf rund 1,3 Millionen Hektar in Österreich Teil der potentiell natürlichen Waldgesellschaft und gilt auf dieser Fläche derzeit noch als standortsangepasst. Hierzu gehören beispielsweise der Fichten-Tannen-Wald sowie der Fichten-Tannen-Buchenwald. Diese Waldgesellschaften finden sich vor allem im zentralen und westlichen Teil Österreichs wieder. In diesen Regionen wird die Fichte auch weiter eine enorme wirtschaftliche Rolle spielen.
Die Waldgenetik geht davon aus, dass nicht alle Fichten gleich anfällig gegenüber Trockenstress und Borkenkäfer sind. Ein Projekt am BFW versucht, ,,gallische Dörfer” unter den heimischen Fichten zu finden, um ihre Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit und Borkenkäfer für zukünftige Anpassung gegen die Folgen der Klimaerwärmung zu nutzen.
„Für uns war interessant zu beobachten, dass selbst nach extrem hohem Trockenstress und Borkenkäferbefall nicht alle Fichten gleich reagieren, sondern stets einige wenige Bäume äußerst vital übrig bleiben, während der Großteil des Bestandes bereits nach wenigen Wochen stirbt“, erklärt Thomas Geburek vom Institut für Waldgenetik des BFW. Diese gesunden Bäume und ihre Gene könnten für die Anpassung zukünftiger Fichtengenerationen im Klimawandel eine zentrale Rolle spielen. Diese trockentoleranteren Herkünfte sollen nicht dazu dienen, die Fichte wieder in den heutigen Fichtenschadgebieten einzubringen, sondern sie werden dort gepflanzt, wo heute noch keine Probleme vorliegen.
Das Projekt FichtePLUS verfolgt das Ziel, diese wertvollen Gene zu markieren und für zukünftige Züchtungsvorhaben zu nutzen. Vitale PLUS-Fichten, die innerhalb großer Schadflächen überlebt haben, werden aufgesucht und für die Zukunft gesichert (www.fichteplus.at). Rund 100 solcher PLUS-Fichten konnte das Institut für Waldgenetik im Herbst 2018 und Winter 2019 bereits identifizieren und erfolgreich sichern.
Die Mischung senkt das Risiko
Über Nadelholz in neuen Waldbaukonzepten macht sich Silvio Schüler vom Institut für Waldwachstum und Waldbau des BFW zunehmend Gedanken. Hier braucht es einen neuen Zugang, weg vom statischen, hin zu einem dynamischen Denken. Bis jetzt gingen die Waldbewirtschafterinnen und Waldbewirtschafter davon aus, dass die Bedingungen für einen Standort gleich bleiben: Es fällt im Durchschnitt immer die gleiche Menge an Niederschlag, auch die Temperatur bleibt gleich. Damit ist es vorbei. An der Stelle, wo früher gute Bedingungen für den Anbau von Fichte herrschten, werden in fünfzig und hundert Jahren andere herrschen.
Schüler empfiehlt, auf solchen Standorten den Anteil an Nadelhölzern zu senken und besser auf eine möglichst breite Mischung an Laubbaumarten zu setzen. Mischwälder minimieren das Risiko im Klimawandel, da sie Störungen leichter ausgleichen können und daher gegenüber Schädlingen weniger anfällig sind als Reinbestände.
Applaus für den Ahorn
Um mehr über die genetische Vielfalt des Berg- und Spitzahorns zu erfahren, arbeitet Heino Konrad vom Institut für Waldgenetik des BFW an einem Projekt, das sich zum Ziel setzt, die Zukunft dieser wichtigen Mischbaumarten zu sichern.
Der Bedarf an Bergahorn in Österreich ist hoch. So hoch, dass die heimischen Samenplantagen mit der Produktion nicht nachkommen und ausländisches Material einführen müssen, das womöglich nicht standortsangepasst ist oder zu geringe genetische Vielfalt aufweist. Wichtig ist die genaue Nachverfolgung der Herkunft des Materials, um zu verhindern, dass falsch deklariertes Vermehrungsgut in den Handel kommt.
Der Spitzahorn wiederum gehört zu den selteneren Waldbaumarten und wird im Vergleich zum Bergahorn im Wald weniger gepflanzt, obwohl das Holz vielseitig verwendbar und wertvoll ist. Die Baumart hat ein kontinental geprägtes Verbreitungsgebiet und gilt generell als trockenresistenter als der Bergahorn. Dem Spitzahorn wird in Folge der Klimaerwärmung künftig auch eine erhöhte Bedeutung in den Wäldern Österreichs zukommen. Leider ist derzeit kaum regional angepasstes Saatgut erhältlich: 95 Prozent wird aus dem Ausland eingeführt. Dieses Problem erkennen nun Experten zunehmend. Das Projekt Applaus will nun – gefördert durch Mittel von Bund, Ländern und der Europäischen Union und in Kooperation mit vier Bundesländern – diesen Umständen entgegentreten.
Auf dem Programm stehen die Erstellung einer Gendatenbank zu den bereits in Samenplantagen gesicherten Klonen des Bergahorns, die Suche nach Spitzahorn-Populationen, die künftig beerntet werden können und der Aufbau eines Klonarchives für den Spitzahorn, in dem ein wichtiger Teil seiner genetischen Vielfalt in Österreich gesichert wird. Alle Aktivitäten stehen im Zeichen einer nachhaltigen Aufforstung der österreichischen Wälder mit Berg- und Spitzahorn. Auch wenn diese beiden Arten als Einzelbäume breitenwirksam attraktiv sind, wird einiges an Wissensvermittlung notwendig sein, um das Wissen über diese Art auch in der Forstpraxis zu festigen.
Die Schwarzkiefer – ein Hoffnungsträger?
Bestimmten Baumarten wie der Schwarzkiefer (Pinus nigra) werden aufgrund ihres mediterranen Charakters ein gewisser Wachstumsvorteil und höhere Überlebenschancen unter künftigen Klimabedingungen nachgesagt, jedoch berücksichtigen diese Prognosen keine Wechselwirkungen zwischen klimatischen Stressfaktoren und einem Befall durch Krankheitserreger. Speziell die Schwarzkiefer ist eng mit dem Pilz Diplodia sapinea (dem Diplodia-Kieferntriebsterben) verbunden, welcher als Wund- und Schwächeparasit auftritt und sich epidemieartig ausbreiten kann.
Das Projekt ASKFORGEN verfolgt das Ziel, wertvolle Waldökosysteme, welche maßgeblich von Schwarzkiefern geprägt sind, langfristig gegen klimatisch-bedingte Epidemien des Kieferntriebsterbens anzupassen. Dabei soll die bereits bestehende innerartliche genetische Variation der Schwarzkiefer nutzbar gemacht werden. Schlussendlich soll ein Managementplan und ein waldbaulicher Leitfaden für Waldbesitzerinnen und Behördenvertreter erstellt werden. Das Projekt wird gefördert durch Mittel von Bund, Ländern und der Europäischen Union.




