Mulchen: Ja oder Nein?

Artikel aus Ausgabe 1/2024

Die Flächenvorbereitung durch Mulch- oder Fräsgeräte erhitzt immer wieder die Diskussion in der Forstwirtschaft. Auf großen Schadensflächen kommen diese Geräte verstärkt zum Einsatz. Überwiegen nun die Vorteile oder die Nachteile oder sollte generell wegen der starken Bodenverdichtung darauf verzichtet werden?

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Ausgabe: 1/2024
Thema: Wald & Wirtschaft, Waldboden
Bundesland: Österreich
Autor:in: DI Karl Schuster

nd kaum zu finden, das Thema Bodenverdichtung wird hauptsächlich im Zusammenhang mit der Ernte mit Harvester und Forwarder behandelt. Ableitungen daraus sind aber nur teilweise sinnvoll, weil beim Mulchen ja die gesamte Fläche befahren wird. Andererseits sind die Geräte fürs Mulchen leichter als bei der Nutzung.

Was ist überhaupt Mulchen?

Beim Mulchen muss man verschiedene Arbeitsabläufe unterscheiden.

  • Das Zerkleinern von Überholz wie Ästen und Wipfeln dient zur Verringerung des Forstschutzrisikos z.B. bei Kupferstechergefahr.
  • Das Entfernen von Stockausschlägen oder Aufwuchs von Weichlaubhölzern ist oft notwendig, wenn eine Aufforstung verspätet durchgeführt wird.
  • Das Abfräsen von Stöcken hat verschiedene Vorteile, einerseits kann nachher maschinell gepflanzt und gepflegt werden, andererseits wird das Risiko von Befall der Nadelholzforstpflanzen durch den Großen braunen Rüsselkäfer reduziert, da dieser sich ja in den Stöcken vermehrt.

Meistens muss zweimal über die Fläche gefahren werden, im ersten Schritt erfolgt das Zerkleinern des Materials und im zweiten wird alles in den Oberboden eingearbeitet. Diese Materialschicht, die dabei entsteht, wirkt wie eine Isolierschicht, die bei Sonneneinstrahlung die Verdunstung verringert. Die meisten Mulchgeräte haben Fräswerke mit rotierenden Meiseln, die auf den Boden einhämmern. Natürlich sollten auf der Fläche keine Metall- oder Betonteile vorhanden sein, auch alte Zäune führen immer wieder zu Schäden bei den Geräten. Ob sich die Geräte negativ auf die Bodenfauna auswirken, dazu gibt es keine genauen Studien. Grundsätzlich kann aber durch die Zerkleinerung des Materials auch von einer Erhöhung der biologischen Aktivität ausgegangen werden.

Bodenverdichtungsgefahr

Bei der Bodenverdichtung kann es zu negativen Auswirkungen kommen, wenn nur oberflächig zerkleinert wird. Durch die Verdichtung nimmt der Sauerstoffgehalt im Boden ab, die Tonmineralien werden verdichtet und damit verringert sich die Durchwurzelungskapazität bis zu einer Tiefe von einem Meter. Die Verdichtung verringert die Grobporen und erhöht die Mittel- und Feinporen. Grobporen sind wichtige Wasserleitbahnen und damit auch für die Bodenluft verantwortlich. Wurzeln dringen nur in Grobporen ein, während Mikroorganismen auch in Mittelporen leben können, aber nicht in Feinporen. Wasser in Feinporen ist für Pflanzen nicht verfügbar.
Wird ein zweites Mal mit einer Tiefenfräse von 30 bis 40 cm tief gearbeitet, wird diese Verdichtung wieder gelockert. Die Verdichtung selbst hängt natürlich von der Bodenart und vom Grobskelettanteil ab. Je toniger Böden sind, desto eher neigen sie zur Verdichtung (z.B. Pseudogleye). Bei sandigeren Böden ist die Verdichtungsgefahr geringer.

Kosten

Die Kosten fürs Mulchen hängen von der Anzahl an Durchgängen ab, ob einmal oder zweimal ab. Die Firmen verrechnen zwar oft nach Stunden, aber man kann die Hektarkosten mit 3.500 bis 4.500 Euro beziffern. Wird nachher maschinell mit kleinen Mulchern oder mit Hochgrasmähern gepflegt, verringern sich aber die Pflegekosten enorm. Auch für eine maschinelle Pflanzung ist eine Flächenvorbereitung wie Mulchen Voraussetzung. Egal ob händisch oder maschinell sollte jedoch beachtet werden, dass die Forstpflanzen nicht in die oberste Mulchschicht gesetzt werden, da sie sonst austrocken und absterben würden.

Wegen der Gefahr der Bodenverdichtung und der hohen Kosten kann jedoch auch das Mulchen einer Teilfläche überlegt werden. Wenn z.B. im Abstand von 10 bis 12 Meter ein Streifen von ca. vier Meter Breite gemulcht wird, dann kann die Zwischenfläche für Naturverjüngung belassen bleiben. Im gemulchten Streifen erfolgt die Aufforstung und auf einer Seite der Pflanzung kann in den folgenden Jahren gemulcht oder gemäht werden. Damit ist die Begehbarkeit der Fläche für z.B. Formschnitt- und Astungsmaßnahmen gewährleistet und die Mulchkosten betragen nur mehr ca. 30 bis 40 % der Gesamtfläche.

Förderung möglich

Mulchen als Bodenvorbereitung wird gefördert:

  • in Kombination mit einer geförderten Aufforstung mit Schwerpunkt Eiche (heimische Eichenarten)
  • in Kombination mit einer geförderten Aufforstung, wenn der Vorbestand mit Götterbaum/Robinie dominiert
  • die Förderung beträgt zwischen 840 und 1.120 Euro pro Hektar
  • Hilfestellung bei den Forstberatern der Bezirksbauernkammern

Mulchgeräte können für viele weitere Zwecke eingesetzt werden wie die Anlage von Rückegassen oder Wildwiesen oder zur Sanierung von Almen.
Die Conclusio aus allem: Mulchen ja, aber!

Nach Schadenereignissen ist ein Mulcheinsatz vor allem für die nachfolgenden Arbeiten zu empfehlen. Durch einen Herbizideinsatz wird auch der Unkrautdruck für einige Monate verringert.

Beim zweiten Arbeitsschritt mit einer Tiefenfräse wird beinahe eine „Ackerfläche“ geschaffen. Dies erleichtert danach eine maschinelle Pflanzung und Pflege.

Eine gut vorbereitete, gemulchte Fläche kann später leichter und billiger gepflegt werden. Diese Pflege ist gerade bei Laubholz für den leichten Zugang für Formschnitt- und Astungsmaßnahmen sehr wichtig.

Vorsicht bei Mulcheinsätzen auf dichten, tonigen Böden.

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