Die Zukunft der Fichte

Artikel aus Ausgabe 4/2018

Auch wenn derzeit der Borkenkäfer in großen Teilen Nieder- und Oberösterreichs wütet, wird die Fichte in vielen Wäldern Österreichs weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Im Zuge des Klimawandels gilt es allerdings die derzeitigen Erkenntnisse in die Bewirtschaftung einfließen zu lassen.

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Ausgabe: 4/2018
Thema: Wald & Wirtschaft, Waldbau
Bundesland: Österreich
Autor:in: DI Alexander Zobl

Grundsätzlich bevorzugt die Fichte tiefgründige, gut Wasser versorgte Böden, die allerdings auch nicht staunass sein sollen. In kühleren Lagen findet sie ihre natürliche Hauptverbreitung, da hier vor allem das Forstschutzrisiko, insbesondere hinsichtlich Borkenkäferschäden, wesentlich geringer ist. Untersuchungen über ihre derzeitige Verbreitung in Europa – unabhängig ob natürlich oder künstlich – zeigen, dass der Großteil der Fichten in Gebieten mit einer Jahresmitteltemperatur zwischen 3,2 Grad und 9,6 Grad Celsius vorkommen. In Europa findet man ab einer Jahresmitteltemperatur von 11 Grad Celsius keine Fichten mehr. Derzeitige Jahresmitteltemperaturen liegen beispielhaft für St. Florian bei Linz bei 9,4 Grad Celsius oder für Salzburg Stadt bei 9,0 Grad Celsius. Bei einer Temperaturerhöhung von mehr als zwei Grad Celsius wird in vielen tiefen Lagen bis zum Ende des Jahrhunderts die Fichte ausfallen. Eine Jahresniederschlagsmenge von 700 Millimeter gilt als Minimum. Der entscheidende Faktor ist allerdings dabei die Niederschlagsverteilung und die Wasserverfügbarkeit während der Vegetationszeit. Je nach Boden- und Humustyp stehen außerdem unterschiedliche Wasserspeicherkapazitäten zur Verfügung. Die Bodentextur gibt dabei Auskunft, ob und wie diese Speicher von den Baumwurzeln angezapft werden können. Bei steigenden Temperaturen müssen insgesamt diese Faktoren günstiger ausfallen, um vitale Bestände zu erzielen. Wenn in den letzten Jahrzehnten nachweislich Dürre- und Hitzeperioden häufiger und auch länger geworden sind, sollten Fichten jedenfalls an ihrem derzeitigen Arealrand nicht mehr angebaut werden.

Dauerversuchsflächen zeigen optimale Stammzahlhaltung

Das Bundesamt und Forschungszentrum für Wald hat schon vor einigen Jahrzehnten begonnen, Dauerversuchsflächen zur optimalen Stammzahlhaltung für die Fichte einzurichten. Für die Praxis lassen sich derzeit zwei mehr oder minder ähnliche Modelle ableiten. Beide haben aber insgesamt weitere Pflanzabstände und frühzeitige, kräftige Pflegeeingriffe zum Ziel. Im Schleppergelände reicht in Variante 1 ein Pflanzabstand von zwei Metern bei der Fichte vollkommen aus. Bei einer Oberhöhe von zwölf bis maximal 15 Metern erfolgen die Auswahl der Zukunftsbäume und die erste Durchforstung. Bis zur halben Umtriebszeit werden insgesamt zwei bis maximal drei kräftige Durchforstungen durchgeführt, um den H/D-Wert nachhaltig unter 80 zu halten. Danach lässt man den Bestand bestehend aus 300 bis 400 Bäumen pro Hektar bis zur Ernte reifen. Bei Variante 2 wird bei einer Oberhöhe von fünf Metern eine kräftige Läuterung durchgeführt, sodass nur mehr 1.100 bis maximal 1.500 Fichten pro Hektar verbleiben. Anschließend wird mit zwei Durchforstungen bis zur halben Umtriebszeit derselbe Weg wie mit Variante 1 beschritten. Um sich die Läuterung zu sparen, kann und soll insbesondere im Seilgelände bereits ein Pflanzabstand von 2,6 mal 3 Metern gewählt werden. Hinsichtlich H/D-Wert labile Fichtenbestände müssen anders behandelt werden. Näheres erfahren sie hierzu in der Durchforstungsbroschüre, die in den Landwirtschaftskammern erhältlich ist.

Wer streut, der rutscht nicht aus

Das gilt als Devise für zukünftige Wälder. Diese Mischwälder sollen aus Baumarten mit unterschiedlichen ökologischen Ansprüchen bestehen, um das Risiko besser zu streuen. In den Gebirgswäldern wird man den Trend fortsetzen, auch im natürlichen Verbreitungsgebiet von Fichtenreinbeständen, Mischbaumarten wie Tanne, Lärche, Buche und Bergahorn zu etablieren. In tieferen Lagen kommt zusätzlich der Eiche sicher eine große Bedeutung zu. Auf geeigneten Standorten wird außerdem die Douglasie als Mischbaumart eine äußerst interessante wirtschaftliche Alternative zur Fichte sein.

Flankierende Maßnahmen

Wenn es um Klimafitness der Wälder geht, hat die Ganzbaumnutzung auf den kritischen seichtgründigen Standorten insbesondere über Kalk und Dolomit zu unterbleiben. Hier kommt der Biomasse zur Humusbildung große Bedeutung zu, um die Wasserspeicherung der Böden zu verbessern. Die Wasserverfügbarkeit darf auch nicht durch das flächige Befahren mit Forstmaschinen herabgesetzt werden. Bodenschäden sind nach dem Prinzip „Einmal ist nicht keinmal“ für Baumgenerationen irreversibel. Durchforstungen und eine geringere Stammzahlhaltung ermöglichen zusätzlich, dass kleinere Niederschlagsereignisse auch Boden wirksam werden. Es ist nicht zu unterschätzen, wieviel Regen durch Interzeption – also im Kronendach – sprichwörtlich hängen bleibt.

„Aktive Waldbewirtschaftung sorgt für die richtige Weichenstellung und für einen klimafitten Wald.“

Eine Jahresmitteltemperatur über 11°C scheint bedingt durch die damit einhergehende Überlegenheit des Buchdruckers die realistische Grenze für den Fichtenanbau zu sein.

Bei einem mit 2,6 x 3 Meter angelegten Bestand erfolgt die Erstdurchforstung bei ca. 15 Meter Oberhöhe.

Ohne Pflege steigt der H/D-Wert. Frühzeitige kräftige Durchforstungen haben einen H/D-Wert unter 80 zum Ziel.

Bei einem 2 x 2 Meter angelegten Bestand muss die Erstdurchforstung früher (bei ca. 12 Meter) durchgeführt werden.

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