Försterin Katharina Fleischhacker, ehemals Obfrau der WWG Weiz Süd sagte mit Nachdruck zu Alois Stefan: „Du bist Waldverband!“ Somit war für Herrn Tieber klar, dass er dem Ruf, Obmann der WWG Weiz Süd zu werden, folgen musste. Denn für ihn ist der Waldverband eine Erfolgsstory und er meint sehr überzeugend: „Gäbe es diese Organisation nicht, müsste man sie unbedingt erfinden“.
Tradition und Zukunft
Gemeinsam mit seiner Frau Claudia, seinen Kindern und der Unterstützung der Eltern bewirtschaftet Alois Stefan Tieber heute einen vielseitigen Betrieb. Neben dem Wald gehören biologischer Obstbau sowie Ackerflächen zum Bauernhof. Nach dem Auflassen der Rinderhaltung suchte die Familie Verwertung für die Grünlandflächen. Der artenreiche Obstbau mit Pfirsich, Aronia, Kastanie und Walnuss stellt mittlerweile eine weitere Existenzgrundlage dar. Mais, Kürbis, Winterweizen, Soja, Sonnenblumen, Käferbohnen im Mais werden auf den Ackerflächen angebaut. Kürbiskerne werden zu Kürbiskernöl verarbeitet und auch die anderen Ernten aus dem Ackerbau werden vollständig regional vermarktet. Trotz dieser vielfältigen Betriebszweige im Acker- und Obstbau ist für den Betriebsführer klar: „Das Herzstück unseres Hofes ist unser Wald. Durch langfristige Entscheidungen unserer Vorgenerationen profitieren wir heute von stabilen Wäldern mit Erträgen, die unsere Existenz langfristig sichern.“
Bewirtschaftung mit Weitblick
Als Alois Stefan Tieber den elterlichen Betrieb 2008 übernahm, setzte er einen Weg fort, der bereits Jahrzehnte zuvor eingeschlagen worden war. Schon sein Vater Alois legte in den 1970er-Jahren großen Wert auf stabile Mischwälder. Eine Entscheidung, die sich heute angesichts des Klimawandels als besonders weitsichtig erweist. Auch heute noch orientiert sich die Bewirtschaftung konsequent an den natürlichen Gegebenheiten des Standortes. Durchforstungen erfolgen mit dem Ziel, jene Bäume zu fördern, die langfristig das größte Potenzial besitzen. “Der Baum, der zum Standort passt, bekommt seine Chance”, beschreibt Tieber seine Philosophie.
Der letzte größere Kahlschlag liegt bereits fast drei Jahrzehnte zurück. Seit 1997 werden Bestände nahezu ausschließlich über Naturverjüngung erneuert. Wo notwendig, werden einzelne klimaangepasste Baumarten ergänzt. Besonders Buche, Tanne, Eiche, Lärche und Kiefer sorgen heute für stabile Mischbestände. Reine Fichtenbestände werden Schritt für Schritt umgebaut. Gleichzeitig setzt Tieber auf konsequente Pflege. Durchforstungen dürfen nicht aufgeschoben werden, denn nur gepflegte Bestände entwickeln sich stabil und liefern hochwertiges Holz.
Die Waldarbeit konzentriert sich auf die Wintermonate. Von Weihnachten bis Ende Februar werden Durchforstungen durchgeführt, Schadholz aufgearbeitet und Bestände gepflegt. Unterstützt wird Tieber dabei von langjährigen Wegbegleitern. Kevin unterstützt ihn seit 17 Jahren in seiner Freizeit bei der Waldbewirtschaftung. Gegenseitige Hilfe ist für ihn selbstverständlich und ein wesentlicher Bestandteil erfolgreicher Forstwirtschaft.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Borkenkäfer. Bereits im Frühjahr werden potenzielle Gefahrenstellen kontrolliert, Fangbäume gelegt und befallenes Holz rasch aus dem Wald gebracht. Nach Schneebruchereignissen erfolgt die Aufarbeitung möglichst schnell, um Folgeschäden zu verhindern. “Wenn man den Wald laufend beobachtet, können wir rechtzeitig reagieren”, lautet seine Erfahrung.
Erfolgsstory Waldverband
Seit 2003 ist der Betrieb Mitglied der WWG Weiz Süd und somit auch Teil des Waldverbandes Weiz und des Waldverbandes Steiermark. Für Alois Stefan Tieber zählt diese Entscheidung zu einer besonders wichtigen Weichenstellung des Familienbetriebes. Vor allem kleinere Waldbesitzer profitieren von der gemeinschaftlichen Vermarktung. Der Waldverband bündelt Holzmengen, organisiert die Abfuhr und schafft Kontakte zu Märkten, die für einzelne Betriebe kaum erreichbar wären. Ob Mondphasenholz nach Gusswerk, Sägerundholz nach Oberösterreich oder Kiefernholz für internationale Märkte – erst durch den Zusammenschluss entstehen diese Möglichkeiten.
“Ich will mich nicht mit Holzeinkäufern auseinandersetzen. Ich arbeite mein Holz auf und danach brauche ich mir keine Sorgen mehr machen”, bringt Tieber den praktischen Nutzen auf den Punkt. Neben der Vermarktung schätzt er vor allem die finanzielle Sicherheit, die professionelle Organisation und den fachlichen Austausch. Als heutiger Obmann der WWG Weiz Süd erlebt er täglich, wie wichtig die Gemeinschaft gerade für kleinstrukturierte Betriebe ist. Sein Ziel ist klar: Jeder Waldbesitzer soll für sein Holz den gleichen Marktwert erzielen – unabhängig von der Betriebsgröße: “Der Waldverband verbindet uns mit dem Markt und gibt uns Sicherheit. Alleine könnte ein kleiner Waldbesitzer das niemals leisten.”
Wie wertvoll dieses Netzwerk ist, zeigte sich auch nach den massiven Schneebrüchen im Februar. Innerhalb kürzester Zeit mussten große Mengen Schadholz organisiert, gelagert und vermarktet werden. Ohne den Waldverband wäre dies für viele Betriebe kaum zu bewältigen gewesen.
Absicherung für morgen
Neben der Rundholzvermarktung spielt am Bauernhof Tieber auch die Brennholzproduktion eine wichtige Rolle. Jährlich bereitet der Betrieb zwischen 200 und 250 Raummeter Scheitholz auf, rund 90 Prozent davon ofenfertig. Die Nachfrage stammt überwiegend aus der Region und zeigt, dass Holz als regionaler Energieträger weiter an Bedeutung gewinnt.
Für Alois Stefan steht fest: Die Zukunft der Land- und Forstwirtschaft liegt nicht im Gegeneinander, sondern im Miteinander. Betriebe müssen sich an den Klimawandel anpassen, offen für neue Vermarktungswege bleiben und ihre Wälder langfristig denken. Gleichzeitig ist er überzeugt, dass die Wertschätzung für regionale Lebensmittel und den Rohstoff Holz weiter wachsen wird. „Ich sehe viele engagierte junge Bäuerinnen und Bauern, die mit neuen Ideen erfolgreich sind. Das macht Mut.“ Für ihn bleibt deshalb der Wald das Sinnbild nachhaltigen Wirtschaftens – denn was heute gepflegt und gefördert wird, kommt oft erst der nächsten Generation zugute.
4-Generationen Haus bei Familie Tieber
Die Brennholzvermarktung liefert einen sehr wertvollen Beitrag zum Betriebseinkommen.
Fakten & Details
Familie
Claudia und Alois Stefan Tieber
(Claudia arbeitet beim AMS in Feldbach, Alois Stefan hat den Betrieb 2008 von den Eltern übernommen)
Eltern Alois und Maria
Drei Kinder: Alois Sebastian 13 Jahre, Amelie 15 Jahre, Sophie 17 Jahre
Oma Maria mit 101 Jahren lebt auch noch am Betrieb
Betriebsdaten
93 ha werden insgesamt
bewirtschaftet (72 ha Eigenfläche +
21 ha Pachtfläche)
32 ha Wald
6 ha Obstbau biologisch
Rest ist Ackerfläche
Maschinen für den Forst
Kranwagen in Gemeinschaft mit
23 Nachbarn
Seilwinde in Gemeinschaft mit einem Nachbarn
Rückezangen,
3 Traktoren,
5 Motorsägen




