Auf etwa 850 Metern Seehöhe, rund drei Kilometer von der Hauptstraße entfernt, liegt der abgelegene, idyllische Hof von Simon Prietl. Er bewirtschaftet rund 55 Hektar Wald, 17 Hektar Grünland und 13 Hektar Alm. Der Land- und Forstwirt sowie Jäger lebt gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Sandra, den drei Töchtern Isabella, Lena und Theresa und seinem Vater Andreas am Hof und führt diesen bereits in fünfter Generation.
Sein Arbeitstag beginnt täglich im Stall: Dort versorgt er etwa zehn Mutterkühe mit 30 Kalbinnen, einen Stier und zwei Schweine. Nach einem Brand im Jahr 2007 wurde der Betrieb von Milchvieh auf Mutterkuhhaltung umgestellt, wodurch sich die Familie heute weitgehend selbst versorgen kann.
Nach dem Stallgang geht es ab in den Wald und das jeden Tag. Das führt dazu, dass er jeden Quadratmeter und jeden Baum kennt. Der Vormittag ist reserviert für die Forstarbeit, der Nachmittag für die Landwirtschaft. Dazwischen wird gemeinsam mit der Familie zu Mittag gegessen, ein wichtiger Bestandteil im Tagesablauf. Wann immer es möglich ist, werden auch die drei Töchter bei jedem Arbeitsschritt miteinbezogen. Simon ist es sehr wichtig, dass auch seine Kinder einen engen Bezug zu ihren Wurzeln, der Landwirtschaft, haben.
Wie sieht es im Wald aus?
„Alle wollen einen klimafitten Wald, aber den wenigsten ist bewusst, was das wirklich bedeutet“, meint Simon. Damit ein klimafitter Waldumbau gelingt, bedarf es einiges an Arbeit. Regelmäßig wird mit vielen unterschiedlichen Baumarten – bis auf die Fichte – aufgeforstet, um einen vielfältigen Bestand zu garantieren. In den letzten Jahren wurden etwa 9.000 Bäume gepflanzt. Simon Prietl setzt auf Baumartenvielfalt, denn man weiß in 50, 60 Jahren ja nicht, welche Baumart gefragt sein wird. Deswegen möchte er der nächsten Generation so viele unterschiedliche Mutterbäume wie möglich hinterlassen, die im Idealfall dann auch von alleine nachkommen.
Das Ergebnis lässt sich sehen: Ein heller Wald mit viel Grün und noch mehr Nachwuchs. Doch der Wald wächst nicht nur dank Aufforstung. Mittlerweile wachsen Tanne, Eiche, Buche, Lärche, Kiefer und viele weitere Baumarten von selbst nach. Hier gibt es auch tierische Helferleins: das Eichhörnchen und der Eichelhäher sind ziemlich gut darin, die Samen der Bäume zu verteilen. Dies wird auch gezielt unterstützt durch Fütterungen aber auch Nistkästen. Auch hier sind die drei Töchter immer mit dabei. Langfristig ist das Ziel, dass man nur noch mit Naturverjüngung arbeitet. Teilweise wurden auch schon Dauerwaldstrukturen im Wald von Simon errichtet, insbesondere die Tanne ist hier sehr gut geeignet.
Wald und Wild im Einklang
Das größte Hindernis bei dieser Art der Bewirtschaftung ist jedoch der Wildverbiss. Gerade die vielen Tannen wurden zum Buffet für das Reh-, Rot-, Dam-, und Gamswild. Dadurch entstand die Angst, dass die gesamte Naturverjüngung gefressen wird und ein Waldumbau zu einem klimafitten Wald gar nie stattfinden kann. Als Jäger möchte Simon dem Ganzen entgegenwirken und er hat auch eine sehr genaue Vorstellung davon. Wild wird ausschließlich in der Früh erlegt und auch nur im Wald. Er möchte, dass das Wild auf die Wiesen geht, bietet auch genügend Fressalternativen wie z. B. Haselsträucher. Simon Prietl mag zwar mehr Wild erlegen als in der „Branche“ üblich, aber er hat den Bestand genau unter Kontrolle und kennt ihn durch den täglichen Gang in den Wald und genaue Beobachtungen auch sehr gut. Es gibt weniger Tiere, diese sind aber dafür über die Jahre kräftiger und gesünder geworden und auch die Naturverjüngung kann sich größtenteils gut entwickeln. Mittlerweile befinden sich auch vier Weiserflächen in seinem Wald und hier sieht man sehr plakativ, wie gut und schön vor allem die Tannen wachsen – wenn man sie nur lässt.
Seine Vorgangsweise stößt jedoch nicht immer auf Verständnis, im Gegenteil. Die Kritik mag berechtigt sein oder auch nicht, doch wenn man erstmal genauer hinhört und -sieht merkt man recht schnell, dass hier kein Schritt unüberlegt stattfindet. Simon Prietl kennt seinen Wald in- und auswendig und er macht sich sehr viele Gedanken darüber, wie eine klimafitte Waldbewirtschaftung im Einklang mit dem Wildbestand aussehen kann. „Ich will das Wild ja nicht komplett ausrotten, sondern eine gesunde Balance zwischen Wald und Wild finden“, so der 38-jährige. Sein Weg scheint erfolgreich zu sein, denn wo man auch hinsieht, fast überall kommt die Naturverjüngung nach. Durch die aktive Bewirtschaftung des Waldes und aktives Wildmanagement kann sich dieser sehr gut entwickeln und es wird ein solider Grundstein für die zukünftigen Generationen gebaut.
Von Anfang an dabei
Der Betrieb ist seit den Anfangsjahren des Waldverbands Mitglied. 1992 wurde die WWG Leoben gegründet, die später zum Waldverband Leoben wurde, und seitdem ist auch der Betrieb von Simon Prietl mit dabei. Die jahrelange Zusammenarbeit und das dadurch entstandene Vertrauen zeigt sich besonders in Krisenzeiten. Als 2022 der Sturm an einem Donnerstag durch den Bezirk Leoben fegte, hinterließ dieser eine Spur der Verwüstung. Rund 860.000 Festmeter Holz – etwa 3.000 fm alleine am Betrieb von Simon Prietl – lagen plötzlich auf dem Boden und mussten aufgearbeitet werden. Auch im Jahr darauf fielen aufgrund eines Sturms rund 1.000 fm Sturmschäden an. Während vielerorts der Schock noch tief saß, fuhr am Montag darauf bereits der Harvester durch die Bestände von Simon. Kurz darauf konnte auch schon die erste Lieferung Holz erfolgreich vermarktet werden, obwohl die Marktlage durch den Windwurf angespannt war. Dass das so schnell ging, ist einerseits den vielen, gut ausgebauten Forststraßen und andererseits der professionellen Abwicklung durch den Waldverband zu verdanken.
Herausforderungen als Chance
Trotz der großen Schäden, die die Stürme hinterlassen haben, sieht Simon Prietl die Lage als Chance, seinen Wald klimafit weiterzuentwickeln. Die meisten Arbeiten erledigt er selbst, unterstützt von Traktor und Seilwinde. Auch sein Vater Andreas ist noch im Wald unterwegs und packt fleißig mit an. Als größte Herausforderung nennt er die Bürokratie und wünscht sich mehr Zeit für den Wald statt für Papierkram – insbesondere im Hinblick auf die kommende EUDR-Regelung sowie das Renaturierungsgesetz.
Fakten & Details
Familie
Simon Prietl mit Lebensgefährtin Sandra den drei Töchtern Isabella, Lena und Theresa sowie Vater Andreas
Brunn 5, 8770 St. Michael in der Obersteiermark
Betriebsgröße
55 Hektar Wald
17 Hektar Grünland
13 Hektar Alm (gepachtet)
Landwirtschaft
Milchwirtschaft bis 2007, seither Mutterkühe und Kalbinnenaufzucht mit
10 Mutterkühen und 30 Kalbinnen sowie ein Zuchtstier und zwei Schweine
Baumartenverteilung
60 % Fichte, jeweils 15 % Lärche,
10 % Kiefer, 5 % Tanne und 10 %
sonstiges Laubholz
Maschinenausstattung für den Forst
Traktor 120 PS, Traktor mit 150 PS,
12 to-Seilwinde, Holzanhänger, Holzspalter, Entrindungsmaschine für
Herstellung von Zaunstipfeln
Wunderschöne Aussicht auf den Hof von Simon Prietl.
Weiserfläche im Wald zeigt deutliche Unterschiede auf.




