Klimafitte Baumarten

Artikel aus Ausgabe 1/2019

Wie die aktuelle Borkenkäfersituation leider eindrucksvoll zeigt, wird es in den tiefen Lagen Österreichs für die Fichte zu warm und zu trocken. Dabei erleben wir nun erst den Anfang des Klimawandels. Es gibt aber auch Baumarten, die mit dem Klimawandel gut zurechtkommen und durchaus interessante Erträge liefern können.

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Ausgabe: 1/2019
Thema: Aufforstung, Klimafitter Wald, Waldbau
Bundesland: Österreich
Autor:in: DI Christoph Jasser

Nadelholz ist für den Bereich Holzbau unverzichtbar. Gerade der Holzbau ist eine wichtige Kohlenstoffsenke, die wir für den Klimaschutz dringend benötigen und auch noch forcieren sollten. Aber auch die Laubholzverwendung wirkt sich dämpfend auf den steigenden CO2-Gehalt der Luft aus. Mischungen aus verschiedenen Ersatzbaumarten zur Fichte haben zudem ein geringeres Risiko und wirken sich meist günstig auf den Standort aus.

Die Nadelholzarten

Weißtanne: Alleine das tiefreichende Wurzelsystem der Tanne zeigt, dass diese mit Trockenheit besser zurechtkommen kann als die Fichte. Die Tanne ist für fast alle Standorte ab einer Seehöhe von 450 Metern geeignet. In der Wuchsleistung übertrifft sie die Fichte um bis zu 20 %. Da sie zudem gegen Fäulen weniger anfällig ist, hat sie gegenüber der Fichte auch betriebswirtschaftliche Vorteile. Leider ist der vielfach zu hohe Verbissdruck dafür verantwortlich, dass die Tanne nicht den Anteil in unseren Wäldern einnimmt, der ihr aufgrund ihrer Leistungsfähigkeit zustehen würde. Ihre amerikanische Verwandte, die Riesentanne, besticht zwar durch enorme Zuwächse, allerdings ist die Holzqualität deutlich schlechter und sie ist in Trockengebieten durch Hallimasch stark gefährdet. Sie sollte nur als Zeitmischung Verwendung finden.
Lärche: Ähnlich wie die Tanne ist auch die Lärche für die meisten Standorte geeignet. Kritisch sind aber sonnseitige, flachgründige Standorte, da hier die Lärche wegen der zeitweise angespannten Wasserversorgung häufig versagt. Positiv hervorzuheben sind bei Lärche die hohe Sturmfestigkeit und der hohe Holzpreis. Allerdings bleibt sie im Zuwachs hinter der Fichte zurück. Bei der Wahl der richtigen Herkunft ist besonders auf die Seehöhe zu achten. Keinesfalls dürfen Herkünfte aus Tieflagen für Hochlagen und umgekehrt verwendet werden. Auch sollen keine Reinbestände begründet werden. Im montanen Bereich hat sich die Mischung mit Buche, in noch tieferen Lagen auch mit Hainbuche, bewährt.

Douglasie: Seit rund 135 Jahren wird die Douglasie in Österreich angebaut. Einzelne Bäume haben bereits die Höhe von 60 m überschritten. Während Starkholz gut absetzbar ist, gibt es beim Schwachholz noch Probleme. Diese werden sich aber bald lösen, wenn aufgrund der höher anfallenden Mengen an Douglasienholz die Zerspanerwerke diese Baumart verarbeiten werden. In Verbänden von 3 x 2 m gesetzt liefert die Douglasie gutes Bauholz auch ohne Astung. Diese ist allerdings bei Wertholzerziehung unerlässlich. Die Douglasie kommt mit sommerlicher Trockenheit sehr gut zurecht. Sie versagt völlig auf Kalkstandorten ohne Braunlehmüberdeckung, neigt in luftfeuchten Lagen zur Schütte und ist auf schweren Böden durch Windwurf gefährdet. Auf den richtigen Standorten ist sie sehr leistungsstark und stabil.

Weißkiefer: Diese Baumart wird in Trockengebieten an Bedeutung gewinnen. Sie kann zwar in der Ertragsleistung mit den anderen Nadelholzarten nicht mithalten, stellt aber auf einigen Standorten die einzige Möglichkeit dar. Auch die Schwarzkiefer aus südeuropäischen Herkünften könnte eine interessante Alternative sein.

Die Laubholzarten

Stiel- und Traubeneiche: Für die schweren Böden in tiefen Lagen ist die Stieleiche eigentlich ohne Alternative, die Traubeneiche ist hingegen eine Baumart der trockenen Standorte. Viele denken bei diesen Baumarten an Umtriebszeiten von 200 Jahren und mehr. Mit modernen Waldbaumethoden (Q/D-Verfahren mit Astung und starken Freistellungen) lässt sich aber durchaus starkes Wertholz in Umtriebszeiten von 90 bis 120 Jahren erzielen. Entgegen weitverbreiteter Ansichten ist der Waldbau bei Eichen einfacher als bei anderen Baumarten, da die Eichen auch Fehler in der Bewirtschaftung tolerieren. Beide Arten sind für höhere Temperaturen geeignet und werden daher auch dem Klimawandel trotzen. Es muß sicherlich in Zukunft mehr mit Eiche gearbeitet werden.

Bergahorn: In der Vergangenheit wurde der Bergahorn häufig als Verlegenheitslösung auf sehr vielen Standorten gesetzt. Das gute Anfangswachstum täuscht oft, denn nach rund 20 Jahren gehen die Zuwächse auf ungeeigneten Standorten stark zurück. Geeignete Standorte sind basenreiche Unterhänge mit entsprechender Wasserversorgung. Nicht geeignet sind stark saure oder sehr schwere Böden und auch im Auwald macht der Bergahorn nach raschem Jugendwachstum später meist Probleme. Bei trockenerem Standort und im Auwald sollte eher der Spitzahorn gepflanzt werden.

Buche: Betriebswirtschaftlich fällt die Buche gegenüber den Edellaubbaumarten und den Eichen derzeit deutlich ab. Reine Buchenbestände sollen – trotz der beachtlichen Trockenmasseproduktion – aus wirtschaftlichen Überlegungen nicht angestrebt werden. Hingegen sollte die Buche in fast jedem Wald der tieferen Lagen zur Verbesserung des Bodens und der Bestandesstabilität beigemischt werden. Auf Rendsinastandorten ist sogar eine 30 %-Buchenbeimischung erforderlich um die Standortskraft zu erhalten.

Kirsche, Nuss, Schwarznuss: Diese Baumarten sind nur für Waldgärtner zu empfehlen, da sie in der Jugend intensive Pflege brauchen. Bei sehr gutem Wachstum ist es sogar erforderlich, dass jedes Jahr Astungen an den Z-Baumkandidaten durchgeführt werden. Diese Zeit der intensiven Pflege ist aber kurz. Der Lohn für diese intensive Pflege ist die Produktion von wertvollem Holz in relativ kurzer Zeit. Für ein entsprechendes Wachstum brauchen Kirsche und Walnuss tiefgründige Böden, die nicht zu sauer oder zu schwer sein dürfen. Besonders hohe Ansprüche an Boden und Wasserversorgung stellt die Schwarznuss.

Roteiche: Diese amerikanische Eiche überzeugt mit sehr raschem Wachstum und ahornähnlicher Ausformung. Starkes Holz kann schon mit 70 Jahren erzeugt werden, allerdings erreicht das rötliche, nicht dauerhafte Holz nur die Hälfte des Wertes unserer Eichen. Auf kalkhaltigen Böden versagt die Roteiche – ähnlich wie die Douglasie – vollständig.

Birke: Auf größeren Schadflächen kommt oft dichte Birkennaturverjüngung auf. Vielfach wird sie beseitigt, man kann sie jedoch als Vorwald nutzen (Bodenverbesserung, Verdrängung von Konkurrenzvegetation). Zudem ist das Birkenholz ein gesuchtes Brennholz und bei sehr starker und baldiger Freistellung von rund 100 Z-Bäumen je Hektar ist auch eine Wertholzproduktion möglich. Gerade auf größeren Schadflächen oder bei Mangel an geeignetem Pflanzmaterial sollte die Birke als Option durchaus in Erwägung gezogen werden.

23-jährige Hybridnuss – durch rechtzeitige Pflege mit sehr hoher Werterwartung.

Nach der Astung verbessert sich die Stammform einer Eiche mit zunehmendem Alter deutlich.

Tannenreicher Altbestand mit hoher Qualität und gut 1.000 Vfm/ha.

Stieleiche mit 28 Jahren und 32 cm BHD, in 80 bis 90 Jahren ist der Zieldurchmesser erreicht.

Zufriedene Forstleute in 100-jährigem Douglasienstarkholz.

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