Mengenelastische Waldbewirtschaftung

Artikel aus Ausgabe 1/2021

Über uns, über unseren Betrieb zu erzählen, das machen wir ja nicht oft. Wir stellen sicherlich nicht den Musterbetrieb dar, aber wir sehen uns schon stellvertretend für viele andere land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Die ähnlich ticken, ähnlich tun, vielleicht aber auch viel fleißiger sind wie wir.

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Ausgabe: 1/2021
Thema: Reportage
Bundesland: Steiermark
Autor:in: Maximilian Handlos

Nach dem Bundesheer schien mir eine Umschulung zum Forstwart ganz gut passend und das Ziel, als Waldhelfer für den Waldverband zu arbeiten, klang auch recht spannend. Das Bildungsangebot, welches nur unter der Woche angeboten wurde, machte mir bei diesen Überlegungen einen Strich durch die Rechnung. Die Alternative, den Forstfacharbeiter berufsbegleitend in der FAST Pichl zu absolvieren, passte ganz gut für mich. Und weil ich parallel zu den Facharbeiter Kursen auch die für den Meister besuchen durfte, schloss ich schlussendlich mit dem Meister meine forstliche Ausbildung ab.

Durchforstungsrückstände

Wir arbeiten stetig daran, unsere Durchforstungsrückstände aufzuarbeiten und den Anteil an Altholz zu verringern. Auflichtungen, Saumschläge, Plenternutzungen stehen am Programm. Seit zehn Jahren probieren wir es auch mit anderen Baumarten, um den großen Anteil der Fichte, die 76 % der Bäume ausmacht und den 17 %igen Anteil der Tannen zu verringern. Versuche mit Douglasie, Küstentanne, Bergahorn und Schwarzerlen verliefen nicht immer erfolgreich. Eschen entwickelten sich prächtig, bis auch bei uns das Eschentriebsterben dieser Baumart das Garaus machte. Wir bauen unseren Wald sicherlich nicht zu einem Laubwald um. Fichten und Tannen sind hier standorttypisch und werden dies auch in der Zukunft sein. Und Tannen Naturverjüngungen wachsen hier wirklich prächtig.

Unsere Arbeiten im Wald passen wir den Jahreszeiten an. Im Frühjahr und Sommer erledigen wir Kleinigkeiten wie Wege richten und Bäumchen aussicheln. Wir legen aber großen Wert darauf, dass wir so früh wie möglich im Herbst mit den Holzarbeiten beginnen. Die Erfahrung hat uns einfach gelehrt, dass es im Herbst am unkompliziertesten im Wald zu arbeiten ist und dass der Holzabsatz in diesem Zeitraum meist unbeschränkt möglich ist. Alleine schon unser großer Hektarvorrat bedingt ein ständiges Nutzen. Die Sozialversicherungsbeiträge sind hoch genug und wenigstens diese sollen durch den Holzverkauf einigermaßen gut abgedeckt sein. Aber durch den tiefen und feuchten Waldboden, der sich nahezu über unsere gesamten Waldflächen erstreckt, bedeutet jeder Eingriff in das Bestandesgefüge eine Gratwanderung die Stabilität betreffend. Uns ist aber auch vollkommen bewusst, dass das Zuwarten und das Nichtstun die schlechtesten aller Alternativen überhaupt sind.

Mengenelastischer Waldbau

Irgendwann, so die irrwitzige Vorstellung in unseren Köpfen, sind wir mit dem Wald fertig. Und dann könnten wir ja Wald zukaufen. Dies hängt natürlich auch von den Möglichkeiten ab. Aber wir wissen schon, dass wir niemals an den Punkt kommen werden, dass es nichts mehr im Wald zu tun gibt. Wir verkauften in den letzten Jahren im Schnitt rund 100 Festmeter Holz jährlich. Da kommt noch unser Brennholz dazu. Wir sehen uns, und das wird auch für viele andere kleinere Betriebe so sein, als mengenelastisch. Unsere finanzielle Existenzgrundlage schaffen wir uns mit unseren Einkommen aus den Beschäftigungen außerhalb des Betriebes. Wir orientieren uns bei der Waldarbeit sicherlich nach den Verkaufspreisen für das Holz. Dementsprechend gestalten wir die Nutzungen. Das stete TUN im Wald ist uns schon klar und wir legen daher bei niedrigen Holzpreisen den Fokus auf jüngere Bestände, damit nicht so viel Holz anfällt.

Mehr als ein Holzhändler

Seit über 20 Jahren stehen wir treu und verlässlich zum Waldverband. Einfach aus der Überzeugung heraus, dass diese Organisation weit mehr ist als ein Holzhändler. Wir fühlen uns durch unseren Waldhelfer wirklich sehr gut betreut. Das Einbringen als Vorstandsmitglied finden wir selbstverständlich, um die Entwicklungen im Waldverband voran zu treiben. Unser gemeinsames Lebensmotto lautet: Es kommt so wie es kommt! Das klingt vielleicht, als leben wir ganz einfach in den Tag hinein. Dem ist nicht ganz so, denn das Vertrauen und das Wissen, dass wir schon etwas tun müssen, um unser gewünschtes Leben leben zu können, leitet uns stark. Und am besten ist sicherlich zu lernen, bereits beim Tun zu genießen. Diese wundervolle Umgebung hier bei uns am Hof und rundherum holt uns einfach runter vom Alltagsstress und dass wir nichts erzwingen können, lehrt uns die Natur täglich. Und darum geht es auch uns im Leben – dieses riesige Geschenk unseren Kindern zu vermitteln.

Ein Zusammenhalten über Generationen, um viele Ansprüche und Verantwortungen erfüllen zu können.

Unweit von Wenigzell mit Blick Richtung Wechsel finden wir den Betrieb Hofstätter.

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